Technikärgernis Trödel-Player VHS schlägt Blu-ray

Videorecorder waren doch eigentlich rasend schnell: Hochmoderne HD-DVD- und Blu-ray-Player brauchen oft eine knappe Minute bis zum Filmstart, ältere DVD-Abspieler 15 Sekunden. Der gute alte VHS-Recorder dagegen legt sofort los.

Film einlegen, Play-Taste drücken und gucken - so einfach war Heimkino mit dem guten alten VHS-Videorecorder (vorausgesetzt, man fand den Videokanal). Bei Toshibas Hightech-DVD-Player HD EP-30 dauert das etwas länger: Nach dem Einschalten ist er erst einmal 40 Sekunden mit sich selbst und dem Starten beschäftigt. Erst danach nimmt das Gerät den Befehl zum Öffnen der Schublade an.

Bis er die eingelegte DVD abspielt, nimmt sich der Toshiba-Abspieler noch einmal gut 15 Sekunden Zeit. Eine Minute, bis man die oft nicht vorzuspulenden Werbevorspänne der DVD sehen muss - das nervt auf Dauer. Vor allem, weil diese Abspiel-Schnecke als Zukunftsmodell galt und mehr als 300 Euro kostete, bevor Anfang des Jahres das hochauflösende HD-DVD-Format abgewickelt wurde.

Schon die ganz normalen DVD-Player brauchten bis zum Filmstart deutlich länger als das VHS-System - gut zehn Sekunden vom Einschalten bis zur Betriebsbereitschaft, dann oft noch einmal um die 15 Sekunden bis zum Start des Film auf der eingelegten DVD, was schon viele Kunden beklagen. SPIEGEL-ONLINE-Leser und Systemadministrator Thieu Hon Tran zum Beispiel stört, dass seine DVD-Player von Sony und Yamaha auch zum Abspielen von Musik-CDs länger brauchen als alte CD-Player: "Es ärgert mich, dass neuere Geräte in so wesentlichen Punkten den Uralt-Geräten unterlegen sind."

Langsamer Start

Warum der DVD-Nachfolger HD-DVD noch einmal doppelt so lange brauchte wie die ohnehin nicht gerade schnellen DVD-Player? Toshiba-Produktmanager Frank Eschholz erklärt, eine Startzeit von fast 40 Sekunden sei "beinahe ein technisches Wunder, wenn man bedenkt, dass dort ein Linux-Betriebssystem von etwa 75 Megabyte geladen wird". Ein HD-DVD-Abspieler sei eben "eher ein PC als ein Player". Bei herkömmlichen DVD-Playern sei das Betriebssystem nur etwa ein Megabyte groß.

In der Tat: HD- und Blu-ray-Abspieler sind eigentlich Computer, die sich aber ausschließlich auf die Filmwiedergabe beschränken. Die kaum zu vermeidende Folge laut Nico Jurran, Redakteur für Videotechnik beim IT-Fachmagazin " c't ": "Wer sich bereits über die Bootzeiten von DVD-Playern ärgert, sollte um die Player für die HD-Disc-Formate Blu-ray-Disc und HD-DVD derzeit noch einen weiten Bogen machen. Diese Hochleistungsmaschinen sind PCs noch recht ähnlich, was leider auch für die Wartezeit beim Start gilt."

Das gilt auch für viele Blu-ray-Abspieler, das hochauflösende Format also, das sich gegen HD-DVD durchgesetzt hat. Bei einem Hochfahr-Test attestiert die " Computerbild " zum Beispiel dem Sony-Blu-ray-Player BDP-S300 zu lange Wartezeiten: "Erst 45 Sekunden nach dem Einschalten war der Player betriebsbereit. Vom Einlegen bis zur Wiedergabe einer Musik-CD oder Blu-ray-Disc verging noch einmal eine halbe Minute". Ähnlich lahm der Panasonic DMP-BD50 : 23 Sekunden bis zur Betriebsbereitschaft, dann noch einmal eine halbe Minute, bis er eine BD abspielt.

Etwas schneller geht es, wenn die Player im Stand-by-Modus dösen - und dabei entsprechend Strom verbrauchen.

Träger Filmstart

Das Booten erklärt aber nicht, warum ein moderner HD- oder Blu-ray-Player, wenn er nun endlich die DVD angenommen hat, noch einmal bis zu einer halben Minute braucht, um die Inhalte wiederzugeben. Für diese zweite Startverzögerung haben Experten mehrere Erklärungen. Nico Jurran vom IT-Fachmagazin "c't" führt es auf die Formaterkennung zurück: "Nach der Bootphase muss der Player erkennen, welche Art von Medium in seiner Lade liegt. Hier rächt sich ein wenig, dass Anwender gerne ein Gerät haben, das als eierlegende Wollmilchsau fungiert."

Denn moderne Player können ja alles mögliche abspielen - DVDs, hochauflösende DVDs, Audio-CDs, manchmal auch selbstgebrannte Rohlinge mit Bild-, Musik- und Videodateien in Formaten wie MP3 oder DIVX. Wenn der Player also 30 Sekunden lang nichts Erkennbares mit der eingelegten Silberscheibe tut, versucht er gerade zu erkennen, was er nun eigentlich zu tun hat. Jurran: "Solange dem Player nicht klar ist, ob und was er mit den Daten anfangen kann, kann er auch keine Befehle ausführen."

Toshiba-Produktmanager Eschholz erklärt die Startverzögerung mit den nötigen mechanischen Vorgängen beim Einlesen: "Die Disks müssen auf konstant einige Tausend Umdrehungen pro Minute gebracht, die Leseköpfe positioniert, die Daten gelesen und ausgewertet werden. Das kostet alles Zeit." Denn immerhin ist die Datenrate etwa bei einem HD-DVD-Player fünfmal höher als bei einem DVD-Player.

Aufwendige Java-Menüs trödeln

Bei Blu-ray-Playern kommt bei manchen Filmen noch ein Zeitfresser dazu: Manchmal muss man zwischen den Trailern und der Anzeige des Menüs spürbar warten. Grund dafür laut Nico Jurran von "c't": "Komplizierte Menüs bei diesen Scheiben sind in Java programmiert. Die Umgebung für diese Programmiersprache muss der Player dann erst einmal generieren, was wiederum Zeit in Anspruch nimmt."

Sony-Sprecherin Silke Bernhardt erklärt diese Startverzögerungen bei Blu-ray-Playern zu einem Problem der ersten Generation von Blu-ray-Player: "Bei den aktuellen Blu-ray-Playern haben wir die Boot-up-Zeiten enorm verbessert und Quick-Start-Funktionen installiert."

Schneller Strom verprassen

In der Tat fand zum Beispiel das Fachmagazin "Audio" in einem aktuellen Test den neuen Sony-Player BDP-S350 mit der Schnellstart-Option "in weniger als zehn Sekunden betriebsbereit". Schnellstart bedeutet allerdings Standby - Urteil der " Audio ": "Dieser Blitzstart ist aber mindestens so unökonomisch wie ein Ampelrennen; der Stromverbrauch erhöht sich im Standby-Betrieb enorm."

Es gibt aber noch eine andere Möglichkeit, die Trödel-Abspieler zu beschleunigen. Bei Blu-ray-Playern beobachtet "c't"-Tester Jurran derzeit deutliche Geschwindigkeit-Forschritte. "Möglich machen dies spezielle Prozessoren, die schneller arbeiten als die zunächst verwendeten Universal-Chips. Vorteilhaft ist es auch, wenn die Preise für Speicherbausteine fallen, da Daten dann besser ausgelagert und schneller verschoben werden können."

Da ist also noch viel Raum für Verbesserungen - gerade wenn man Blu-ray- und HD-DVD-Player mit Computern vergleichen will, schneiden sie nicht besonders ab: Das Günstig-Netbook Dell Inspirion 910 bootete lädt binnen 30 Sekunden den Desktop von Windows XP. Bis die Lade nach dem ersten Einschalten aufgeht, brauchen die meisten Blu-Ray- und HD-DVD-Player trotz schlanker Linux-Systeme länger.