"United Linux" Pinguine im Gleichschritt

Vier Anbieter wollen mit der gemeinsamen Software-Version "United Linux" dem Marktführer Microsoft Paroli bieten. Doch auch in der Linux-Szene gibt es Ausscherer.

Nürnberg/San Francisco - Bis Ende des Jahres will die deutsche SuSE Linux mit den amerikanischen Unternehmen Caldera und TurboLinux sowie Connectiva in Brasilien "United Linux" auf den Markt bringen. Doch nicht nur gegen Microsoft richtet sich der Vorstoß. Auch das kalifornische Linux-Unternehmen Red Hat, das in den USA den Markt mit kommerziellen Linux-Anwendungen beherrscht, soll nach Ansicht von Branchenbeobachtern verdrängt werden.

Mit dem neuen Software-Paket wollen die Linux-Anbieter vor allem Großkonzerne als Kunden gewinnen. Die Standardisierung des Linux-Betriebssystems soll zudem die Software-Industrie dazu animieren, einheitliche Produkte für das offene Betriebssystem anzubieten. Auf Grund der zerklüfteten Linux-Szene weltweit war dies in der Vergangenheit praktisch unmöglich.

Die Großen der IT-Branche, darunter IBM, SAP und Hewlett-Packard, haben die geplante standardisierte Linux-Software begrüßt. Eine treibende Kraft bei den Verhandlungen sei der Microsoft-Rivale IBM gewesen, der sich seit geraumer Zeit für das Betriebssystem Linux stark macht, teilten die vier Linux-Anbieter mit. Im vergangenen Jahr hatte der weltgrößte Computerkonzern eine Milliarde US-Dollar in Linux investiert.

Linux drängt in die Verwaltung

In der deutschen Regierung erfreut sich das nicht-kommerzielle Betriebssystem Linux zunehmender Beliebtheit. Das Bundesinnenministerium will Linux zukünftig in allen öffentlichen Verwaltungen nutzen. Bundesinnenminister Otto Schily und der Chef von IBM Deutschland, Erwin Staudt, werden am kommenden Montag einen entsprechenden Kooperationsvertrag unterzeichnen, gab das Ministerium bekannt. Demnach soll Software mit öffentlichen Programm-Codes für Verwaltungen künftig besonders günstig zu haben sein.

Der Vertrag gehe auf eine Initiative Schilys zurück, nach dem 11. September die IT-Infrastruktur der Behörden sicherer zu machen. Schily will mit dem Linux-Software "Monokulturen" im Software-Bereich vermeiden. Auch der Bundesrechnungshof hatte im Februar in einer Untersuchung auf die Vorteile von offener Software hingewiesen. Linux-Produkte seien problemlos einsetzbar und hätten den Vorteil, dass ihre Nutzung "Herstellerabhängigkeiten" verringerten.

Linux ist ein offenes Betriebssystem, das 1991 vom finnischen Entwickler Linus Torvalds entworfen wurde. Tausende Entwickler rund um den Globus arbeiten seit dieser Zeit an dem Projekt mit und stellen ihre Ergebnisse samt Quellcode und ohne Lizenzgebühr frei zur Verfügung. Unternehmen verkaufen Datenträger mit kompletten Linux-Zusammenstellungen und verdienen vor allem mit Dienstleistungen rund um das Betriebssystem ihr Geld.

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