Technikärgernis Autolicht Glühbirne wechseln? Auto demontieren!

Kühlergrill abschrauben, Batterie ausbauen, dann endlich die Birne wechseln: Je moderner die Autos, desto komplizierter oft der Glühbirnenwechsel. Manche Hersteller geben Laien gar keine Wechselanleitung mehr, nur den Rat: Werkstatt! Dabei geht es auch sehr einfach.


So klingt Autoschrauberfrust: "Ewig geschuftet und nichts erreicht außer wunder Hände" - wer beim Renault Clio eine Scheinwerferglühbirne wechselt, schreibt sich etwas später gerne in Web-Foren den Ärger von der Seele (wenn die Hände noch heile sind).

Da lesen Leidensgenossen mit, kommentieren die Horrorgeschichten mitfühlend ("Ich schraube doch nicht mein halbes Auto auseinander, nur um eine Glühbirne zu wechseln - eigentlich eine Frechheit!"), die Erfolgsberichte staunend ("Mach mal Bilder, wie Du da noch eine Hand reinbringst!") und die Hilferufe mit nützlichen Tipps wie:

  • "Aber die Batterie hast Du ausgebaut auf der Fahrerseite, oder?"
  • "Habe nur die Abdeckung von Batterie und Sicherungskasten weggemacht. Dann halt elendige Fummelei, aber wenn man weiß, wie es da ungefähr aussieht, kann man alles gut ertasten."
  • "Schrauben vom Radkasten-Spritzschutz entfernen, darunterliegende Schrauben entfernen, Schrauben vom Unterfahrschutz entfernen, Schrauben oberhalb des Grills entfernen, dann am besten zu zweit die Stoßstange nach vorn wegheben."

Ist es wirklich so schwierig, ein Auto zu konstruieren, bei dem ein Nicht-Mechaniker an die Glühbirnen kommt?

Es scheint so. Tester des Magazins "Auto Bild" haben 2008 bei 36 aktuellen Pkw-Modellen den Glühlampenwechsel versucht. Ergebnis: Nur bei 18 Autos ist der Wechsel einfach. Einige der Negativbeispiele laut "Auto Bild":

  • Audi A4: "Zuerst Verkleidungen demontieren, dann Scheinwerfer ausbauen. Besser in die Werkstatt."
  • Audi A6: "Wechsel nur in der Werkstatt möglich."
  • Renault Clio: "Wechsel nur in der Werkstatt möglich."
  • Honda Civic: "Auf der Fahrerseite muss die Batterie ausgebaut werden. Wir empfehlen die Werkstatt."

An der Größe des Autos kann es also nicht liegen - der Wechsel ist bei manchen Pkw-Riesen genauso kompliziert wie bei einigen Kleinwagen.

Warum das bei einigen Audi-Modellen so schwierig ist, erklärt Audi-Sprecher Eric Felber so: "Das Vorhalten von Greifraum für Lampenwechsel führt zu permanenten Nachteilen hinsichtlich CW-Wert und Design."

Außerdem gelte für alle Hersteller, so der Audi-Sprecher, dass "mehr Innenraum bei weniger äußerer Größe und einer stetig steigenden Zahl von Komfortsystemen angeboten werden muss." Abgesehen davon sei bei Audi-Modellen ein Wechsel immer seltener nötig - wegen spezieller Longlife-Lampen und der Vermeidung von Überspannungen durch ein spannungsgeregeltes Bordnetz.

"Demontage einiger Bauteile im Motorraum nötig"

Ähnlich erklärt Renault-Sprecher Thomas May-Englert den manchmal komplizierten Wechsel - durch die "gestiegenen Anforderungen an Sicherheit (Insassen- und Fußgängerschutz) und Komfort (Klimaanlage) wurde der Motorraum zu klein, um große Freiräume zum Wechsel der Birnen zu lassen."

Renault rät Kunden vom eigenständigen Glühbirnenwechsel generell bei den Modellen Modus, Clio, Mégane, Koleos, Laguna und Vel Satis ab, da hier die "Demontage einiger Bauteile im Motorraum" nötig sei. Grund dafür laut May-Englert: "Die spezifische Anordnung dieser Teile ist notwendig, um die bestmögliche Crash-Sicherheit zu erzielen, die bei der Entwicklung von Renault-Modellen oberste Priorität hat."

Es stimmt schon - heute bringen die Hersteller viel mehr Technik in immer kleineren Motorräumen unter als noch vor zehn Jahren. Da war der Glühbirnenwechsel meistens viel einfacher als heute - es war einfach mehr Platz da. Das bestätigt Bernd Volkens, Redakteur im Ratgeber-Ressort bei "Auto Bild": "Servolenkung, Klimaanlage und so weiter, da ist der Platz inzwischen bis auf den letzten Millimeter ausgereizt."

Im neuen Golf kann man die Lampen selbst wechseln

Natürlich leidet darunter die Erreichbarkeit einzelner Teile - generell. Doch einige Hersteller schaffen es, trotz Platzmangel die Glühbirnen einigermaßen erreichbar zu gestalten. Autotester Volkens: "Bei manchen Modellen kann man als Laie mit etwas Mühe die Glühbirnen wechseln, bei anderen geht das kaum ohne Verletzungen an den Armen und viel Zeit."

Ein Positivbeispiel ist der VW Golf: Beim Modell IV riet Volkswagen noch allen Kunden, zum Lampenwechsel in die Werkstatt zu fahren. Denn beim Golf IV muss man die Front samt Stoßfänger und Kühlergrill demontieren, um den Scheinwerfer ausbauen und dann endlich die Lampe wechseln zu können. Das nervt heute noch Hunderttausende von Golfbesitzern. Das Nachfolgemodell Golf V zeigt, dass es auch ganz einfach geht: Hier sitzen die Lampen auf Trägern, die man ohne Werkzeug lösen kann.

Alter Smart muss zum Glühlampentausch in die Werkstatt

Dazugelernt haben auch die Smart-Konstrukteure. 2004 kritisierte der ADAC in einem Test, dass die ganze Frontschürze abgebaut werden muss, um die Glühlampe zu wechseln und dass Smart diese heikle Demontage nicht mal ordentlich im Handbuch beschreibt, sondern Kunden gleich zum Wechsel an einen Smart-Betrieb verweist. Vier Jahre später lobt "Auto Bild" den simplen Lampenwechsel beim Smart Fortwo - der sei "ohne Werkzeug in fünf Minuten" zu erledigen.

Nachdem also ein so simpler Vorgang wie der Glühlampenaustausch bei vielen modernen Autos lange Zeit immer schwieriger wurde, gibt es inzwischen bei manchen Modellen Besserung. Ein Grund dafür könnte eine seit 2007 geltende neue technische Vorschrift (eine Ergänzung der sogenannten ECE-Regelung R 48, mehr bei SPIEGEL WISSEN) sein. Demnach muss die Lichtquelle bei neuen Pkw-Modellen mit Bordwerkzeug auszutauschen sein.

Wer sich heute für ein paar Zehntausend Euro einen Neuwagen leistet, hat also bessere Chancen, ein Modell zu erwischen, bei dem auch Nicht-Mechaniker die Glühlampen wechseln können.

Außer natürlich, er kauft ein Auto mit Xenon-Licht (muss wegen Hochspannung zum Wechsel in die Werkstatt) oder LED-Leuchtmitteln (meist gar nicht wechselbar).

Aber die sollen auch ein Autoleben lang halten. Theoretisch.

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