User-Reaktionen "Boykottiert den neuen Napster"

Der Deal zwischen Napster und Bertelsmann stößt bei den Usern auf wenig Gegenliebe. Auch die Labels wollen an ihrer Klage gegen die Online-Musik-Tauschbörse festhalten.


Der Verband der amerikanischen Musikindustrie (RIAA) befürwortete zwar die Allianz zwischen Napster und Bertelsmann, will aber trotzdem ein juristisches Exempel statuieren. "Wir begrüßen die Entscheidung (Napsters), ein legaler Akteur der Online-Musikindustrie zu werden", sagte RIAA-Präsidentin Hilary Rosen. Doch die Einschränkung folgte auf dem Fuße: "Es ist wichtig, dass die Grundregeln für Internetmusik ein für alle Mal festgelegt werden." Deshalb werde die Klage gegen Napster nicht fallen gelassen.

Ähnlich reagierte auch die Plattenfirma Universal. Es sei positiv, dass Napster nun offenbar auf dem Weg sei, die Urheberrechte von Autoren und Labels anzuerkennen. Das Angebot in seiner jetzigen Form verletze aber weiter deren Rechte, teilte Universal mit.

Es rumort in den Newsgroups

Einige der rund 38 Millionen Napster-User waren von der Ankündigung, dass die bislang kostenlose Tauschbörse mit Bertelsmanns Hilfe in ein Abonnement-System umgewandelt werden soll, nicht sonderlich begeistert. Quer durch die einschlägigen Newsgroups ist die Diskussion ausgebrochen. "Wer will schon für langsame und ungesicherte Downloads bezahlen?", fragt beispielsweise ein AOL-Mitglied. Mr. Orsm ruft gar zum Boykott Napsters auf: "Zurück in den Untergrund. Es gibt jede Menge kostenloser Musik da draußen. Abonniert nicht das neue Napster."

Sean Fanning steht mit seiner Napster-Idee vor Gericht
REUTERS

Sean Fanning steht mit seiner Napster-Idee vor Gericht

Selbst der 19-jährige Napster-Gründer Shawn Fanning bekommt sein Fett weg: Nun könne Fanning einpacken, heißt es. Bevor er alt genug sei, um in seiner US-Heimat Alkohol zu trinken, werde er weg vom Fenster sein.

Andere User verteidigen die Allianz. Der Ausverkauf sei die einzige Möglichkeit gewesen, der gerichtlichen Schließung der Tauschbörse aus dem Weg zu gehen, postet Brash. ML pflichtet bei: Man könne Napster nicht für etwas kritisieren, wovon sie denken, es sei das Beste für sie. "Sie haben etwas initiiert, was niemals sterben wird. Vergesst das nicht", fügt ML pathetisch bei.

Die beiden Partner Napster und Bertelsmann sind naturgemäß begeistert von der Idee gemeinsam die Tauschbörse zu einen Abonnement "weiterzuentwickeln". "Das Prinzip des Filesharings hat mit seinem Bedienkomfort Millionen von Menschen weltweit in den Bann gezogen", sagte Bertelsmann-Chef Thomas Middelhoff. Napster habe damit einen neuen Weg des Musikvertriebs aufgezeigt, der die Basis für künftige Geschäftsmodelle der Musikindustrie darstelle. "Die strategische Allianz mit Bertelsmann ist der einzig richtige Entwicklungsschritt für Napster", so Napster-Chef Hank Barry.

Abo-Kosten von fünf Dollar monatlich?

Wie hoch die monatlichen Kosten für die Abonnenten sein werden, darüber schweigt sich Bertelsmann noch aus. Es wird aber gemunkelt, dass ein monatlicher Beitrag von fünf Dollar anvisiert sei. Auch sollen die Musikdateien verschlüsselt werden, um einen Handel außerhalb der legalisierten Tauschbörse zu unterbinden.

In der Vereinbarung mit Napster wird der neu gegründeten Bertelsmann-Tochter BeCG garantiert, einen Anteil an Napster erwerben zu können. Napster erhält den Angaben zufolge von Bertelsmann einen Kredit, um das neue Geschäftsmodell realisieren zu können. Erst wenn dieser Schritt vollzogen ist, will sich der Gütersloher Medienkonzern endgültig aus der Klage zurückziehen. Dann werde die Bertelsmann Music Group den kompletten Katalog ihrer digitalisierten Musiktitel zur Verfügung stellen, teilten die Vertragspartner mit.



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