Verkehrte Welt Comdex hinkt Cebit hinterher

Wireless Technology - das ist in Europa ein alter Hut. Die Amerikaner, sonst immer Avantgarde, entdecken gerade erst die kabelfreie Zukunft. Schnurlose Geräte standen im Mittelpunkt der wichtigsten amerikanischen Computermesse Comdex.


Chicago - Sind Sie bereit, alle Leitungen zu kappen? Die Verbindung der Menschen mit dem Internet immer und überall sei das eigentliche Ziel der New Economy, hieß es letzte Woche auf der Frühjahrsmesse der US-Computerindustrie.

Den Amerikanern voraus: Wap-Handy von Ericsson
DPA

Den Amerikanern voraus: Wap-Handy von Ericsson

"Die tragbaren Geräte sind kein Spielzeug", sagt Bob Bierman, Manager der viertägigen Technikmesse. "Sie bieten die Möglichkeit, immer und überall E-Business zu betreiben. Man braucht keinen Schreibtisch mehr, um ein Geschäftsmann zu sein."

Der Boom in den USA ist ausnahmsweise mal eine Reaktion auf eine Entwicklung, die sich andernorts schon längst vollzogen hat, nämlich in Asien und in Europa. Schon auf der Computermesse Cebit in Hannover waren die US-Manager begeistert und beeindruckt, was dort an tragbaren Geräten geboten wurde, von den neuesten Wap-Handys bis zu Kleinstrechnern mit Funkanschluss zum Internet.

Marktforscher schätzen, dass es schon 2003 weltweit rund eine Milliarde Mobilgeräte mit Internetanschluss geben wird, die für mehr als 60 Prozent des Netzverkehrs verantwortlich sein werden. Das Betriebssystem für diese Geräte stammt zumeist von Palm, Microsoft oder von dem Symbian-Konsortium rund um das Epoc-System der britischen Firma Psion. Firmen wie Nokia, Casio, Motorola und Handspring stellen die Hardware her.

Schon bald würden die meisten Menschen ihren ersten Kontakt mit dem Internet nicht mehr auf einem Schreibtischcomputer, sondern über ein schnurloses Gerät haben, sagt Edward Zander voraus, der Präsident von Sun Microsystems. Sun wirbt dabei für seine Jini-Technologie, mit der sich auch unterschiedlichste Geräte wie Mobiltelefon und Digitalkamera miteinander verbinden lassen.

"Es geht um die Kundenorientierung, das hat nichts mit Technikbegeisterung zu tun", sagt Alan Kessler, Chef von Palm. Spracherkennung werde zu jedem Gerät dazugehören. "Es wird kleine, leichte, tragbare, zuverlässige Dinge geben für die Mutter, die Tante, die Schwester oder den Bruder, Menschen, die gar nicht wissen wollen, wie man einen Computer bootet."

Cliff Edwards



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