Ubuntu-Tagebuch, Tag 3 Der Desktop als Kunstwerk

Linux ist nicht gleich Linux: Für jeden Geschmack gibt es eine andere grafische Oberfläche. Manch ein Anwender hat seinen Linux-Desktop zum Kunstwerk ausgebaut. Die Vielfalt ist ideal für Einsteiger - Mac OS X- und Windows-Nutzer müssen sich nicht groß umgewöhnen.

Was war noch gleich eine grafische Benutzeroberfläche? Für das Thema wurde ich jüngst zum ersten Mal sensibilisiert, als ich mich beim Ubuntu-Download für eine solche entscheiden sollte. Wer schon einmal das zweifelhafte Vergnügen hatte, mit dem Windows-Vorgänger MS-DOS zu arbeiten, kann zumindest sagen, wie eine grafische Benutzeroberfläche nicht aussieht.

Unter DOS musste man auf einem schwarzen Hintergrund Befehle wie C:\ DOS\ >RUN von Hand eintippen. Diese lästige Arbeit haben grafische Benutzeroberflächen heute weitgehend übernommen. Mauszeiger, Icons, Symbolleisten, bunte Hintergründe und vor allem Fenster haben das Arbeiten am Rechner deutlich bequemer gemacht. Wie Fenster und Taskleisten angeordnet sind, kann sich von Betriebssystem zu Betriebssystem deutlich unterschieden. Bei Microsoft Windows ist die Anordnung der Oberfläche praktisch immer gleich. Für Ubuntu stehen drei recht unterschiedliche Oberflächen zur Wahl.

Computerfreaks als Künstler

Machen diese in der Standard-Vorlage eher einen langweiligen Eindruck, haben einige Benutzer es verstanden, ihren Desktop mit kreativen Hintergrundbildern, Skins und Widgets zu einem digitalen Kunstwerk auszubauen. Zum Beispiel zu einer Graslandschaft mit transparenten Taskleisten, die sich optisch kaum von Apples Mac OS X unterscheidet. Oder zu einem sehr Linux-freundlichen Hintergrundbild: Das Linux-Maskottchen, der Pinguin "Tux", hält eine Fliegenklatsche in der Flosse und schielt verdächtig nach dem Windows-Schmetterling vor seinen Augen.

Die vier Ubuntu-Varianten Ubuntu, Kubuntu, Xubuntu und Edubuntu werden mit verschiedenen grafischen Oberflächen ausgeliefert. Die von Haus aus eingestellte Anordnung ist aber eher als Beispiel zu verstehen. Man kann an ihr fast alles verändern.

Gnome: Zwei Taskleisten und zwei Oberflächen

Das Standard-Ubuntu verwendet die Oberfläche Gnome und einen Hintergrund mit weichen, rötlichen Pastelltönen. Gnome (GNU Network Object Model Environment) hat eine Taskleiste oben und eine weitere unten. Uhr, Lautstärkeregelung und die Icons geöffneter Anwendungen befinden sich, anders als bei Windows, rechts oben.

Die übrige Darstellung ist Windows sehr ähnlich: Geöffnete Programme ordnet Gnome in der unteren Taskleiste an. Eine Besonderheit bei allen Ubuntu-Versionen ist die Möglichkeit, zwischen mehreren Desktops hin und her zu schalten. Wenn Bildschirm und Taskleiste zum Beispiel mit zehn Anwendungen schon reichlich gefüllt sind, kann man einfach einen zweiten Desktop öffnen und eine neue Taskleiste mit Anwendungen füllen.

KDE für Windows-Nostalgiker

Kubuntu verwendet die Oberfläche KDE (K Desktop Environment), die am ehesten an Windows erinnert. Es gibt nur eine Taskleiste unten, in der sich auch Uhr und geöffnete Anwendungen befinden. Links unten gibt es wie bei Windows eine Start-Schaltfläche, die bei KDE mit einem großen K versehen ist. Probiert man KDE aus, fällt schnell auf, dass Kubuntu deutlich mehr Einstellungsmöglichkeiten bietet als Ubuntu.

Das eröffnet auch Designern Tür und Tor. Mit Abstand die meisten Desktop-Designs gibt es für KDE. In Hinblick auf die Standard-Einstellung wird klar warum: KDE wirkt sehr kantig, fast metallisch, und wird von Haus aus mit einem wenig einladenden stahlblauen Hintergrund ausgeliefert.

Schwächere Rechner lieben Xubuntu

Xubuntu arbeitet mit der grafischen Benutzeroberfläche Xfce. Nach der Installation startet und arbeitet der Rechner deutlich schneller und ruhiger als bei Ubuntu, Kubuntu und Windows XP.

Was sich die Entwickler wohl dabei gedacht haben, Xubuntu keine WLAN-Unterstützung mit auf den Weg zu geben, bleibt aber ihr Geheimnis. Auch die sehr niedrige Bildschirmauflösung wirkt altbacken. Dafür soll Xubuntu gerade auf älteren Rechnern wunderbar arbeiten. Mein vier Jahre alter Laptop kann das bestätigen.

Die vierte Ubuntu-Version im Bunde ist Edubuntu. Wie Ubuntu arbeitet auch Edubuntu mit der Oberfläche Gnome, wird aber zusätzlich mit jeder Menge Anwendungen für den Ausbildungs- und Wissenschaftsbereich ausgeliefert. Gut geeignet für Schüler und Studenten.

Zahlreicher Ersatz für Windows-Programme

Alle Ubuntu-Versionen der gleichen Version (aktuell: 7.04, genannt "Feisty Fawn") setzen auf den gleichen Kern, genannt Kernel. Der Hauptunterschied zwischen Ubuntu, Kubuntu und Xubuntu und auch zu anderen Linux-Distributionen wie OpenSuse oder Fedora liegt in der Oberfläche. Außerdem schöpft jede Version unterschiedliche Programme aus dem umfangreichen Fundus freier System- und Anwendungssoftware.

Programme wie Microsoft Word, Excel oder Adobe Photoshop funktionieren nicht unter Linux – ein Grund, der viele Anwender vor einem Wechsel zu Linux abschreckt. Es gibt aber für praktisch jedes Programm einen nahezu gleichwertigen und häufig sogar besseren Ersatz: Statt des Internet Explorers kann man Firefox oder Konqueror verwenden, statt Outlook die Mail-Programme Evolution oder Thunderbird.

Die kostenlose Büro-Suite OpenOffice ersetzt Word, Excel und PowerPoint. Anstelle von Photoshop gibt es Gimp, als Ersatz für ICQ oder MSN bietet sich Gaim an.

Wer nicht all zu tief in die technische Materie einsteigen will, dem sei das Standard-Ubuntu mit dem Gnome-Desktop empfohlen. Das ist intuitiv zu bedienen, verleitet den Anwender nicht dazu, zu viel am System zu verstellen und lässt sich leicht mit modischen Hintergrundbildern und Skins versehen.

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