Warnung vor dem iPod Sind Sie schon taub, oder MP3en Sie noch?

1979 brachte Sony den Walkman auf den Markt, und prompt meldeten sich die Mahner: Hörschäden drohten, vermehrte Verkehrsunfälle, soziale Isolation. 26 Jahre später groovt die Welt im Takt der MP3-Player - und Mahner warnen vor Hörschäden.


Bei jugendlichen iPod-Benutzern, behauptet der Ohren-Experte Dean Garstecki von der Northwestern University (Evanston und Chicago), "sehen wir den typischen Hörverlust, den wir von älteren Menschen kennen". Und zwar immer häufiger, und schuld daran sei der iPod und seine MP3-Konsorten, sagt Garstecki.

Gut beschallt: Der Knopf im Ohr gilt als schick
AP

Gut beschallt: Der Knopf im Ohr gilt als schick

Dass eine solche Warnung altbacken klingt, weiß er selbst: Sie erinnern an die Warnungen vor dem Walkman in den frühen Achtzigern. Allerdings seien die Probleme und Risiken heute ungleich größer.

Er führt mehrere Gründe dafür an. Zum einen sorgten leistungsstärkere Batterien und Akkus heute für eine längere Beschallung. Dazu käme die bessere Soundqualität, die ein größeres Spektrum des hörbaren Bereiches abdecke. Das größte Risiko aber gehe heute von den Ohrstöpseln aus, die den flauschig-plüschigen Kopfhörer längst verdrängt haben.

Die sorgten heute für erhebliche höheren Lautdruck. Garstecki verweist darauf, dass sich viele Jugendliche mit bis zu 120 Dezibel beschallten - und ohne bleibende Schäden sei das kaum möglich. Er plädiert für die so genannte 60/60-Regel: Nie mehr als 60 Minuten Musik zu hören, und nie mit mehr als 60 Prozent der möglichen Lautstärke.

Wer sein Gehör weiter schonen wolle, könne dies im Übrigen mit nur geringem finanziellen Einsatz. Alles was es dazu brauche, sei eben ein Satz flauschig-plüschiger, durch und durch uncooler Kopfhörer.

In Europa verkaufte MP3-Player und iPods erreichen nicht die Lautstärken ihrer in den USA verkauften Pendants.



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