Trotz Netbook-Boom PC-Markt bricht ein

Bisher schien der Markt für Hightech-Artikel und Unterhaltungselektronik der Wirtschaftskrise weitgehend zu trotzen. Jetzt zeichnet sich ab, dass die Krise mit leichter Verzögerung auch hier durchschlägt: Der PC-Markt musste im ersten Quartal 2009 stärker als vermutet Federn lassen.


Stamford - Der weltweite PC-Markt ist im ersten Quartal 2009 eingebrochen. Der Absatz sei im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 6,5 Prozent auf 67,2 Millionen Geräte weltweit zurückgegangen, berichtete das Marktforschungsunternehmen Gartner am Donnerstag in Stamford (US-Bundesstaat Connecticut) auf Grundlage vorläufiger Zahlen.

Für einen Markt, der über Jahre nichts anderes kannte als steten und steilen Zuwachs, ist das viel. Dabei ist die sogenannte Region EMEA, die neben Europa auch den Nahen Osten und Afrika einschließt, überproportional stark betroffen. Hier sanken die Verkäufe um 10,2 Prozent. Mit Ausnahme der günstigen Netbooks waren alle Segmente von dem Rückgang betroffen. Marktführer bleibt der US-Hersteller Hewlett-Packard.

Der Nachfrageschwund traf laut Gartner sowohl das Verbraucher- als auch das Geschäftskundensegment. Einziger Lichtblick waren die Netbooks, die schon in den Vormonaten den Markt angetrieben hatten. "Günstige mobile PC bleiben in den meisten Regionen der Wachstumstreiber", sagte Gartner-Analyst Mikako Kitagawa. Allerdings sei bei diesen Geräten ein deutlicher Umsatzrückgang zu erwarten, weil die durchschnittlichen Verkaufspreise sänken.

Vielfältigeres Angebot

Das gilt allerdings nur für Netbooks der durch Intel und Microsoft definierten Standard-Konfiguration. Innerhalb der durch diese Branchenriesen vorgegebenen technischen Spezifikationen versuchen die Hersteller, Netbooks anzubieten, die über ungewöhnliches Design oder zusätzliche Schnittstellen Spezialisierungen für Marktnischen bieten und zu höheren Preisen angeboten werden. Daneben mehrt sich die Zahl der Netbook-verwandten Produkte von Nettops für Arbeits- oder Wohnzimmer über All-in-Ones bis hin zu exotischen Lösungen wie dem EeePC-Keyboard, bei dem der Rechner aus einer Funktastatur besteht, die den LCD-Fernseher als Monitor nutzt. Die Industrie reagiert so mit einem regelrechten Kreativitätsschub, der neue Gerätetypen hervorbringt, auf die Krise.

Ob der Abwärtstrend weitergeht, lässt sich auch aus Perspektive der Marktforscher derzeit noch nicht sagen. "Es ist noch unklar, ob der globale PC-Markt die Talsohle durchschritten hat", sagte Gartner-Analyst George Shiffler. Es deute zwar einiges darauf hin, dass die Unternehmen vor allem in den USA ihre Bestände wieder aufstockten, dies könne jedoch noch nicht als Erholung gewertet werden.

Hewlett-Packard hat seinen Vorsprung als Marktführer ausgebaut. Laut Gartner stammte jeder fünfte Rechner von dem US-Hersteller (19,8 Prozent Marktanteil). Dell verlor weiter an Boden und teilt sich bei rund 13 Prozent Marktanteil den zweiten Platz mit Acer. Während der US-Konzern unter der Schwäche seines Heimatmarktes litt, profitierten die Taiwaner vom Boom der Mini-Notebooks. Der PC-Markt verzeichnete sechs Jahre in Folge hohe, zumeist zweistellige Wachstumsraten, stagnierte aber im letzten Quartal 2008.

dpa/pat



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