Windows Vista Microsoft könnte Namensstreit drohen

Vista soll das neue Windows heißen - der Name wird jedoch bereits von vielen Firmen für diverse Produkte benutzt. Anwälte sehen eine Reihe von Klagen auf Microsoft zukommen; der Softwarehersteller sieht die Sache gelassen.


Windows Vista: "Namensgebung etwas lax gehandhabt"
AFP

Windows Vista: "Namensgebung etwas lax gehandhabt"

Als der weltgrößte Softwarehersteller am Freitag den Namen des neuen Windows bekannt gab, rieben sich einige Anwälte die Augen. Windows Vista soll der Nachfolger von XP heißen. Warum nur so ein Allerweltsname, fragten sie sich, der bereits hundertfach für diverse Produkte genutzt wird? Nähmaschinen, Softwareanbieter, Magazine, Datenbanken - sie alle heißen Vista, und das nicht erst seit Freitag, als die Welt den neuen Windows-Namen erfuhr.

"Es scheint, als hätte man die Namensgebung etwas lax gehandhabt", sagte James Berger, ein Universitäts-Dozent für Marketing aus Chicago, der Nachrichtenagentur AP. Vielleicht hätten die Verantwortlichen bei Microsoft ja gedacht, man sei so mächtig, dass man tun könne, was man wolle, mutmaßte Berger.

Fotostrecke

9  Bilder
Vista: Ein Name, viele Produkte

Microsoft soll die Marke "Windows Vista" bereits in mehr als hundert Ländern angemeldet haben. Angeblich hat es bislang auch keinerlei Einwände dagegen gegeben.

Doch die könnten bald kommen, zum Beispiel von der Firma Vista Inc., die Business Software und Dienstleistungen anbietet - ausgerechnet in Redmond, wo auch Microsoft seinen Hauptsitz hat. Firmenchef John Wall klagte bereits über sich häufende Anfragen rund um das Thema Windows Vista. "Das beginnt, unser Geschäft zu stören" sagte er. "Wir haben nichts mit Windows zu tun."

Das ist bei der Firma Vista Software aus La Jolla in Kalifornien schon etwas anders. Sie vermarktet seit einem Jahr eine Datenbank mit dem Namen Vista DB. Und diese Datenbank, man mag es kaum glauben, wird ausschließlich unter dem neuen Windows-Betriebssystem laufen. Die Namensgeschichte sei Zufall, betont CEO Anthony Carrabino. "Wir mögen vielleicht wie Genies erscheinen, sind es aber nicht." Man habe keine Ahnung gehabt von den Microsoft-Plänen.

Unter dem Namen Vista hat vor Microsoft noch niemand ein Betriebssystem als Marke beim US-Patentamt angemeldet. Gleichwohl finden sich für Vista mehr als 180 Einträge diverser Firmen und Produkte.

Deshalb glauben Anwälte, dass dem Softwarehersteller durchaus Klagen drohen könnten. "Ich denke, dass jeder, der gültige Markenrechte im Bereich Computer besitzt, durchaus gegen Microsoft vorgehen könnte", meinte Mitch Reinis, ein auf geistiges Eigentum spezialisierter Anwalt aus Los Angeles.

Bei Microsoft fürchtet man jedoch kaum Schwierigkeiten, allein schon wegen der vielen bereits existierenden Vista-Produkte in der Software-Industrie. "Die koexistieren alle schon seit längerem, ohne dass es zu gegenseitigen Klagen kommt", sagte Microsoft-Jurist Russel Pangborn.

Von der Firma Vista Software muss der Konzern auf jeden Fall eher Dank als eine Klage erwarten. Seit der neue Windows-Name bekannt sei, hätten sich die Zugriffe auf die Firmenwebsite vervierfacht, sagte Vista-Software-CEO Carrabino. "Das verleiht uns eine Menge Glaubwürdigkeit und verschafft uns Bekanntheit, die wir normalerweise kaum bekommen hätten."



© SPIEGEL ONLINE 2005
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.