100 Bände Deutsche Wikipedia soll gedruckt erscheinen

Ab Januar 2007 will ein deutscher Verlag die freie Online-Enzyklopädie Wikipedia in Buchform auf den Markt bringen. Hundert Bände mit je 800 Seiten sind geplant - ein Band soll 15 Euro kosten.


Das Projekt ist ehrgeizig. Und ob es ein Erfolg wird, ist keineswegs sicher. Die deutsche Wikipedia als Buch herausbringen - das erscheint zunächst ein wenig absurd. Zumindest hierzulande, wo schnelle Onlinezugänge immer verbreiteter sind und das Lexikon somit leicht verfügbar ist. Texte auf Wikipedia lassen sich jederzeit ändern, korrigieren, verbessern. Bei Büchern geht das üblicherweise nicht.

Wikipedia: Soll als "WP 1.0" erscheinen
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Wikipedia: Soll als "WP 1.0" erscheinen

Trotzdem hat sich die Zenodot Verlagsgesellschaft entschlossen, die deutsche Wikipedia zu drucken. Der von Wikipedia-Gründer Jimmy Wales formulierte Plan einer gedruckten Ausgabe der freien Online-Enzyklopädie könnte damit zuerst in Deutschland umgesetzt werden.

Ab 2007 sollen monatlich zwei Bände erscheinen, die zum Subskriptionspreis von 14,90 Euro (pro Band) vorbestellt werden können. Das Lexikon mit dem Namen "WP 1.0" wird hundert Bände mit je 800 Seiten umfassen, der letzte Band soll im Dezember 2010 erscheinen. Insgesamt sind in dieser Zeit nach Verlagsangaben etwa eine halbe Million Stichwörter zu bearbeiten.

Der Verlag will für das Projekt 25 Mitarbeiter einsetzen - darunter 15 Redakteure, die extra dafür eingestellt werden. Zusätzlich soll ein unabhängiger wissenschaftlicher Beirat berufen werden, der die Inhalte überprüft und absichert.

Von der Expertenarbeit soll auch Wikipedia profitieren: "Ziel ist, entdeckte Fehler oder Ungenauigkeiten möglichst schnell auch in der Online-Ausgabe zu korrigieren", sagte Zenodot-Sprecherin Gertrud Götz.

Die Zenodot Verlagsgesellschaft hat bereits Ende 2005 damit begonnen, Taschenbücher zu Einzelthemen herauszugeben, deren Inhalt auf Wikipedia-Artikeln fußt. Auch die Wikipedia-DVD stammt von dem Verlag.

Das Projekt könne nur dann funktionieren, wenn sich "genügend begeisterungsfähige Menschen" finden, die das Gesamtwerk vorbestellen und monatlich zwei Bände abnehmen, erklärte der Verlag. Er will die aktuelle Zahl der Vorbesteller im Internet offen legen, um so den kaufmännischen Teil des Projekts transparent zu machen - "als Hommage an die Idee des frei zugänglichen Wissens, für die Wikipedia steht".



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