WorldWideRadio2 Radio für jedermann

Innovationen für das Netz der Netze kommen in aller Regel von jenseits des großen Teiches - mit wenigen Ausnahmen. Jetzt versuchen zwei junge Software-Entwickler aus Berlin ihr Glück mit einer Streaming-Software für Radioprogramme. Der Witz daran: Für den Empfang braucht man keinerlei Plug-ins oder zusätzliche Programme.

Von Niels Gründel


Das Internet ist prima. Doch für alles und jedes, was über die reine Textdarstellung mit etwas Grafik hinausgeht, benötigt der geschundene Internet-Surfer noch immer zusätzliche eigenständige Software oder so genannte Plug-ins.

Als wäre der Surfer nicht schon genug mit der ständigen Aufrüstung seiner Hardware beschäftigt, muss er für schick animierte Grafiken eine Flash-Erweiterung herunterladen und nachinstallieren; viele Druck-Broschüren, Bank- und Behördenformulare, von den Anbietern einfach ins Netz gestellt, verlangen den Acrobat-Reader (in der richtigen Version natürlich), für das eigene Musik-Archiv muss ein MP3-Player her, und Rundfunkübertragungen wiederum laufen nicht ohne den RealPlayer.

Die Plug-ins sind zwar alle kostenlos im Internet verfügbar, doch wie bei jeder Installation kann natürlich etwas schiefgehen. Außerdem kostet das Herunterladen auf den eigenen Rechner viel Zeit. Das freut den Internetprovider spätestens bei der nächsten Monatsrechnung.

Dass diese Quälerei zumindest für den Bereich der Tonübertragung über das Internet ein Ende haben kann, beweist eine motivierte Gruppe der Freien Universität Berlin: Mit der Ur-Version des "World Wide Radio" nahm Gerald Friedland am Wettbewerb "Jugend forscht" teil und wurde auf Anhieb Landessieger. Das alles war vor mehr als zwei Jahren, und seither unterstützt ihn Bernhard Frötschl bei der Fortentwicklung. Mit der Version "WWR2" setzen die beiden voll auf die Programmiersprache, mit der Sun den Riesen Microsoft in die Knie zu zwingen sucht: Java.

Gerald Friedland, preisgekrönter Jugendforscher - und "Vater" des "WWWR2"

Gerald Friedland, preisgekrönter Jugendforscher - und "Vater" des "WWWR2"

Doch auch hier gibt es laut Gerald Friedland einige Hürden zu überwinden: "Zu schaffen macht uns derzeit noch der Leistungsumfang von Java in den verfügbaren Browsern. So schaffen wir leider noch keine Kompression wie bei MP3 und eben keinen Stereoempfang. "Trotzdem ebbt die Zahl der Interessenten seit der letzten Cebit in Hannover nicht ab. Demoversionen sind verschickt, und eine eigene Firma ist gegründet.

Die Chancen für das "WWR2" stehen insgesamt also gar nicht schlecht, denn auf der Empfängerseite gibt es wirklich nur Minimalanforderungen. Es reicht ein normaler Rechner mit einer Soundkarte, ein gängiger Browser und ein Modem. Also alles Dinge, die jeder Internet-Nutzer heute ohnehin zu Hause hat. Eine schnelle Leitung erhöht natürlich die Wiedergabequalität, ideal ist eine ISDN-Leitung.

"On web" ist das "World Wide Radio" bereits seit mehr als einem Jahr. Der freie Radioproduzent Martin Müller-Mertens hat im vergangenen Jahr ein monatliches Magazin auf dem Entwicklungsrechner gesendet. Inzwischen sendet das Berliner Uniradio täglich. Erfahrungen gibt es also reichlich.

Und wer will, kann sein eigenes Java-Radio betreiben, live oder aus einem Archiv heraus, - wie es eben beliebt. Der Preis ist Verhandlungssache, kostenlose Demo-Versionen gibt es per E-Mail (wwr@inf.fu-berlin.de). Das Ganze ist angeblich einfach genug: Friedland und Frötschl erklären die Grundzüge und -anforderungen der Technik auf ihrer Website anhand einer "Diashow".



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