Teuer-Gadgets Glaubenskrieg um das 500-Euro-Kabel

Riesenstreit um ein Superkabel: In Technikblogs diskutieren Experten, Leser und Audiophile über das aberwitzig teure Audiokabel AK-Dl1. Es sieht aus wie ein normales Netzwerkkabel, kostet aber 500-mal so viel - und klingt angeblich besser.

Anderthalb Meter Kabel für 500 Euro? Diesen stolzen Endpreis empfiehlt der japanische Elektronikriese Denon deutschen Händlern für sein "HighEnd Denon Link-Kabel". Die Endstücke des Kabels kommen Computer-Besitzern allerdings sehr vertraut vor: Die Billig-Netzwerkkabel, die Büro-PCs zuverlässig mit dem Netzwerk verbinden und Daten schnell genug für Filmdownloads übertragen, sehen genauso aus. Und diese (allerdings beigen Kabel) kosten ein, zwei Euro je Meter.

Technik-Blogs spotten über Denons schwarzblaues Wunderkabel: Boingboing  amüsiert sich über diesen "Angriff" aus dem "Audiophilenland" und rechnet vor, warum dieses Wunderkabel den Preis wohl kaum wert sein kann. Denons Wunderkabel soll Klangdaten zum Beispiel zwischen Denons DVD-Playern und der Stereoanlage übertragen. Der dabei genutzte digitale Übertragungsstandard "Denon Link" verlangt angeblich Denons Superkabel, weil er auf Algorithmen zur Fehlerkorrektur setzt.

Denon umschreibt in seinem Technik-Lexikon  blumig, warum der eigene Digital-Standard anders ist als die anderen digitalen Übertragungsarten: "DENON Link kann die Musikdaten in ihrer natürlichen Form übertragen, nämlich als fortlaufenden Bitstrom." Und: Anders als bei anderen Formaten "wo die Daten neu verpackt und entsprechend gekennzeichnet werden müssen, bevor sie dann blockweise auf die Reise gehen" sei diese "den Klang negativ beeinträchtigende Prozedur bei DENON Link nicht notwendig".

Weil nicht gepackt wird, rät Denon zum 500-Euro-Kabel. Weil da irgendwie mehr durchpassen soll. Im Werbeprospekt führt der Hersteller als Argumente unter anderem auf:

  • "Ultraschnelle Übertragung mit hoher Bandbreite durch den Einsatz von Fluoropolymeren und hochreinen Kupferleitern."
  • "Exzellente Übertragungsqualität dank der nach klanglichen Gesichtspunkten ausgewählten edlen Materialen."
  • "Edles Gewebegeflecht zur Abschirmung des Kabels (Blau / Schwarz)"

Alles klar?

Dem Boingboing-Autor Rob Beschizza nicht. Er rechnet vor, dass Standard-Netzwerkkabel für einen Datendurchsatz von einem Gigabit je Sekunde auf "Strecken, die länger sind als sie je ein Stereoanlage brauchen könnte" zugelassen sind. Diese Bandbreite entspricht in etwa den 1,2 Gigabit je Sekunde, die Denon-Link schaffen soll. Ist das Kabel die 500 Euro wert? Die Einschätzungen der Diskutanten in Hifi- und Computer-Foren gehen weit auseinander:

  • "Die Bandbreite wird die von GBit Ethernet NIE übersteigen, daher ist das wirklicher High-End-Voodoo." ( Gizmodo-Forum )
  • "Ich muss auch gestehen, dass die Klangqualität durchaus zugelegt hat durch das neue Kabel." (Superkabel-Besitzer im Hifi-Forum )
  • "Denon Link arbeitet digital, daher ist so'n spezielles Kabel - sofern nicht speziell verdrahtet - einfach nur Voodoo - aber davon gibt's ja in der HiFi-Welt genug." ( Gizmodo-Forum )
  • "Habe es zwar noch nicht gekauft, aber schon beim Händler im Vergleich zu dem Standard und einem CAT7 getestet. Kann deine Erfahrungen bestätigen. Es klingt deutlich besser als die beiden anderen." (Superkabel-Fan im Hifi-Forum )

Eine Glaubensfrage? Irgendetwas werden die Käufer schon an dem Kabel finden, wofür es sich lohnt, 500 Euro auszugeben - ähnlich wie bei den anderen Luxusspielzeugen.

Sonderangebot: 113 Tasten für 1200 Euro

Tütftler Artemy Lebedev begeistert Medien und Käufer seit Jahren für seine aberwitzig teuren Tastaturen: Seit Anfang des Jahres liefert er nun sein Meisterwerk aus. Die Tastatur Optimus Maximus kostet knapp 1200 Euro, dafür ist jede der 113 Tasten mit einem in 48x38 Pixel auflösenden OLED-Display unterlegt. Die Tastaturbelegung lässt sich beliebig anpassen, zum Lieferumfang gehören vorgefertigte Belegungs-Layouts für fast alle Sprachen der Welt.

Entwickler Lebedev hat inzwischen ein neues Projekt angekündigt : Er arbeitet derzeit an einer günstigeren und kleineren Variante der Supertastatur: Die Optimus Popularis getaufte Tastatur soll laut Lebedev "weniger als 1000 Dollar" kosten. Ein Schnäppchen!

1200 Euro für einen Stereoanlagen-Untersetzer

Der Berliner Möbelbauer "finite elemente" hat sich auf Hifi-Möbel spezialisiert. Eines der günstigeren Teile aus dem Programm ist die "Pagode Master Reference Plattform", eine gut 60 mal 40 Zentimeter große Holzfläche aus "kanadischem Ahornholz." Preisempfehlung: 1200 Euro.

Stellt man da seine Hifi-Komponenten drauf, klingt die Musik einfach besser, verspricht der Möbelbauer. Denn zu dem Ahornbrett gehört auch allerlei HiFi-Hightech-Zeug mit schönen Beschreibungen  wie:

  • "spikegelagerte Absorberböden"
  • "Kontrollierte Resonanzdämpfung durch vier auf das jeweilige Modell abgestimmte Resonatoren"
  • "Dämpfung und Zentrierung des Bodens über Elastomerdämpfe"

1200 Euro für Alltagstgegenstände wie eine Tastatur und einen Ahornuntersetzer? Eine Glaubensfrage. Und Marktwirtschaft eben.

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