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Internetkunst: Pixel können so schön sein

Foto: Raquel Meyers

Kunst beim 33c3 in Hamburg Brutal verpixelt

Sie muss absolut präzise sein: Raquel Meyers erschafft Kunst mithilfe eines Commodore 64 oder mit einem Teletext-Editor. "Diese Technologien sind unaufdringlich ehrlich", sagt sie.

"Der Commodore läuft, der Mac nicht", johlt ein Mann aus dem Zuschauerraum. Auf der kleinen Bühne des diesjährigen 33. Chaos Communication Congress (33C3), der Jahreskonferenz des Chaos Computer Clubs (CCC), steht Raquel Meyers und kämpft tatsächlich noch mit ihrer Präsentation, die sie auf einem Apple-Laptop zeigen will.

Einige Meter weiter hat die Digitalkünstlerin schon das Equipment aufgebaut, das sie nachher für ihre Live-Demonstration braucht und das den Zwischenruf des Zuschauers inspiriert hat. Denn das Herzstück des Aufbaus ist ein Commodore 64, ein alter 8-Bit-Heimcomputer aus dem Jahr 1982. Der macht später tatsächlich sofort genau das, was Meyers möchte.

Durch präzise geplante und platzierte Tasteneingaben erschafft Meyers mithilfe des C64 auf schwarzem Hintergrund digitale Pixelkunst. Aus vielen kleinen Feldern entstehen so irgendwann Figuren, Landschaften. Es hat etwas merkwürdig meditatives, Meyers bei ihrer Arbeit zuzusehen und plötzlich Formen zu erkennen, wo vorher nur ein Haufen Pixel war. Dazu das typische Klackern der alten Tastatur. Wie ihre Kunst aussieht, zeigt die Fotostrecke:

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Internetkunst: Pixel können so schön sein

Foto: Raquel Meyers

"Wir leben in einer Zeit, in der Hardware und Software schon wieder obsolet geworden sind, bevor die meisten Nutzer sie verstanden haben", sagt Raquel Meyers. Es gehe ihr nicht darum, sich auf vermeintlich alte digitale Technik zurückzubesinnen, sagt sie. "Diese Technologien sind kein Souvenir aus der Vergangenheit, sondern sind unaufdringlich ehrlich. Sie fangen den Zeitgeist und den Widerspruch, dass heute alles möglichst bequem sein muss, perfekt ein."

"Es gibt keine Zurück-Taste"

Meyers Arbeiten im klötzchenförmigen Pixel-Look mit einer beschränkten Farbpalette erinnern an den Stil des Brutalismus. Der Begriff bezeichnet einen Architekturstil der Moderne. Brutalistische Gebäude, zum Beispiel von Le Corbusier, entstanden ab den Sechzigerjahren überall auf der Welt und stehen für einen rohen, unbearbeitet wirkenden Stil: Betonklötze würden manche zu Gebäuden im brutalistischen Stil sagen.

Raquel Meyers auf dem 33C3

Raquel Meyers auf dem 33C3

Foto: SPIEGEL ONLINE

"Alte Technologien wie die vom Commodore 64 oder Teletext haben einiges gemeinsam mit brutalistischer Architektur", sagt Meyers, die aus Spanien stammt, aber in Schweden lebt. Sie hat ihrem Arbeitsprozess den Namen KYBDslöjd gegeben. Das Kunstwort setzt sich zusammen aus dem verkürzten englischen Begriff Keyboard, Tastatur, und dem schwedischen Wort slöjd, das mit Handarbeit oder Geschicklichkeit übersetzt werden kann. Es geht also ums kunstvolle Arbeiten an der Tastatur. Malen durch Tippen, vereinfacht gesagt.

Damit will Meyers betonen, dass ihre Kunst auf einem mechanischen Prozess beruht. Auf dem Bedienen einer alten Schreibmaschine, auf händischen Eingaben in einem Teletext-Editor, oder der Nutzung eines C64, wie Meyers ihn auf dem 33C3 dabei hat. Meyers' Arbeitsprozess zeigt sich zum Beispiel in diesem Zeitraffervideo:

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"KYBDslöjd ist schwer, flach, brutal, und es gibt keine Zurück-Taste", sagt Meyers. Jeder Fehler, jeder Vertipper, bleibt im Werk - oder zwingt die Künstlerin dazu, noch mal von vorne anzufangen. Trotzdem entstehen Werke von bemerkenswerter Raffinesse und Kleinteiligkeit.

Beim Medium Teletext zum Beispiel kann man nur extrem wenige Gestaltungsmöglichkeiten einsetzen: Rot, Grün, Gelb, Türkis, Blau, Pink als Farben. Plus Schwarz und Weiß. Damit kann man 25 Bildzeilen mit je 40 Zeichen bespielen, Zeichen für Zeichen, Zeile für Zeile.

Der brutalistische Stil zeigt sich nicht nur bei Teletext-Kunst, Designer wie der Schweizer Pascal Deville entdecken ihn auch im Webdesign. Hier können Sie einige Website-Beispiele aus Devilles Sammlung sehen:

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Design-Phänomen Web-Brutalismus: Das gehört so

In Zeiten, in denen jeder mit ein paar Klicks eine perfekte Webseite schaffen kann, beobachtete Deville, dass es für viele Nutzer plötzlich wieder interessant wird, sich aufs Ursprüngliche zurückzuziehen und dem Chichi zu entsagen.

Auch Meyers' Kunst zieht ihren Charme aus der radikalen Reduktion der Mittel. Daraus entsteht eine ganz eigene Anziehungskraft, ein ganz spezieller visueller Reiz. Die Arbeit mit alter Technik gefällt ihr, sagt sie nach dem Vortrag, während sie zig Kabel und Gerätschaften zusammensammelt. Die Arbeit mit Floppy-Disks wurde ihr aber dann doch irgendwann zu mühsam, gibt sie zu. Sie hat nun ein moderneres Stück Hardware, das die alten Disks ersetzt. Mit Mini-USB-Anschluss. So kann sie ihre Kunst leichter speichern.

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