Tech-Ranking Deutschland in den Top 10

Ein neues Tech-Ranking sieht Deutschland ungewöhnlich hoch platziert. Gemessen wurde, wie Nationen Technologien nutzen, um ihren "sozialen und ökonomischen Wohlstand" zu mehren. So richtig glänzen kann in dieser Hinsicht aber kein Land.


Die meisten Studien, die den technologischen Fitnessgrad einer Nation bestimmen wollen, schauen auf Aspekte, die sie als Indikatoren dafür definieren: Das kann die Zahl der Breitbandanschlüsse sein, die Zahl der beantragten Patente, die Verbreitung bestimmter Geräte. Leonard Waverman von der London Business School wählte für eine Studie im Auftrag von Nokia Siemens Networks einen anderen, umfassenderen Ansatz.

Leonard Waverman: Der Macher der Studie liefert die bisher umfassendsten Vergleichsdaten zur "Connectivity" von Staaten ab

Leonard Waverman: Der Macher der Studie liefert die bisher umfassendsten Vergleichsdaten zur "Connectivity" von Staaten ab

Ihn interessierte, wie Nationen Technologien nutzen, um ihren "sozialen und ökonomischen Wohlstand" zu mehren. Im Klartext: Er wollte nicht wissen, wer was hat - sondern was es den untersuchten Gesellschaften bringt, was sie aus ihren spezifischen Möglichkeiten herausholen. Die "Connectivity Scorecard"-Studie untersucht, wie effizient Länder und Ökonomien ihre Möglichkeiten nutzen.

Um dabei nicht Äpfel mit Birnen zu vergleichen, teilte Wavermans Forschungsgruppe die untersuchten Nationen in zwei Kategorien: Wie das World Economic Forum unterscheidet er zwischen Innovations-getriebenen Ökonomien und solchen, die sich vornehmlich auf die Vermarktung von Ressourcen stützen.

Ungewöhnlich an der Studie ist die Vielzahl der Faktoren, die Waverman einfließen ließ: Punkten konnten die untersuchten Nationen jeweils damit, wie gut die Infrastrukturen für Konsumenten, die Wirtschaft und die Politik und Verwaltung ausgebaut sind, und wie diese separaten Gruppen diese Infrastrukturen dann nutzen. Einfließen ließen sie auch Informationen über den Technik-spezifischen Bildungsstand, den Qualifikationsgrad von Arbeitnehmern und Statistiken darüber, ob und in welchem Maße der Einsatz von Technologien zu ökonomischem Wachstum und erhöhter Nutzung führte. Das alles und mehr floss in eine "Scorecard", eine Wertungsliste ein.

Die Top-Gruppe der Tech-Nationen: Luft nach oben

Die Top-Gruppe der Tech-Nationen: Luft nach oben

Deutschland landet in der ersten, aus sechzehn Nationen bestehenden Gruppe, auf Platz Acht. Gemessen am Bewertungsindex ist das gut, denn 5,57 Punkte aus 10 möglichen bedeuten eine Platzierung an der Oberkante des Mittelfelds - denn wirklich glänzen kann in Wavermans Bewertungsliste niemand. Auch die USA, Spitzenreiter bei der effizienten Nutzung der technologischen Möglichkeiten, kommen nur auf 6,97 Punkte.

Wavermans Forschungsgruppe sieht in dem Ranking darum vor allem einen "Weckruf für Wirtschaft und Regierungen". Sein Index zeige vor allem, dass man aus den vorhandenen Möglichkeiten noch weit mehr machen könne. Interessant ist an seinem Ansatz vor allem, dass er eben diese Nutzungseffizienz in den Mittelpunkt stellt: In dieser Hinsicht übertrifft Russland mit seinen bescheideneren Möglichkeiten, aber 6,11 Punkten auf der Scorecard, einsortiert in das Cluster der Länder, die ihre wirtschaftliche Kraft eher aus Ressourcen denn aus Innovationen beziehen, das Hightech-Land Deutschland um Längen. Zugleich verbucht das so hoffnungsvolle, Hightech produzierende Schwellenland Indien mit 1,68 Punkten einen katastrophalen Wert - niedriger liegt nur Nigeria.

Das Beispiel zeigt, worauf es ankommt bei der "Connectivity Scorecard": Es geht nicht darum, was eine Nation hat oder produziert, sondern darum, was es daraus macht - und was bei Bevölkerung und Wirtschaft ankommt.

Die Studie steht im PDF-Format kostenlos zum Download bereit.

pat

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