Technikärgernis Sensorarmatur Wedeln, bis das Wasser fließt

Nie mehr Hähne aufdrehen beim Händewaschen: Dieses Versprechen halten Sensorarmaturen durchaus. Meistens. In jedem Fall aber muss man winken, wedeln, warten, bis das Wasser endlich ins Becken läuft.

Weißes Hemd, schwarze Krawatte, glänzende Lederschuhe: Der Held des Werbespots  ist tadellos gekleidet, steht vor einem minimalistisch gestalteten Waschbecken mit schwarzem Marmor und messingfarbenem Wasserhahn - alles perfekt. Nur kommt kein Wasser aus dem Hahn. Der Krawattenträger wedelt mit den Händen im Becken herum, beugt sich unter den Hahn. Nichts zu machen.

Der Mann geht, das Wasser fließt, der IBM-Slogan erklärt: "Innovation erkennt man nicht am Design oder am Preis oder am Namen, sondern daran, dass sie Resultate bringt." Die Resultate mancher Sensorarmatur sehen so aus: Das Wasser fließt mit Verzögerung, beim zweiten oder dritten Wedeln mit den Händen oder auch erst, wenn man sie wieder wegzieht. Und im schlimmsten Fall fließt gar nichts .

Außer der Flüssigseife.

Dass das bei manchen Installationen so ist, bestreiten die Hersteller gar nicht. Carsten Tessmer, Sprecher des deutschen Sanitär-Konzerns Hansgrohe, zum Beispiel urteilt ganz allgemein: "Die Qualität der auf dem Markt befindlichen Armaturen mit Sensortechnologien ist sehr unterschiedlich, viele Probleme sind im Einzelfall der mangelnden Qualität des jeweiligen Produkts zuzuschreiben."

Das kann an allem möglichen liegen, denn so ein berührungsloser Wasserhahn besteht aus mehreren Komponenten: Sensor, Magnetventil und als Vermittler dazwischen Steuerungselektronik. Für Fehlfunktionen macht Tessmer vor allem "die Qualität der eingesetzten Technik und die Abstimmung der Komponenten aufeinander" verantwortlich. Tessmer: "Montage und Bedienung sind im Vergleich dazu eher weniger bedeutende Faktoren."

Stromspar-Sensor lahmt

Was man beim Händewaschen nicht sieht: Die Wedel-Waschbecken brauchen Strom für Magnetventile, Elektronik und den Sensor. Oft versorgt eine Batterie diese Systeme. Und da sparen die Betreiber dann Strom, wie Verena Töpfer-König, Sprechern des Armaturenherstellers Franke Washroom System, erklärt: "Dann wird die Taktzeit des Sensors reduziert und es kommt zu zeitlichen Verzögerungen beim Wasserfluss."

Sprich: Der Infrarotsensor guckt einfach seltener nach, ob ihm gerade jemand die Hände entgegenstreckt und döst dazwischen vor sich hin. Die Intervalle verlängern die ohnehin bestehende Verzögerung durch die Reaktionskette von Sensor zu Elektronik zu Magnetventil.

Kurzsichtige Sensoren

Bei älteren Sensorarmaturen passiert es immer wieder, dass zwar sofort Wasser fließt, aber dann beim Händewaschen sofort wieder versiegt. Schuld daran kann ein falsch eingestellter oder einfach ein alter Infrarotsensor mit geringer Reichweite sein. Ist die nicht ausreichend oder zu kurz eingestellt, verschwinden die Hände beim Waschen aus dem Sichtfeld des Sensors.

Bei neuen Armaturen lässt sich diese Reichweite einstellen - für kleine oder stark reflektierende Waschtische gibt es eine eigene Stufe. Die muss dann nur jemand eingestellt haben. Oder eben nicht.

Verwirren können den Bewegungssensor im Wasserhahn auch Kondenswasser, zu helles direktes Licht und Wasserspritzer - dann drohen "Fehlauslösungen" und "unbeabsichtigte Wasserabgabe", wie fließendes Wasser ohne Hände unterm Hahn im Fachjargon heißt.

Links kalt, rechts warm

Mit diesem ganzen Ärger soll eine neue Sensortechnik Schluss machen, die vor ein paar Jahren ein Schweizer Unternehmen patentiert hat: Die sogenannten DDSA-Sensoren  arbeiten mit einem elektromagnetischen Feld und sollen "organische Objekte" durch Glas, Keramik oder Metall hindurch erkennen.

Das bedeutet: Der Sensor muss nicht mehr am Waschbecken angebracht sein, sondern kann auch in der Wand ruhen. Der Hersteller verspricht alltagstaugliche Sensoren "für den harten, professionellen und zuverlässigen Einsatz im sanitären Umfeld".

Außerdem soll sich über diesen Sensor auch die Wassertemperatur per Fingerzeig regeln lassen - für kälteres Wasser müssen die Hände im Becken nach rechts, für wärmeres Wasser nach links.

Vielleicht kann IBM dann in fünf Jahren einen Werbespot über neue Wedel-Waschbecken mit automatischem Wechselbad drehen.

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