Wiederbelebung der Sofortbilder Die Mission Impossible der Polaroid-Jünger

Von , Enschede

2. Teil: Was der neue Film kostet, warum Apple-Nutzer auf Film knipsen


Als erstes Produkt wird Anfang 2010 ein Monochrom-Sofortbildfilm mit acht oder zehn Bildern auf den Markt kommen, der 18 bis 20 Euro kosten soll. Dass dieser Film in den Handel geht, ist zu "99,5 Prozent" sicher, kündigt Kaps an. Einen Namen für den Film hat er noch nicht - Polapremium ist einer der aussichtsreichsten Kandidaten. Ein Farbfilm soll im Jahresverlauf folgen und später dann eine neue Sofortbildkamera mit ordentlicher Linse und manuellen Einstellmöglichkeiten. "Die Filme haben Priorität - schließlich gibt es wohl knapp eine Milliarde funktionierender Polaroid-Kameras weltweit", sagt Kaps.

Apple-Fans fotografieren analog

Die Käufer der neuen Sofortbildfilme beschreibt Kaps Businessplan so: "24 bis 47 Jahre alt, 55 Prozent männlich, hohes Bildungsniveau, kreativ, hohes verfügbares Einkommen, mehr als 52 Prozent Apple-Anwender." Die Kreativen-Zielgruppe bedient Kaps heute schon ganz erfolgreich mit seinem Online-Shop Polapremium, wo er Kameras, Zubehör und Filme verkauft. Er hat 500.000 Sofortbildfilme aus der letzten Polaroid-Produktion erworben. Die ersten 100.000 hat er binnen fünf Monaten verkauft. Preis pro Film: 20 Euro.

Neben der Herausforderung, Vertrieb und Vermarktung komplett umzustellen, gibt es bei der Neuerfindung des Sofortbildfilms auch noch ein paar technische Probleme. Eines davon löst Ingenieur Henk Minnen gerade: Eine Charge der Folie, mit der Polaroids beschichtet wurden, taugt nichts. Minnen: "Da hatte der Polaroid-Lieferant ein Problem, die Rollen waren bei einer der letzten Lieferungen zu eng gewickelt, deshalb kleben sie aneinander, was beim Aufwickeln die Folie schädigt." Minnen zählt durch, wie viele brauchbare Rollen noch vorhanden sind und wie schnell Ersatzmaterial von neuen Lieferanten gefunden werden muss.

Bei den Maschinen ist der Vorrat an Ersatzteilen noch groß. Minnen: "Die können noch lang laufen. Wir haben nicht nur viel Ersatzmaterial, sondern auch zwölf Maschinen insgesamt. Für die Produktion brauchen wir am Anfang nur eine." Personal mit Fachwissen ist da fast wichtiger: Ohne erfahrene Leute wie Henk Minnen könnte die Produktion kaum anlaufen.

Da die Maschinen lichtempfindlichen Film herstellen, muss es im Inneren vollkommen dunkel sein. Wenn die Produktion irgendwo hakt, geht der Maschinenführer durch eine Lichtschleuse hinein und ertastet die Fehlfunktion. Minnen: "Ich habe ein halbes Jahr gebraucht, um die Maschine in der Dunkelheit bedienen zu können. Ein Kollege ist mit mir jeden Tag da rein, hat meine Hände genommen und sie zu den entsprechenden Maschinenteilen geführt, mir erklärt, was das ist."

Wenn der Plan funktioniert, spuckt Maschine 43 im nächsten Jahr die ersten neuen Integralfilme aus. 3000 Stück in der Stunde. Und dann wird es wieder etwas lauter in Gebäude Nord.

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