Tablet PCs Blei in den Regalen

Die von Microsoft initiierten Tablet-PCs verkaufen sich nicht, klagen die Hersteller - und fühlen sich von MS im Stich gelassen. Der Softwareriese versichert, er stehe nach wie vor hinter dem Konzept.


"Super Cool", meint Bill Gates: Der Kunde hat das noch nicht begriffen
REUTERS

"Super Cool", meint Bill Gates: Der Kunde hat das noch nicht begriffen

Das hat schon was, wenn sich der reichste Mann der Welt persönlich ins Zeug legt und mächtig für ein neues Produkt trommelt. Im Spätherbst letzten Jahres tat dies Bill Gates für den Tablet PC - schließlich beruhte die ganze neue Generation von Klein-Laptops auf einer von Microsoft herausgegebenen Spezifikation.

Sogar ein eigenes Windows XP-Derivat programmierten die Microsöftler: Was sollte da noch schiefgehen?

Eine Menge, wie's scheint, denn die Hersteller sind derzeit alles andere als zufrieden. Acer, im Herbst erster Hersteller, der ein serienreifes Tablet PC vorlegen konnte, beklagt einen Umsatzeinbruch von 50 Prozent gegenüber dem letzten Quartal 2002 im Segment. Da verkaufte Acer stante pede noch rund 35.000 Geräte - die Neugier der ersten Stunde verlieh dem Verkauf Flügel.

Vorbei, sagt auch Hewlett-Packard (HP), obwohl der IT-Riese weniger freigiebig mit genauen Zahlen umgeht. Bei Acer hingegen spricht man von einem "Desaster" zu Beginn des Jahres, und nur der Aufschwung seit Einführung der Centrino-Modelle im April lasse den Hersteller nun hoffen. Jetzt stiegen die Verkaufszahlen wieder leicht - und blieben doch weit hinter den Erwartungen zurück.

Tablet PC Acer C100: Schick, mit drehbarem Bildschirm - halb Laptop, halb Notepad

Tablet PC Acer C100: Schick, mit drehbarem Bildschirm - halb Laptop, halb Notepad

Die allerdings waren wohl überzogen. So sexy ein ultraflaches Tablet PC auch sein mag, ist das Gerät doch kein Consumer-PC: Dafür sind die Dinger mit zurzeit 1700 bis 2500 Euro zu teuer und bieten dann zu wenig. Konzipiert wurden sie für sehr spezifische Anwendungen im Business-Markt - doch gerade der zeigt seit Monaten wenig Investitionsbereitschaft.

Auch HP klagt über sinkende Verkaufszahlen. Das US-Unternehmen hatte im vierten Quartal des vergangenen Jahres noch Komponenten zur Produktion von 30.000 Tablet PCs bestellt. Darauf folgten nur mehr kleine Klecker-Nachbestellungen weit unterhalb der Erwartungen und Planungen, berichten taiwanesische HP-Zulieferer. Und das liege nicht etwa nur an Preisen, Krisen und geizigen Investoren: Microsoft habe den Hardware-Produzenten nicht die "Unterstützung" zukommen lassen, die ursprünglich erwartet wurde.

Ein Vorwurf, den Redmond natürlich nicht auf sich sitzen lassen will. Im November 2002 hatte MS mit dem Launch seines Windows XP für Tablet PCs für einen anfänglichen Schwung auf dem Markt gesorgt. Doch - entgegen anderer Wahrnehmungen und Behauptungen - habe man danach keinesfalls die Bemühungen zur Promotion der neuen Produkte eingestellt. Der Markt, heißt es bei Microsoft, entwickle sich so, wie man das erwartet habe.

Das werden die Partner kaum gern hören: Es sei nur natürlich, dass der Markt eine gewisse Zeit brauche, um neue Produkte anzunehmen, heißt es aus Redmond. Völlig andere Töne als noch zur Einführung des Modellkonzeptes sind das: Da rächt sich, das sich die amerikanisch geprägte IT-Industrie bei jeder Präsentation in Jubelchöre über Revolutionen und die Veränderung der Welt versteigt. Gegenwärtig sind über 50 Hard- und Softwareproduzenten im Tablet-PC-Bereich engagiert, allein 20 davon aus Taiwan.



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