Zwangsregistrierung von Software Microsoft macht Ernst

Wer sich künftig ein Microsoft-Programm kauft, wird dieses registrieren müssen: Sonst "killt" sich die Software selbst nach einigen Tagen. Probleme dürfte es vor allem geben, wenn man sich einen neuen Computer leistet: Die Lizenz ist an den Rechner gebunden.


Microsoft: Untrügliches Gespür dafür, wie man sich bei der Kundschaft unbeliebt macht?

Microsoft: Untrügliches Gespür dafür, wie man sich bei der Kundschaft unbeliebt macht?

Hamburg - Die wichtigsten Programme des US-Softwarekonzerns sollen künftig fest an den Rechner gekoppelt werden, auf dem sie installiert sind. Durch die so genannten Produktregistrierung des neuen "Windows XP" und des "Office"-Pakets soll es somit nicht mehr möglich sein, eine Software gleichzeitig auf mehrere Computer zu spielen. Bislang kann ein Programm mit Hilfe der Codenummer auf der Installations-CD problemlos auf mehreren PCs gleichzeitig laufen - auch wenn dies nicht legal ist.

Mit diesem Schritt will das Microsoft "sein Engagement gegen Software-Piraterieweiter verstärken", so Unternehmenssprecher Tomas Jensen. Die Kunden reagierten verärgert auf die Ankündigung: In einer nicht repräsentativen Umfrage des Internetportals Computerchannel.de beabsichtigten 83 Prozent von 1675 Teilnehmern, zu anderen Betriebssystem zu wechseln, wenn Microsoft künftig sein Windows-System mit einer Zwangsregistrierung kopple.

Nach Meinung von Florian Schuster, Fachredakteur beim Internetportal Chip.de, wird der "Schuss nach hinten losgehen". Gegen Raubkopierer im großen Stil helfe die neue Technik gar nicht. Im Gegenteil: Professionelle Softwarepiraten könnten den Code mühelos knacken und ins Netz stellen. Dann habe Microsoft ein ernstes Problem, denn den geknackten Versionen fehle die "Produktaktivierungs-Technologie". Die dann frei zugänglichen Versionen seien dann wesentlich attraktiver für den Nutzer als gekaufte, weil das lästige Registrieren wegfällt.

Dagegen könnten die negativen Folgen für den ehrlichen Käufer beträchtlich sein. "Wer im Sommer die neuen Programme 'Windows XP' und das neue "Office"-Paket erwerben möchte, kann sie nur mit großem Aufwand nutzen", meint Schuster. Unter Umständen könne es zu erheblichen Schwierigkeiten kommen, sobald der Anwender sich einen neuen Rechner kaufe oder Veränderungen an der Hardware vornehme.

Die neuen "Office"-Anwendungen sollen sich künftig nur noch 50-mal, das Betriebssystem nur noch 30 Tage lang starten lassen, wenn sich der Käufer nicht bei Microsoft per Internet oder über das Telefon registrieren lässt. Bei der Installation wird ein zehnstelliger Code erzeugt, den der Nutzer an Microsoft schicken muss. Nach Aussagen von Jensen soll bei dem Registriervorgang nur das Land zwingend angegeben werden, in dem die Software eingesetzt wird. Alle anderen Daten sollen auf Wunsch des Kunden anonym bleiben.

Mit dem von Microsoft dann zurückgeschickten Freischaltcode sollen die Programme dann unbefristet laufen - allerdings mit Hindernissen. Bei jedem Umbau oder PC-Neukauf muss der Nutzer das Callcenter von Microsoft bemühen und um einen neuen Freischaltcode bitten. "Da ist Ärger programmiert", meint Schuster. Um den neuen Code per E-Mail zu erhalten, muss das Modem laufen. Ob das aber nach der Änderung einer Hardwarekomponente auf "Windows XP" gewährleistet ist, sei fraglich.

Rechtlich ändere sich laut Christian Czirnich, Rechtsexperte von Computerchannel.de, eigentlich gar nichts. Auch bislang galt nach deutschem Urheberrecht, dass ein Programm nur auf einem Rechner laufen darf, es sein denn, die Lizenzen sind ausdrücklich für mehrere PCs gekauft. Ausnahme: Eine "Office"-Version darf auf dem heimischen Rechner und auf dem Laptop gleichzeitig installiert sein - die Systeme dürfen nur nicht gleichzeitig arbeiten.

"Die juristische Brisanz liegt vielmehr darin, dass mit dem Kauf einer Software sämtliche Rechte vom Händler an den Kunden übergehen", sagt Czirnich. Microsoft zwinge die Käufer mit der Zwangsregistrierung aber dazu, nach jeder Bastelei am Rechner einen neuen Code anzufordern. "Das darf Microsoft nach deutschem Recht nicht."

Thomas Revering, dpa



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