Reporterin der »Washington Post« »Ich habe Elon Musk auf Twitter angeschrieben und wurde unmittelbar danach gesperrt«

Twitter hat die bekannte US-Reporterin Taylor Lorenz gesperrt. Noch kurz zuvor hatte sie mit Elon Musk auf seiner Plattform interagiert und ihm E-Mails geschickt.
Taylor Lorenz in einem Interview: »Sollte jedem Sorgen machen, dem Redefreiheit etwas bedeutet«

Taylor Lorenz in einem Interview: »Sollte jedem Sorgen machen, dem Redefreiheit etwas bedeutet«

Foto: MSNBC / Youtube

Twitter hat am frühen Sonntagmorgen die bekannte US-Journalistin Taylor Lorenz von der Plattform verbannt. Wer ihre Seite aufrufen will, bekommt statt ihrer Tweets lediglich den Hinweis »Konto gesperrt« angezeigt. Lorenz arbeitet als Tech-Journalistin für die »Washington Post« und hatte auf der Social Media-Plattform rund 340.000 Follower.

»Ich habe keinerlei Begründung von Twitter erhalten«, sagte Lorenz dem SPIEGEL. Sie habe Einspruch gegen die Entscheidung eingelegt und erwarte eine Antwort vom Unternehmen, so die Journalistin. In ihren dreizehn Jahren auf der Plattform habe sie noch nie gegen eine Regel oder Richtlinie verstoßen. Anders als bei vorherigen Sperren von Journalisten auf Twitter  sei ihr kein konkreter Beitrag genannt worden, dessentwegen sie gesperrt worden sei.

Auslöser der Löschung könnte ein Tweet sein, den Lorenz am Samstagabend (Ortszeit) an Elon Musk gerichtet hatte. Darin wies sie den Twitter-Eigentümer auf mehrere E-Mail-Anfragen hin, die sie ihm im Zuge einer laufenden Recherche zusammen mit ihrem »Washington Post«-Kollegen Drew Harwell geschickt hatte. »Ich habe Elon Musk auf Twitter angeschrieben und wurde unmittelbar danach gesperrt«, so Lorenz zum SPIEGEL. Zuvor habe Musk ihre E-Mails nicht beantwortet. »Unsere Recherche wird bald erscheinen und da habe ich gedacht, ich probiere mein Glück auf Twitter. Dort scheint Musk Leuten zu antworten.«

Entsprechende journalistische Anfragen, die den Beteiligten die Möglichkeit geben, sich zu äußern, sind eine übliche Praxis.

»Cancel Culture ist zu weit gegangen«, sagte Lorenz dem NBC-Journalisten Ezra Kaplan , der das Zitat auf Twitter wiedergab. »Elon Musks willkürliches Sperren von Journalisten, die über ihn berichten, sollte jedem Sorgen machen, dem Redefreiheit etwas bedeutet«, so die Journalistin in ihrem Blog.

Kontroverse um »Elon Jet«

Am Donnerstag und Freitag hatte Twitter mehrere Konten bekannter Journalisten gesperrt und ihnen vorgeworfen, nicht-öffentliche Informationen über eine Privatperson ohne deren Zustimmung verbreitet zu haben.

Tatsächlich hatten die Journalisten lediglich über den Fall des inzwischen gesperrten Twitter-Kontos »Elon Jet« berichtet, das auf der Grundlage von öffentlich verfügbaren Informationen den Privatjet von Elon Musk trackt. Die Medienhäuser der Betroffenen widersprachen der Behauptung, private Informationen verbreitet zu haben. CNN bezichtigte Musk gar der Lüge.

Elon Musk schrieb am Sonntag, dass es sich um eine temporäre Sperre handele, die in Kürze wieder aufgehoben werde. Als Begründung sprach er von früheren Fällen von sogenanntem Doxing, also dem Veröffentlichen privater Informationen, ein Vorwurf der regelmäßig aus rechten Kreisen gegen Lorenz erhoben wird. Belege für die Behauptung lieferte Musk nicht.

Der US-amerikanische Journalist Judd Legum bezweifelt auf Twitter, dass Musks Aussage so stimmt: Elon Musk behaupte, dass der Account von Taylor Lorenz »in Kürze« wieder freigeschaltet werde. »Aber Lorenz erzählt mir, dass sie gerade eine E-Mail erhalten hat, in der steht, dass sie dauerhaft gesperrt ist und die Entscheidung nicht angefochten werden kann.«

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Manche Journalisten sind zurück, andere bleiben gesperrt

In der Nacht von Freitag auf Samstag hatte Twitter mehrere der Journalisten zurück auf seine Plattform gelassen. Neben dem »Washington Post«-Reporter Harwell waren unter anderem Journalisten von CNN oder der »New York Times« gesperrt worden.

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Der CNN-Journalist Donie O’Sullivan erklärte, dass er nur unter der Vorgabe zurück auf die Plattform dürfe, dass er einen von Twitter bemängelten Beitrag lösche. Den Vorwurf, dass er in dem entsprechenden Beitrag private Informationen veröffentlicht habe, wies er zurück . Er sei bis dahin nicht in der Lage, neue Beiträge zu veröffentlichen, so O’Sullivan.

Die Wirtschaftsjournalistin Linette Lopez ist ebenfalls weiterhin gesperrt. Sie hatte in den vergangenen Jahren mehrfach kritisch über Tesla berichtet.

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