Techno-Trends Klein, schlau, schick

Vorbei die Zeit, als Techno-Jünger mit stolzgeschwellter Brust neidischen Freunden ihren neuesten mega-großen PC präsentierten. Von modernen digitalen Knechten wird erwartet, dass sie immer mehr immer schneller und überall erledigen können - und in die Westentasche passen.

Für technischen Fortschritt gibt es auf der diesjährigen Computermesse Cebit einen klaren Maßstab: Innovativ ist vor allem das, was sich in die Tasche stecken lässt. Auf der am 24. Februar beginnenden Leistungsschau der Informations- und Kommunikationstechnik in Hannover werden deswegen internetfähige Handys und notizbuchgroße Handheld-Computer die größte Beachtung finden. Die neue Übertragungstechnik GPRS schließt die intelligenten Zwerge sogar mit einer Standleitung ans Internet an.

Ziemlich geheimnisvoll geben sich vor der Cebit Hersteller wie Palm Computing, die den meistverkauften Handheld-Computer produzieren. Sicher scheint nur, dass Palm auf seinem Stand in Halle 13 zwei neue "Personal Digital Assistants" (PDA) zeigen wird, von denen eines erstmals ein farbiges Display haben wird. Erwartet wird außerdem neues Zubehör für die Vernetzung - erst wenn der Zugang zum Internet noch einfacher wird, kann der Palm zum universellen "Client" (Endgerät im Computernetz) für aktuelle Nachrichten, Börsenkurse, Wetterberichte und persönliche E-Mail werden. Die Verbindung mit dem Schreibtisch-PC erfolgt bisher noch über die serielle Schnittstelle oder Infrarot-Verbindung. Mit der neuen Bluetooth-Technik für die Funk-Übertragung könnten die Termine oder Adressendaten zwischen PC und Palm aber noch schneller abgeglichen werden als bisher.

Der britische Palm-Konkurrent Psion steigt mit seinem neuen Netbook auch erstmals in die Farbe ein. Das mit einem 7,7-Zoll-Bildschirm ausgestattete und 1,1 Kilogramm wiegende Gerät ist mit den Anwendungen der bisherigen Psion-Handhelds ausgestattet, bietet aber mit 64 MB Arbeitsspeicher und voller Java-Unterstützung bis hin zur Integration des Java-Development-Kits (JDK) Leistungen, wie sie bisher den Mini-Notebooks, auch als Sub-Notebooks bezeichnet, vorbehalten waren.

Sowohl Palm als auch Psion schwimmen auf der WAP-Welle mit. Das "Wireless Application Protocol" bringt Web-Seiten auch auf das kleinste Display. Nachdem es für den Palm schon länger WAP-Software gibt, zeigt jetzt auch Psion in Halle 13 einen neuen WAP-Browser, der ab März oder April von den Besitzern eines Psion Serie 5mx oder eines Psion Revo genutzt werden kann. WAP trägt den begrenzten Möglichkeiten des kleinen Handheld-Displays Rechnung und überträgt statt der mit Werbung und bunten Bildchen überfrachteten Web-Seiten lediglich die zentralen Kerninformationen.

Für die neuen Geräte mit buntem Display aber heißt die Hoffnung GPRS - "General Packet Radio Service". Diese Technik für die schnellere Datenübertragung in GSM-Mobilfunknetzen soll in Europa voraussichtlich im Herbst eingeführt werden. Weil dann die Gebühren nach übertragenen Datenmengen und nicht nach Verbindungszeit berechnet werden, läuft GPRS auf eine Standleitung mit dem Internet hinaus. In den USA können Besitzer eines Palm VII schon jetzt auf diese Weise jederzeit Informationen aus dem Internet holen, ohne dass dabei ständig die Gebührenuhr tickt.

Auch beim Handy interessiert derzeit weniger das mobile Telefongespräch mit Tante Käthe als vielmehr die direkte Anbindung an das globale Computernetz, so dass Handy und Handheld-Computer zusammenwachsen. Bis Ende des Jahres sollen nach einer Schätzung des Hamburger Unternehmensberaters Mummert und Partner zehn Prozent aller Mobiltelefone mit WAP ausgestattet sein. Im Wettbewerb mit Nokia und Siemens bringt Ericsson ein WAP-Handy im ebenso edlen wie strapazierfähigen Titan-Gehäuse zur Cebit mit. Siemens produziert nicht nur WAP-Handys wie das für Privatleute gedachte C35i sondern auch ein drahtloses Bildschirmgerät mit Internet-Zugang: Das Siemens Multimedia Pad (SIMPad). Das ein Kilogramm schwere Gerät ist so groß wie eine DIN-A4-Seite, läuft unter dem Microsoft-Betriebssystem Windows CE und soll zum Jahresende auf den Markt kommen. Seine Daten holt es von einer ans Telefonnetz angeschlossenen Basisstation. Ein eingebautes Mikrofon und ein Lautsprecher ermöglichen auch Telefongespräche über das Internet, das so genannte Voice over IP.

Ähnlich futuristische Geräte entwickelt der Prozessorhersteller Intel unter der Bezeichnung Web Appliances. Dazu gehört nach Firmenangaben unter anderem ein Web-Telefon, das Telefonfunktionen mit einem schnellen Internet-Zugang verbindet. Die ersten der unter Linux laufenden Produkte werden zur Jahresmitte erwartet.

Inzwischen wird auch die Entwicklung spezieller Prozessoren für Kleingeräte forciert vorangetrieben - der in Hannover vermutlich noch nicht zu sehende mobile Internet-Prozessor "Crusoe" der kalifornischen Firma Transmeta soll Taktraten bis 700 Megahertz erreichen. Marktführer Intel hat daraufhin eine Partnerschaft mit Ericsson bekannt gegeben - für künftige Mobiltelefone mit Internet-Zugang liefert Intel Speicherchips, die Sprache, Musik, E-Mail oder Web-Seiten aufnehmen sollen.

Peter Zschunke

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