Turbo-DSL der Telekom Mautpflichtige Schnellstraße

Neben dem abgespeckten T-DSL-Anschluss mit relativ bescheidenen 768 kbit bietet die Telekom künftig einen DSL-Anschluss mit doppelter Geschwindigkeit. Dafür "verzichtet" sie dabei auf eine Flatrate - und kassiert kräftig für das Datenvolumen.


Schnipp, ab ist die Flatrate: Deutschlands nervigste Werbefigur trommelt für das "dicke" T-DSL mit Volumenabrechnung

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"Breitbandig" ist ein arg dehnbarer Begriff. Den mit diesem Terminus beschriebenen Internet-Access-Markt hat quasi monopolartig noch die Telekom in der Hand, obwohl kleinere Konkurrenten teils deutlich schnellere und preiswertere Modelle bieten. Doch an T-DSL war bisher jenseits der großen Städte kaum vorbeizukommen, und 768 kbit darum das Ultimo an Hochgeschwindigkeit, von der deutsche Surfer träumen durften.

Vorbei! Denn jetzt verdoppelt die Telekom die Schlagzahl. Ab sofort bietet sie bundesweit den DSL-Anschluss auch mit einer Verbindungsgeschwindigkeit von bis zu 1500 Kilobit pro Sekunde für den Download und von maximal 192 Kilobit pro Sekunde für den Upload an, was vor allem eine Zielgruppe ansprechen dürfte: Filmfans.

Denn aus deren Perspektive ist T-DSL mit 768 Kbit immer noch eine frustrierend dünne, lange Leitung: Stunden dauert es, bis über diverse P2P-Börsen die jeweils neuesten Filme ihren Weg auf den Rechner finden - teils, bevor sie im Kino landen.

Den Filmfreaks bietet die Telekom also richtig was, und dafür will sie kräftig kassieren: Neben der Grundgebühr plus den Gebühren für die unterschiedlich gepreisten Telefonanschlüsse schlägt nun noch eine Gebühr für den Datenverkehr zu Buche.

"Volumenabhängige" Kosten nennt man so etwas, DSL-Fans werden vom "Ende der Flatrates" sprechen.

Flatrates bieten den Internet-Zugang zum Festpreis und haben schon so manchen kleineren Telekom-Konkurrenten an den Rand des Ruins getrieben: Wenn das Surfen nichts kostet, bleiben viele Flatrater einfach rund um die Uhr online und "saugen", was das Zeug hält.

Das können die Obersauger künftig mit doppelter Geschwindigkeit: Mehr als 1 Mbit Datendurchsatz waren ja bisher in der Regel nur über relativ teure Business-Accounts zu haben. Jetzt kostet der Spaß "nur noch" 9,99 Euro mehr als T-DSL, was beispielsweise für einen T-ISDN-Komfort-Anschluss mit T-DSL 39,15 Euro plus 9,99 Euro plus Datenverkehr bedeutet. Alles klar?

Wohl kaum, sonst stünde auch nicht "Telekom" über dem Tarifwerk: Die darf sich im nächsten Jahr wieder mit der Deutschen Bahn um den Preis für das undurchschaubarste Tarifdickicht streiten.

Das sieht dann zum Beispiel so aus: Je mehr man für seinen Telefonanschluss bezahlt, desto weniger Grundgebühr zahlt man für DSL. Unterm Strich ergibt sich eine Grundsumme von 33,32 Euro (T-Net mit T-DSL) bis 41,27 Euro (T-ISDN xxl mit T-DSL). Dazu ist für das "Upgrade" auf T-DSL 1500 jeweils noch einmal 9,99 Euro zu rechnen - plus Datenvolumen (einmal ganz abgesehen von zusätzlichen Kosten für eventuell notwendige zusätzliche Hardware und die unvermeidliche Einrichtungsgebühr).

Das Datenvolumen schlägt - wie es auf den Tarifseiten der Telekom wörtlich heißt - "zum Beispiel" mit einem Pauschalpreis von 24,95 Euro für 5 GB Datenvolumen plus 1,59 Cent für jedes weitere Megabyte zu Buche. Andere Tarifmodelle oder Datenvolumina stellt die Telekom aber gar nicht vor: Faktisch ist etwas anderes im Augenblick nicht bestellbar, 5 GB also so etwas wie eine "Mindestabnahme", wenn man eine pauschale Zahlung vorzieht. Das sollte man aber, denn die Abrechnung per Megabyte ist mehr als dreimal so teuer. Bei der kleineren T-DSL-Variante kostet die nach wie vor buchbare Flatrate beispielsweise bei der Telekom-Tochter T-Online pauschal 25 Euro - komme, was da wolle.

Viel sind 5 GB also offensichtlich nicht in der Welt der P2P-Nutzer: Filmfans rechnen das flugs in circa vier Filme von Kinolänge, abgespeichert im relativ günstigen VCD-Format um - die Videothek ist da deutlich billiger. Wer auf das 5 GB-Päckchen verzichtet und das Datenvolumen zu 1,59 Cent pro MB zahlt, muss für seine vier "weggefundenen" Filme dann satte 79,50 Euro hinlegen. Für den Preis könnte ein kluger Shopper schon die entsprechenden DVDs kaufen. Dafür besteht unter T-DSL 1500 nun immerhin die Möglichkeit, mehrere Rechner legal parallel ins Netz zu hängen.

Fazit: Ein fixes Angebot - aber ganz und gar kein Schnäppchen.



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