Ubuntu-Tagebuch, Tag 4 Treiberinstallation mit "sudo"

Linux zu installieren, ist überraschend einfach. Doch die Probleme kommen danach, wenn Drucker oder Internetzugang nicht funktionieren. Geeignete Treiber findet man zwar im Netz. Doch bei der Installation wären manchmal ein paar Semester Informatik-Studium hilfreich.

Nach der Installation von Ubuntu funktioniert bei mir alles – bis auf ein Gerät: Ein USB-Stick für W-Lan-Empfang, über den ich ins Internet gehen will, wird von Ubuntu ignoriert. Den Stick zum Laufen zu bringen, sollte doch möglich sein, denke ich mir und ahne nicht, dass ich den ganzen Nachmittag damit verbringen werde. Weil mir sonst niemand glauben würde, habe ich die Geschehnisse von heute Nachmittag akribisch aufgelistet. Denn dass Linux bestimmte Hardware nicht erkennt und man sie aufwändig nachinstallieren muss, kommt nicht selten vor.

Noch vor der Linux-Installation habe ich zunächst mühsam die Festplatte defragmentiert und hätte mich in der Zwischenzeit auch mit Freunden zum Kaffee verabreden können: Eine geschlagene Stunde und zehn Minuten, hat Windows sich Zeit gelassen, um vier Gigabyte Daten zu bearbeiten. Gut, dass ich das unter Linux nie wieder aushalten muss. Vorher habe ich wichtige Daten gesichert und unwichtige gelöscht, um Platz für Ubuntu zu schaffen. Drei bis vier Gigabyte reichen für eine Standard-Installation aus. Wer viel Software installieren will, sollte mindestens zehn Gigabyte freiräumen.

Kinderleichte Installation

Die eigentliche Installation ist dann ganz einfach: Die Live-CD einlegen, den Rechner neu starten und warten, bis das System hochgefahren ist. Wird der Desktop sichtbar, klickt man dort auf das Icon "Installieren", beantwortet ein paar Fragen zur Festplattenaufteilung und wartet, bis Linux sich selbst installiert hat. Das ist im Grunde kinderleicht. Wohl 90 Prozent meiner Hardware hat Ubuntu erkannt – nicht aber jenen W-Lan-USB-Stick.

Doch ich habe großes Glück: AVM, der Hersteller des USB-Sticks, hat kürzlich einen Linux-Treiber veröffentlicht und online bereitgestellt. Gäbe es den nicht, hätte ich nach einem Open-Source-Treiber suchen oder Teile vom Windows-Treiber selber anpassen müssen - was mir wohl kaum gelungen wäre.

Doch nach dem Herunterladen des AVM-Treibers erwartet mich eine Überraschung: Eine Installation per Doppelklick, so wie man das von Windows gewöhnt ist, gibt es hier offenbar nicht. Stattdessen steht in der mitgelieferten "Liesmich"-Datei: "Rufen Sie nach dem Auspacken der Treiberarchivdatei im neu entstandenen Verzeichnis 'fritz/src' den Befehl 'make' auf."

Befehle ohne Mausklick ausführen?

Rätsel über Rätsel. Wie führe ich denn einen Befehl aus, ohne auf irgendetwas zu klicken? Als des Rätsels Lösung entpuppt sich nach kurzer Suche das Terminal, ein Programm, in dessen Fenster man Befehle per Hand eintippen muss.

Doch einfach in das Verzeichnis zu wechseln und "make" einzugeben, gefällt dem Terminal nicht. In der Liesmich-Datei steht, ich solle mich als "Root" anmelden und damit "Administrator-Rechte" erhalten. Wie bitte?

Was gemeint ist, erfahre ich nach einer halbstündigen Websuche in einem Internet-Forum: Bei Ubuntu kann man sich gar nicht als "Root" anmelden. Alles, wofür man gewöhnlich sogenannte "Root"-Rechte benötigt, kann man viel einfacher mit "Sudo" erledigen, steht dort. Aha, jetzt also auch noch "Sudo". Was könnte das denn nun schon wieder sein? Vielleicht nur ein Schreibfehler, und eigentlich ist "Smudo" von den Fanta 4 gemeint?

Weit gefehlt. Im Wiki von Ubuntuusers.de finde ich endlich eine komplette Installationsanleitung für den USB-Stick. Darin steht haarklein, welche Befehle ich in welcher Reihenfolge eintippen muss. Vor dem Installieren soll ich aber erst noch einige "Pakete" nachladen. Herauszufinden, was damit gemeint ist, kostet mich eine weitere halbe Stunde: "Pakete" sind Programme oder Programmteile, die man installieren und deinstallieren kann.

Die Installation gelingt – vorübergehend

In der Anleitung werde ich nun aufgefordert, im Terminal diverse Befehle einzugeben, was ich pflichtschuldig tue. Immerhin erhalte ich daraufhin einige Textzeilen, die nicht nach Fehlermeldungen aussehen, als Rückmeldung. Der USB-Stick sei damit installiert, steht in der Anleitung.

Bei der Inbetriebnahme des Sticks soll mir erneut "Sudo" helfen. Das ist offenbar ein Befehl, der dem Terminal mitteilt, dass ich "Root"-Rechte besitze, also die Erlaubnis habe, das System zu verändern. Wie verlangt, gebe ich "sudo ifdown wlan0" und "sudo ifup wlan0" ein, was auch immer damit gemeint sein mag. Das Terminal spuckt nun eine Menge Namen aus, die nach W-Lans in der Umgebung klingen. Und tatsächlich: die Lämpchen an meinem USB-Stick blinken. Die Installation hat funktioniert.

Aufzugeben ist gar nicht notwendig

Erleichtert starte ich den Rechner neu und muss erschrocken feststellen, dass Ubuntu offenbar einige Einstellungen vergessen hat. Ich muss die Netzwerkverbindung nach jedem Start erneut auswählen. Die Anleitung im Ubuntu-Wiki bietet als Lösung hierfür "Roaming" an. Dazu soll ich zwei weitere "Pakete" installieren und die Datei /etc/network/interfaces leicht verändern. Aber schon taucht ein neues Problem auf: Die Datei "interfaces" ist schreibgeschützt.

Inzwischen ist der Nachmittag längst vorbei. Ohne dass ich es bemerkt hätte wird es draußen langsam dunkel.

Deswegen breche ich hier lieber ab, bevor der Bericht zu lang wird. Gehen Sie davon aus, dass ich noch drei weitere Stunden mit dem Problem verbracht und am Ende eine Lösung gefunden habe. Ein Weg, der für Linux wohl symptomatisch ist: Es gibt für alles eine Lösung, aber die ist nicht immer einfach zu finden. Der Hartnäckige kommt ans Ziel.

Hätte ich wenigstens ein paar Semester Informatik studiert, wäre mir die Installation sicher leichter gefallen. Andererseits habe ich – gezwungenermaßen – soviel über Linux gelernt wie nie zuvor in meinem Leben.

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