Vorbildlich Nur ein Viertel unserer Software ist geklaut

Drei Viertel der hierzulande eingesetzten Software, zeigt eine Studie der Branchenlobby BSA, ist legal. Die Schäden gehen trotzdem in die Milliarden, obwohl Deutschlands PC-Nutzer regelrechte Musterknaben sind: Der weltweite Klau-Durchschnitt liegt bei 41 Prozent.


München - Mehr als ein Viertel der in Deutschland verwendeten Computerprogramme sind Raubkopien, behauptet die aktuelle Piraterie-Studie der Software-Branchenlobby BSA. 27 Prozent der Software hierzulande seien im vergangenen Jahr illegale Kopien gewesen, teilte die Branchenorganisation Business Software Alliance (BSA) am Dienstag in München mit. Dies entspreche Software im Wert von 1,55 Milliarden Euro, ein leichter Anstieg von 154 Millionen Euro zum Vorjahr. Der Prozentsatz blieb allerdings unverändert.

BSA-Studie 2008: Die Klau-Quote sinkt in den meisten Ländern, der Verdienstausfall steigt trotzdem

BSA-Studie 2008: Die Klau-Quote sinkt in den meisten Ländern, der Verdienstausfall steigt trotzdem

Damit gehören deutsche Computernutzer allerdings im weltweiten Vergleich zu den gesetzestreuesten. Nur in elf Ländern ist der Anteil der illegalen Software den Angaben zufolge niedriger. Die Raubkopie-Quote liegt demnach weltweit bei 41 Prozent. Der Einnahmenausfall der Branche stieg im vergangenen Jahr um rund zehn Prozent auf insgesamt 53 Milliarden Dollar (knapp 40 Milliarden Euro).

Am höchsten sei die Raubkopien-Rate in Lateinamerika mit 65 Prozent, gefolgt von Asien mit 61 Prozent. In der EU kursieren anteilig die meisten Raubkopien in Griechenland (57 Prozent), Zypern (50 Prozent) und Italien (48 Prozent). In den USA und Japan sind die Raten mit jeweils rund 20 Prozent am niedrigsten.

Die Organisation geht davon aus, dass durch die Verbreitung des Internets vor allem in Schwellenländern der Anteil der Raubkopien steigen wird, weil dann mehr Menschen illegal Programme herunterladen könnten.

Die geschätzten Verdienstausfälle solcher Studien zählen jede installierte Raubkopie als entgangenen Umsatz. Sie sind insofern Maximalschätzungen, denn den Computer-Nutzern stehen alternativ zu Raubkopien auch legale kostenlose Programme, beispielsweise aus der Open-Source-Szene zur Verfügung. Dass die Raubkopie-Quote in Deutschland niedriger ausfällt als international, könnte auch dadurch begünstigt sein, dass solche Alternativen in Deutschland überdurchschnittlich viel genutzt werden. So werden beispielsweise der Software OpenOffice, mit der sich Microsofts Office-Paket ersetzen lässt, inzwischen Marktanteile bis 15 Prozent zugetraut.

Allerdings liegt ein Sinken der Raubkopien-Quote generell im Trend: Von 110 untersuchten Ländern, meldet die BSA, konnten 57 einen Rückgang der Piraterierate verzeichnen, nur in 16 stieg sie an. Da sich der Weltmarkt für PC und Software aber in die wachstumsstarken Länder mit hoher Piraterierate verlagere, habe sich der globale Anteil raubkopierter Programme dennoch auf 41 Prozent erhöht.

Die BSA ist ein Zusammenschluss von Firmen der Software-Branche, deren Ziel der Kampf gegen Raubkopien ist. Für die Erhebung wurden Daten aus 110 Ländern ausgewertet.

pat/AFP

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