Tricktechnik-Konferenz FMX Aus Mensch mach Monstrum

Der Kongress FMX für digitale Tricktechnik lockt dieses Jahr prominente Gäste - auch Roland Emmerich wird in Stuttgart erwartet. Experten suchen von "Fluch der Karibik" bis "Second Life" nach dem Rezept für glaubhafte virtuelle Charaktere.
Von Jörg Isert

Die großen Messen und Kongresse von Cebit bis Systems kämpfen zunehmend um ihre Kundschaft. Zur gleichen Zeit sind Veranstaltungen, sich sich auf bestimmte Themengebiete spezialiseren, klar im Aufwind. Dazu gehört auch der Kongress FMX in Stuttgart: Bereits zum zwölften Mal geben sich die führenden Köpfe der digitalen Tricktechnik ein Stelldichein. Die internationale Bedeutung der Veranstaltung wächst: In diesem Jahr gelang es den Organisatoren, echte Hollywood-Hochkaräter über den Teich zu locken.

Als der Kongress 1994 gegründet wurde, kamen nur einige hundert Besucher - fast alle waren aus Deutschland. Im vergangenen Jahr hatte die FMX Stuttgart bereits 5.000 Teilnehmer aus aller Welt. Die Fachkonferenz hat sich zu einer der wichtigsten europäischen Veranstaltungen im Bereich der digitalen Unterhaltung entwickelt.

Die FMX ist eine Veranstaltung rund um computeranimierte Bilder, ob in Filmen oder Videospielen. Eine Tagung für Fachleute - und für solche, die es werden wollen. Diese zwölfte Veranstaltung vom 1. bis 4. Mai dürfte allerdings auch etliche Filmfans anziehen.

Denn nach jahrelangen Versuchen ist es Konferenzgründer Thomas Hägele von der Filmakademie Baden-Württemberg gelungen, einen weltweit bekannten Filmschaffenden zurück in die Heimat zu locken: Roland Emmerich. Der Hollywood-Regisseur, der einst Filme wie "Joey" im Ländle drehte und 2007 seinen neuen Film "10.000 BC" in die Kinos bringt, wird einer der Redner sein. Emmerich will aus persönlicher Sicht Auskunft darüber geben, welche Vorteile die heutigen digitalen Möglichkeiten bei der Produktion seiner Filme bieten.

Virtuell bleibt Trend

Noch ein zweiter Regisseur von Format hat sich angekündigt: John Boorman. Der britische Macher von Filmen wie "Zardoz", "Excalibur" und "Der Smaragdwald" setzt momentan die Geschichte des "Zauberer von Oz" um. Und das als komplett computeranimiertes Werk. In Stuttgart will er den Teilnehmern einen Einblick in die Produktion des Films geben.

Außerdem ist Lucasfilm vertreten. Ein Computeranimator der zugehörigen Trickfirma "Industrial Light and Magic" wird erklären, wie Davy Jones, der Tentakel-Pirat aus "Fluch der Karibik 2", erschaffen wurde (siehe Fotostrecke). Gerade wurde der spektakuläre Effekt mit einem Oscar ausgezeichnet. Denn: Was wie ein Film-Make-up wirkt, ist komplett digital.

Leitthema der Konferenz sind entsprechend "glaubwürdige virtuelle Charaktere". Die Fortschritte in diesem Bereich haben sich vor allem auf Videospiele ausgewirkt. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der Erschaffung von virtuellen Welten. Denn ob "World of Warcraft" oder "Second Life" - das Thema ist 2007 aktueller denn je.

Veranstaltungen wie FMX, eigentlich regional angelegt, streben jetzt bewusst zur Internationalisierung. In den letzten Jahren kamen immer mehr Gäste aus Asien und den Vereinigten Staaten. Dewegen wurde vergangenes Jahr Englisch zur offiziellen Konferenzsprache. Baden-Württembergs Ministerpräsident Günther Oettinger wird dies gerne hören. Er hatte 2006 in einem Interview seine ganz persönliche Vision der Internationalität verkündet: "Deutsch bleibt die Sprache der Familie, der Freizeit, die Sprache, in der man Privates liest, aber Englisch wird die Arbeitssprache."

Billig ist der Spaß allerdings nicht - wie immer, wenn Fachleute tagen. Zwar ist die FMX eine Non-Profit-Veranstaltung, doch das aufwendige Programm und die prominenten Gäste verlangen ihren Preis. Die Konferenzkarte kostet im Vorverkauf satte 180 Euro, die Tageskarte 90 Euro. Ab April wird es schon teurer. Preiswerter sind Studenten dabei: Sie zahlen 35 Euro pro Tag und 70 Euro für die gesamte Konferenz.

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