Tipps für den Digitalkamerakauf Sechs Megapixel sind genug

Die billigsten digitalen Spiegelreflexkameras für Einsteiger kosten inzwischen nur 500 Euro. Doch nicht jedes Günstig-Angebot ist für Anfänger empfehlenswert - Fotoprofi Michael Gradias gibt fünf Tipps zur optimalen Kamerawahl.

Viele Megapixel, ein Liveview-Display und massig Zubehör - mit solchen Werbeaussagen preisen Kamerahersteller Fotoneulingen ihre Einsteiger-Knipsen an.

Zubehör: Spiegelreflex-Kameras lassen sich mit zusätzlichen Objektiven aufrüsten - zum Beispiel, um solche Makrofotos zu schießen

Zubehör: Spiegelreflex-Kameras lassen sich mit zusätzlichen Objektiven aufrüsten - zum Beispiel, um solche Makrofotos zu schießen

Foto: Michael Gradias

Aber nicht jeder Neuling braucht unbedingt Megapixel-Protze - manchmal genügt eine leichte Kompaktkamera völlig. Ein paar pragmatische Überlegungen helfen bei der richtigen Kamerawahl viel mehr als die Schlagworte aus der Werbung.

Gewicht, Automatik, Sensorgröße - SPIEGEL ONLINE erklärt, worauf Anfänger beim Digitalkamerakauf wirklich achten müssen.

Kompakt ist leicht, Spiegelreflex liefert höhere Bildqualität

Inzwischen kosten einige digitale Spiegelreflexkameras so viel wie die kleineren Kompaktkameras. Die größere Kamera zum selben Preis ist aber nicht unbedingt das bessere Angebot. Der angehende Digitalfotograf muss entscheiden, was ihm am wichtigsten ist: Gewicht oder Bildqualität.

Die günstigeren kompakten Kameras sind meist sehr klein und leicht - für Urlaubsreisen eine sehr gute Wahl. Man muss dabei allerdings bedenken, dass derartige Kameras stets mit einem sehr kleinen Aufnahmesensor ausgestattet sind, von dem man nur sehr bedingt gute Bildqualitäten erwarten kann - natürlich spielen dabei auch die eigenen Ansprüche eine große Rolle.

Durch die größeren Sensoren sind die digitalen Spiegelreflexkameras in Sachen Bildqualität ganz klar im Vorteil - absolut professionelle Bildergebnisse sind hier möglich. Dafür hat man hier einiges Gewicht mehr zu tragen, was beim Urlaubsspaziergang auch schon einmal lästig werden kann.

Sechs Megapixel genügen für DIN-A3-Druck

Eine bedeutende Rolle bei der Werbung für digitale Kameras spielt der Megapixelwert - hier schnellen die Werte bei jeder neuen Kamerageneration weiter nach oben. Viele Diskussionen über Sinn und Unsinn der extremen Megapixelwerte sind die Folge.

Klar ist, dass gerade bei den sehr kleinen Aufnahmechips Werte über sechs Megapixel eher zu schlechteren als zu besseren Bildern führen, weil die Details gar nicht mehr aufgelöst werden können.

Hinzu kommt, dass die wenigsten Anwender höhere Megapixelwerte als sechs Megapixel benötigen, weil damit bereits Ausdrucke in perfekter Qualität bis zu einer Größe von DIN A4 möglich sind - wenn eine sehr gute Qualität ausreicht, können damit sogar Ausdrucke bis zum DIN-A3-Format erstellt werden. Nur für diejenigen, die ständig sehr kleine Ausschnitte eines Bildes verwenden oder riesige Poster ausdrucken wollen, geben höhere Megapixelwerte wirklich einen Nutzen.

Megapixelwahn: Bilder einer Sechs-Megapixel-Kamera lassen sich problemlos bis DIN A4 oder größer ausdrucken

Megapixelwahn: Bilder einer Sechs-Megapixel-Kamera lassen sich problemlos bis DIN A4 oder größer ausdrucken

Foto: Michael Gradias

Ausgefeilte Motivprogramme helfen Anfängern

Einstiegsmodelle der digitalen Spiegelreflexfotografie verfügen über sogenannte Motivprogramme, die es den Anwendern erleichtern, in bestimmten Aufnahmesituationen die geeigneten Einstellungen zu verwenden.

So stellt der Anwender einfach das Sportprogramm ein, wenn er Sportaufnahmen machen möchte. Die Kamera wählt dann die zu diesem Thema passenden Einstellungen aus. Teurere Modelle bieten diese Motivprogramme dagegen nicht an. Hier kommt es auf das Wissen des Fotografen an, mit welchen Belichtungs-Parametern er die gewünschten Ergebnisse erhält.

Anwender, die sich noch in der Fotografie-Lernphase befinden, sind daher mit Kameras besser ausgerüstet, die Motivprogramme anbieten.

Einsteiger-Spiegelreflexkameras: Motivprogramme helfen bei der Auswahl passender Einstellungen

Einsteiger-Spiegelreflexkameras: Motivprogramme helfen bei der Auswahl passender Einstellungen

Foto: Michael Gradias

LiveView - nur selten wirklich notwendig

Ein Schlagwort ist gerade in aller Munde: LiveView. Die Anwender einer kompakten Kamera sind es gewohnt, nicht durch den Sucher zu schauen, wenn eine Aufnahme gemacht wird, sondern auf den Monitor. Anwender, die zuvor mit einer analogen Spiegelreflexkamera fotografiert haben, sind es dagegen gewohnt, durch den kleinen Sucher zu schauen, um das aufzunehmende Foto perfekt zu gestalten.

Die zunehmende Zahl an Umsteigern von einer digitalen Kompaktkamera auf eine Spiegelreflexkamera hat nun die Entwickler dazu bewogen, immer öfter einen solchen Modus bei den digitalen Spiegelreflexkameras einzubauen, obwohl es kaum Einsatzgebiete gibt, bei denen er wirklich Nutzen bringt. Das Fokussieren in diesem Modus dauert beispielsweise erheblich länger als beim Blick durch den Sucher und ist daher vorzugsweise bei statischen Motiven einsetzbar.

Anwender schätzen außerdem die Möglichkeit, die Kamera in diesem Modus beispielsweise beim Fotografieren von Menschenmassen auch über Kopf einsetzen zu können - allerdings wird selten hinterfragt, wie oft derartige Situationen in der Praxis wirklich entstehen.

Vorschau: Viele Spiegelreflexkameras bieten inzwischen den sogenannten LiveView-Modus an

Vorschau: Viele Spiegelreflexkameras bieten inzwischen den sogenannten LiveView-Modus an

Foto: Michael Gradias

Massig Spiegelreflex-Zubehör

Ein unschätzbarer Vorteil digitaler Spiegelreflexkameras sind deren Erweiterungsmöglichkeiten. Die Objektive können ausgetauscht werden - so eröffnen sich viele Motivbereiche.

Um sehr weit entfernte Objekte aufzunehmen (Tiere in freier Wildbahn), wird einfach ein Teleobjektiv auf die Kamera aufgesetzt. Um in die Welt der kleinen Dinge vorzudringen, kann ein spezielles Makroobjektiv eingesetzt werden - so können Sie problemlos Fliegen oder andere kleine Tiere bildfüllend auf den Sensor bannen.

Jedes zusätzliche Objektiv muss natürlich gesondert erworben werden - eröffnet aber weitere kreative Möglichkeiten. Engagierte digitale Fotografen nutzen meist diese Möglichkeiten der digitalen Spiegelreflexkameras.

Zubehör: Spiegelreflex-Kameras lassen sich mit zusätzlichen Objektiven aufrüsten - zum Beispiel, um solche Makrofotos zu schießen

Zubehör: Spiegelreflex-Kameras lassen sich mit zusätzlichen Objektiven aufrüsten - zum Beispiel, um solche Makrofotos zu schießen

Foto: Michael Gradias
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