Spionage mit Fakeprofilen Hacker tricksten russische Soldaten angeblich mit Frauenfotos aus

Russische Soldaten ließen sich laut einem Medienbericht von gefälschten Social-Media-Profilen attraktiver Frauen ködern. Die Standortdaten gelangten so an das ukrainische Militär, kurz darauf folgten Artillerieschläge.
Russische Soldaten im Juli in Melitopol: Vom Feind über das Internet kontaktiert

Russische Soldaten im Juli in Melitopol: Vom Feind über das Internet kontaktiert

Foto: Sergei Ilnitsky / EPA

Der Ukrainekrieg wird nicht nur in den Städten des Donbass oder der Region Luhansk geführt, sondern auch im Internet. Wer als Kämpfer im Netz zu viele Informationen preisgibt, der riskiert, Verstecke zu verraten oder auch Militärstützpunkte in Gefahr zu bringen.

Genau so etwas soll vergangenen Monat russischen Soldaten passiert sein, berichtet die »Financial Times« . Ihrem Artikel zufolge, der sich auf die Aussagen ukrainischer Hacker stützt, sind die Soldaten auf gefälschte Profile attraktiver Frauen in den sozialen Medien hereingefallen.

Laut dem Bericht hatte die ukrainische Hackergruppe »Hackyourmom« einen abgelegenen russischen Stützpunkt in der Nähe von Melitopol in der Südukraine identifiziert. Dann soll sie mit auf Facebook und in anderen sozialen Medien angelegten Fakeprofilen russische Soldaten kontaktiert haben – und sie im Zuge dessen motiviert haben, eigene Fotos zu schicken.

»Die Russen wollen immer ficken«, zitiert die Zeitung den Chef der Hackergruppe, Nikita Knysh: »Sie schicken den ›Mädchen‹ eine Menge Scheiße, um zu beweisen, dass sie Krieger sind.«

Mithilfe der Fotos der Soldaten habe die Hackergruppe den russischen Stützpunkt dann genau verorten können, heißt es in dem Artikel weiter. Die Daten habe sie anschließend an das ukrainische Militär weitergegeben. Wenige Tage später schließlich hätten Kiews Truppen den Stützpunkt mit Artillerieangriffen zerstört.

Es gab schon ähnliche Fälle

Um welche militärische Basis es sich genau gehandelt hat, ist unklar. Dem Portal »Ukrainska Pravda«  zufolge zerstörten ukrainische Streitkräfte Ende August aber tatsächlich einen großen russischen Stützpunkt in Melitopol. Die ukrainischen Behörden äußerten sich nicht dazu, inwiefern bei diesem Angriff Hacker eine Rolle spielten. Die »Financial Times« beruft sich bei ihrer Berichterstattung auf Fotos, Ortsangaben und Aussagen der Gruppe rund um Nikita Knysh.

Im Kriegsalltag sind Fotos aus sozialen Netzwerken nur eine von vielen Möglichkeiten, Militärstützpunkte oder Standorte von militärischen Geräten auszumachen. Die Bedeutung von Bildern aus dem Netz ist aber nicht zu unterschätzen. In der Vergangenheit etwa soll ein Urlauber auf der Krim durch ein Foto den Standort eines russischen Flugabwehrsystems verraten haben.

In einem anderen Fall, von dem unter anderem die BBC  berichtete, postete der russische Influencer Sergey Sreda ein Foto von seinem Besuch bei einer Basis der russischen Wagner-Gruppe, die kurz darauf von der Ukraine attackiert wurde. In jenem Fall bestätigten die ukrainischen Behörden, dass ein Zusammenhang zwischen Sredas Foto und dem Angriff bestand.

ptz
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