Vista-Party Häppchen und Haue

Microsoft-Manager jubeln, Promis feiern, Experten stöhnen. Bei der Launchparty vom neuen Betriebssystem Windows Vista in München waren allein die Gastgeber restlos begeistert. Und der hohe Preis? Total gerechtfertigt!

Von Ansbert Kneip, München


Fünf Jahre hat es gedauert, bis Windows Vista fertig geworden ist, seit heute steht das Produkt in den Läden, gestern Abend feierte Microsoft in München die Launchparty. Vorher sollte es noch ein bisschen Arbeit geben, eine Pressekonferenz, man wollte informieren über die Fähigkeiten von Windows Vista und Word 2007.

Und so schaufelten die Microsoftleute ein paar hundert Journalisten in den Saal des Literaturhauses. Pressesprecher, Produktleiter und Entwicklungschefs traten auf, der künftige Microsoft-Deutschland-Chef, Achim Berg, war da, allesamt in bester Feierlaune und mit vorbereiteten Powerpoint-Präsentationen.

Sie alle lobten - natürlich - das neue Vista, die Sicherheit, die Suchfunktion, die coole Optik. Ein Aufmarsch sprechender Produktverpackungen, am Ende blieb noch Zeit für genau zwei Fragen der Fachpresse, normalerweise sehen Pressekonferenzen anders aus. Frage eins bezog sich auf den relativ hohen Preis von Vista, 549 Euro kostet die teuerste Version, "Gerechtfertigt", antwortet wenig überraschend der Windows-Mann. Frage Zwei ging bereits unter im Getümmel derjenigen, die nun schnell los wollten zur eigentlichen Party.

Cocktails in Windowsfarben

Ein ganzes Gebäude hatte Microsoft in den Windowsfarben anstrahlen lassen, drinnen gab es Cocktails in Windowsfarben, die Münchner Prominenz posierte für die Münchner Societyfotografen. Fritz Wepper zum Beispiel, der Schauspieler.

Erkan und Stefan (kaum zu erkennen, in Zivil) waren da, Christine Neubauer, die Schauspielerin, gab Auskunft über ihren neuen Film, Ottmar Hitzfeld war da, Matthias Sammer ließ sich am Tischkicker filmen. Ringsum warteten Microsoft-Experten darauf, dass ihnen jemand Fragen stellt. Wie der Phishing-Schutz funktioniert, zum Beispiel, oder nach der Kindersicherung.

Oh ja, natürlich lohne sich das Upgrade, hieß es, schon allein wegen der schicken neuen Aero-Oberfläche - die der ein oder andere längst kennt, wenn er einen Mac besitzt nämlich. Ob ein Upgrade wirklich lohnt, ist für Nicht-Microsoft-Mitarbeiter längst nicht so klar. Das neue Vista braucht nämlich auch aktuelle Hardware - was einerseits die Hersteller von Computern, Grafikkarten und anderem Zubehör freut, was für die meisten Benutzer aber bedeutet: Warten mit dem Vistakauf, bis ein neuer PC fällig wird.

"Ich bin ein Geek, ich stelle mich schnell auf Neues ein"

Unter IT-Fachleuten in Unternehmen jedenfalls ist die Begeisterung fürs neue Windows offenbar nicht ganz so groß, wie man sich das bei Microsoft vermutlich erhofft hatte - nicht nur wegen der Hardware-Anforderungen. Das US-Magazin "Computerworld" etwa befragte IT-Manager großer Unternehmen – und erntete weitreichende Skepsis gegenüber Vista und dem neuen Office-Paket 2007. Vor allem, weil ihre Büroschäfchen sich womöglich nicht so schnell umstellen können aufs neue System, wollen viele der Administratoren lieber noch ein bisschen warten mit dem Wechsel.

"Ich bin ein Geek, ich stelle mich schnell auf Neues ein", antwortete einer auf die Anfrage, "Office 2007 wird aber für normale Leute ein großes Problem, wenn wir sie nicht ausbilden, bevor sie es zum ersten Mal anfassen." Viele der befragten Manager gaben laut "Computerworld" an, sie würden vermutlich noch bis zum kommenden Jahr warten, bevor sie auf Vista umstiegen. Besonders lästig finden viele das System zur Lizenzierung - die Verteilung der Produkt-Keys sei "ein Albtraum", sagte einer, ein anderer kommentierte: "Alle Vorteile liegen bei Microsoft, die ganze Arbeit fällt uns zu." Die Business-Version des Betriebssystems ist schon seit November 2006 verfügbar.

"Das ärgert mich höllisch"

Kritik an der Konsumenten-Version kommt aus amerikanischen Technik-Blogs: Vielerorts beschweren sich die early adopters über eine Eigenheit des Upgrade-Mechanismus. Ein Upgrade etwa von Windows XP auf Windows Vista ist nämlich nur dann möglich, wenn das alte Betriebssystem noch auf dem Rechner ist – bei früheren Upgrades reichte eine Original-CD im Laufwerk als Beweis, dass das alte System tatsächlich vorhanden gewesen war. Ein sogenannter "clean install", also die Installation auf einer leergeräumten Festplatte ist nun aber nicht mehr möglich.

Das sei sehr ärgerlich, so etwa Real Tech News, weil man durch diese unsaubere Installationsmethode "ein System voller überflüssiger Files und Müll" bekäme. Ein Kommentator der Technik-Seite "Gizmodo" schreibt: "Das ärgert mich höllisch, weil clean installs einfach für besser laufende Maschinen sorgen. Warum macht Microsoft uns das Leben so schwer?" Ars Technica springt bei mit den Worten: "Microsoft scheint wieder einmal Lizenzentscheidungen getroffen zu haben ohne sich zu überlegen, wie die Menschen die eigenen Produkte überhaupt benutzen."

Mitarbeit: Christian Stöcker



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