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17. Dezember 2013, 16:35 Uhr

3-D-Modell

Forscher drucken sich einen Lautsprecher

Es ist ein kleiner Schritt hin zur selbstgemachten Audioanlage: Per 3-D-Druck haben Forscher der amerikanischen Cornell University einen funktionsfähigen Lautsprecher hergestellt. Mit dem Klang professioneller Boxen kann die Eigenentwicklung aber nicht mithalten.

Ein Tastendruck auf dem Abspielgerät genügt, und es ist eine Audiodatei zu hören, die aus einem zerbrechlich wirkenden Lautsprecher dringt: "Neue Arbeitskräfte meistern den 3-D-Druck, der das Potential hat, die Art und Weise zu revolutionieren, wie wir Dinge herstellen." Die Worte Barack Obamas klingen zwar nicht gut, wenn sie aus dem orange-rötlichen Trichter kommen. Aber sie lassen sich verstehen - und damit ist das Ziel gemeistert. Denn der kleine Lautsprecher, der in einem Vimeo-Video vorgestellt wird, ist kein handelsübliches Exemplar. Er wurde von Forschern der Cornell University im Bundesstaat New York hergestellt: Sie schufen ihn per 3-D-Druck.

Die zwei Maschinenbau-Doktoranden Apoorva Kiran und Robert MacCurdy haben den Lautsprecher mit Unterstützung ihres Dozenten Hod Lipson entwickelt. "Alles ist 3-D-gedruckt", zitiert die Website designboom.com den Technik-Tüftler Kiran. Die Lautsprechermembran bestehe aus Plastik, hinzu kommen eine leitende Spule und ein Magnet. Nach dem Druck sei der Lautsprecher nahezu sofort einsatzfähig, nur ein kurzer Zusammenbau sei nötig, bevor er an andere Geräte angeschlossen werden kann.

Insgesamt brauchten Kiran, MacCurdy und Lipson zwei Drucker, um alle Teile des Lautsprechers herzustellen, heißt es beim Magazin "Architect". Die meisten Geräte seien bislang nicht in der Lage, mehrere Materialien gleichzeitig zu verwenden.

Auch andere Drucker stellen Lautsprecherteile her

Seine Entwicklung will das US-Forscherteam als Experiment verstanden wissen. "Wir haben bislang erst die Spitze des Eisbergs dieser Technologie gesehen", sagt Dozent Lipson in dem Videoclip. Man verfolge an der Cornell University das Ziel, den 3-D-Druck davon wegzubringen, nur passive Teile aus Plastik oder Metall zu liefern.

Am Lautsprecherbau versucht man sich aber auch andernorts. Im Frühjahr beispielsweise präsentierte ein Entwickler namens Evan Atherton ein besonderes Lautsprechergehäuse, das er mit Hilfe eines 3-D-Druckers produziert hatte. Auch Teile eines Computerlautsprechers wurden schon per 3-D-Druck hergestellt.

Und sogar Obamas Zitat, das aus einer der State-of-the-Union-Ansprachen stammt, wurden schon zuvor künstlerisch verwertet: Ein französischer Künstler präsentierte im November eine Skulptur, die die Worte des US-Präsidenten in Form einer Art Mondlandschaft visualisiert. Und auch dieses Kunstwerk entstand natürlich mit einem 3-D-Drucker.

mbö

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