Von Aldi zu Tchibo Rechner mit Kaffeearoma

Drei Brötchen, zwei Pfund Kaffee und einmal die 1,1 Gigahertz, bittschön: Nach Aldi will nun auch Tchibo im lukrativen Computergeschäft absahnen - mit Rechnern desselben Herstellers.


Zum zweiten Mal seit Oktober 1999 wird der Kaffeehändler ab Mittwoch seinen Kunden einen Personalcomputer anbieten. Der PC mit einem 1,1 Gigahertz schnellen AMD-Prozessor, 128 Megabyte Arbeitsspeicher, einer 20-Gigabyte-Festplatte, CD-Rom-Laufwerk und Modem wird voraussichtlich 1898 Mark kosten. Zusätzlich soll es einen 17-Zoll-Monitor für 399 Mark geben.

Unspektakulär: Tchibos neuer Computer
Tchibo

Unspektakulär: Tchibos neuer Computer

Der Rechner des Kaffeerösters, vom Computerhersteller Medion zusammengebaut, ist damit deutlich billiger als die Konkurrenz von Aldi. Der Discounter hatte Mitte November versucht, mit einem knapp 2600 Mark teuren Pentium-III-Rechner mit 900 Megahertz-Prozessor den PC-Markt aufzumischen. Der erhoffte große Ansturm blieb jedoch aus.

Auch der Tchibo-Computer, der verglichen mit dem Aldi-Rechner kein DVD-Laufwerk und weniger Festplattenspeicher mitbringt, wird den PC-Vertrieb wohl nicht revolutionieren. Handelssketten wie Vobis oder Comtech bieten vergleichbar schnelle Computer - teils mit mehr Speicher und besserer Grafikkarte - zu vergleichbaren Preisen an.

Verkauft wird der neue Rechner in den 940 deutschen Tchibo-Eduscho-Filialen und über das Internet. Die Stückzahl wurde nach Angaben eines Tchibo-Sprechers verdoppelt, nachdem der PC beim ersten Mal innerhalb weniger Stunden vergriffen war.

Mit der Computeraktion entfernt sich der Kaffeeherstellers weiter vom eigentlichen Lebensmittelgeschäft - einen Weg, den der Tchibo-Konzern seit einigen Jahren verfolgt. Bereits 1999 kamen 95 Prozent der über das Internet verkauften Waren aus dem Non-Food-Bereich.

Die Entwicklung könnte noch weiter gehen. Sollte demnächst die so genannte Gruppenfreistellungs-Verordnung fallen, die derzeit noch den Vertrieb von Autos auf Vertragshändler beschränkt, will der Konzern auch Neuwagen ins Sortiment aufnehmen. Bis die Kunden ihren Tchibo-Rechner gleich im neuen Auto mit nach Hause nehmen können, müssen allerdings noch einige Kaffebohnen geröstet werden.



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