Themen-Trends RFID kommt

Egal ob SAP, Siemens oder IBM, auf der Computermesse Cebit zeigen viele Firmen denkbare Einsatzgebiete für die RFID-Technologie. Die Industrie erkennt zahlreiche Nutzungsmöglichkeiten, wo Datenschützer vor allem Gefahren sehen. Geld verdienen lässt sich darum auch mit Gegenmaßnahmen.
Von Michael Voregger

Mit der weltweiten Standardisierung des "Electronic Product Code" wird es möglich, jedem Produkt eine eindeutige Seriennummer zuzuordnen. Bisher bezeichnet der klassische Strichcode nur die Sorte des jeweiligen Produkts.

Jetzt lassen sich mit den Transpondern alle Produktdaten viel einfacher mit Liefer- und Bestandsinformationen verknüpfen. Was die Logistiker erfreut, beunruhigt schon jetzt Datenschützer und Bürgerrechtler. Die Überwachungsmöglichkeiten der Kunden kann man zum jetzigen Zeitpunkt nur erahnen und die Funktransponder werden auch in anderen Bereichen Einzug halten.

Denn auf den kleinen Chips mit Antennen kann weit mehr gespeichert werden als eine Nummer zur Identifikation. Die Firma Cypak (Halle 17, Stand G11) aus Stockholm hat eine RFID-Lösung im Angebot, die sich in die Verpackung von Medikamenten einbauen lässt. Der Datenspeicher von 32 kByte kann mehre Druckseiten speichern und die Informationen können verschlüsselt abgelegt werden.

In einem Modellprojekt testen schwedische Wissenschaftler derzeit die Möglichkeiten der "ersten intelligenten Arzneiverpackung". Jede Entnahme eines Medikaments wird aufgezeichnet und mit einer Zeitmarke versehen. Die Technik kann mit einem elektronischen Tagebuch und Erinnerungen durch akustische Signale ergänzt werden. Hier geht es um sensible persönliche Daten, und man kann sich vorstellen, was passiert, wenn Informationen über eingenommene Medikamente in die falschen Hände geraten.

Cypak auch hat für die schwedische Post eine Verpackung entwickelt, die Absender- und Empfängerdaten speichert. Der Empfänger wir informiert, falls sich jemand an einem Paket zu schaffen gemacht hat.

Miet-Lösungen als Starthilfe

Die Seeburger AG aus Bretten ist ein bekannter Anbieter von branchenspezifischen Business-Integration-Lösungen und bietet eine komplette RFID-Lösung von der Prozessanalyse bis zur Integration aller Geschäftspartner an. Ein RFID-System besteht aus dem Transponder, dem Lesegerät mit Antenne und der Applikationssoftware.

Der Kostenfaktor war bisher das größte Hindernis bei der Einführung von Funktranspondern, deshalb bietet das Unternehmen seinen Kunden die Transponder kostenlos an und die Infrastruktur kann gemietet werden. "Für Unternehmen aller Größen wird so der Einstieg in RFID zu kalkulierbaren Kosten und mit überschaubarem Risiko möglich", heißt es in der Presseerklärung der Firma. Funktransponder können auf allen Produkten angebracht werden und ermöglichen eine lückenlose Verfolgung im Unternehmen.

Entscheiden werden die Kosten, wann Unternehmen auf die Funktechnik umsteigen und ihre Produkte mit Transpondern ausstatten. Manchmal hilft allerdings auch Druck von oben nach, denn der Konzern Wal-Mart verlangt von seinen Zulieferern, schon im nächsten Jahr auf RFID umzusteigen.

Auch die Metro-Gruppe ist mit ihrem Testlauf im Futurestore Rheinberg so zufrieden, dass ab November 250 Läden von Real und Kaufhof mit den funkenden Etiketten ausgestattet werden. Das amerikanische Verteidigungsministerium verlangt ab 2005, dass alle Lieferungen an das Ministerium mit einem Funketikett ausgestattet sein müssen, egal ob es sich um Stiefel, Handgranaten oder Zahnbürsten handelt.

RSA: Umsatz mit Anti-RFID-Sendern?

Datenschützer wenden sich gegen die weltweite Rückverfolgung gekaufter Produkte und fordern eine Blockierung der Daten nach dem Verlassen des Geschäfts. Die Funktransponder sind so klein, dass man sie als Verbraucher kaum erkennen kann und eine Kennzeichnungspflicht gibt es bisher nicht. Außerdem brauchen die Chips keinen Anstoß um aktiv zu werden, denn sobald sie in die Reichweite eines passenden Sensors gelangen, werden Daten ausgetauscht.

RSA-Security (Cebit Halle 6, Stand G17) aus Bedford in Massachusetts hat bereits einen Störsender entwickelt, der die Kommunikation zwischen Sender und Empfänger stört. Die Bürgerrechtler vom FoeBud aus Bielefeld sind mit der Entwicklung des DataPrivatizer beschäftigt. Mit dem kleinen Gerät sollen Kunden schon die versteckten Funkchips aufspüren können. "Wir sind nicht prinzipiell gegen eine neue Technologie", sagt der Netzaktivist padeluun. "Der Kunde darf aber zu nichts gezwungen werden, der Einsatz soll transparent sein und ein Missbrauch muss verhindert werden."

Die Firmen sind angehalten, dass Vertrauen ihrer Kunden nicht durch Heimlichkeiten bei der Einführung von Funktranspondern zu gefährden. Transparenz ist das Gebot der Stunde und die Lesbarkeit der Tags muss mit dem Verlassen des Ladens ebenfalls zu Ende sein. In aktuellen Diskussionen zum Datenschutz und dem Erhalt bürgerlicher Rechte dominieren derzeit allerdings die Überwachungsfreunde aller politischen Richtungen. Die Funktransponder werden kommen und die Datenschützer sind jetzt gefordert.

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