Technische Probleme Telekom verschiebt Internet-TV

Wegen Problemen mit der Microsoft-Software muss die Telekom den Start ihres Internetfernsehens T-Home um mehrere Monate verschieben, heißt es in einem Zeitungsbericht. Für die Live-Übertragung der Bundesliga, ursprüngliches Zugpferd von T-Home, ist offenbar eine Interimslösung geplant.


Die ursprünglich bereits für Juni geplante Werbekampagne für die Fernsehplatform T-Home sei ebenso auf Eis gelegt worden wie der eigentlich für Mitte Juli vorgesehene Verkaufsstart, berichtet die "Financial Times Deutschland". Das Kombi-Produkt T-Home soll aus einem TV-Angebot mit über hundert Kanälen (IPTV) sowie Internetanschluss und Telefonie zum Pauschalpreis bestehen.

IPTV-Box von T-Online: Start wohl erst im Oktober
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IPTV-Box von T-Online: Start wohl erst im Oktober

Ein Sprecher der Telekom-Festnetzsparte T-Com betonte allerdings: "Wir haben immer gesagt, dass T-Home in der zweiten Jahreshälfte gelauncht wird. Einen konkreteren Starttermin haben wir nie genannt." Daher könne auch von einer Verschiebung keine Rede sein. Angepeilt sei bislang lediglich ein Start im zweiten Halbjahr.

Mit der Bündelung von Telefonie, Internet und TV, in der Branche auch Triple Play genannt, will die Telekom den Wechsel von Kunden zu anderen Telekomanbietern und Kabelgesellschaften bremsen. Derzeit verliert die Telekom dem Bericht zufolge pro Quartal 500.000 Anschlüsse.

Der Ex-Monopolist investiert mehr als drei Milliarden Euro in T-Home, das meiste Geld fließt dabei in den Aufbau des superschnellen VDSL-Netzes mit Downloadgeschwindigkeiten von bis zu 50 MBit/s. Als Zugpferd für T-Home hat der Konzern für die nächsten drei Jahre die Internet-Live-Rechte an der Fußball-Bundesliga erworben.

Ursprünglich wollte die Telekom laut "FTD" bereits die Fußball-WM nutzen, um mit ersten Marketingaktionen auf T-Home aufmerksam zu machen. "Aber die Qualität stimmt noch nicht", deswegen werde noch abgewartet, zitierte die Zeitung unternehmensnahe Kreise.

Technische Probleme bereitet dem Zeitungsbericht zufolge die Internet-TV-Plattform von Microsoft. Die Software habe in der Branche den Ruf, "komplex und instabil" zu sein, schreibt die "FTD". Der Hamburger Telekomunternehmen Hansenet hatte sein Triple-Play-Angebot, das erste in Deutschland überhaupt, bereits im Mai gestartet. Hansenet setzt im Unterschied zu Telekom nicht auf Technologie von Microsoft, sondern von Alcatel. Zudem nutzt der Hamburger Anbieter statt eines superschnellen VDSL-Netzes herkömmliche DSL-Verbindungen mit Datenraten bis zu 16 MBit/s, die für die Übertragung von Fernsehen aber trotzdem ausreichen sollen.

Als Notlösung will die Telekom nun offensichtlich zum Bundesligastart am 11. August ein Interimsprodukt anbieten, über das Nutzer im VDSL-Ausbaugebiet die Fußballspiele schauen können. "Die TV-Plattform steht ab dem 11. August zur Verfügung", sagte ein Firmensprecher. Für T-Home gilt laut "FTD" inzwischen der 15. Oktober als mögliches Datum für den Start der Vermarktung.

Neben Hansenet und der Telekom plant auch ein drittes Unternehmen ein Triple-Play-Angebot für Deutschland: Mitte 2007 will O2, eine Tochter der spanischen Telefonica, ein Komplettangebot aus Mobilfunk- und leitungsgebundenen Internetdiensten einführen. Dazu will der Mobilfunker O2 ein eigenes Highspeed-Datennetz in 500 deutschen Städten aufbauen.

hda/AFP



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