Fotostrecke

Mensch und Maschine: Ich trage meine Daten am Finger

Foto: Nadja Buttendorf

Frauen als Body-Hacker Vier Ohren und einen Datenträger am Finger

Das Smartphone ist für viele ein Extra-Körperteil geworden, sagt die Künstlerin Nadja Buttendorf. In ihrer Arbeit lotet sie aus, wie weit die Verschmelzung von Mensch und Maschine noch gehen kann.

Stammzellen-Technologie, Hyaluronserum gegen das Altern oder Titandioxid-Nanopartikel: Wer heute im Drogeriemarkt einkauft, hat eine ganze Palette an Angeboten zur Auswahl, die sich zumindest in der Vermarktung der Hersteller futuristisch anhören.

Solche High-Tech-Kosmetik liegt im Trend, sagt Künstlerin Nadja Buttendorf  alias Nadja Alien. Der Grund dafür sei aber eher ein anachronistischer: "Technologie wird heute dazu benutzt, um die Reinheit der Natur zu vermitteln."

Ihre Beobachtung: "Durch Technologie wird der Körper ständig verändert und erweitert, die Technik dringt in den Körper ein." Doch während viele High-Tech-Schönheitswässerchen sich an Frauen als Zielgruppe wenden, hat sich anderswo längst eine männlich dominierte Szene der Body-Hacker entwickelt, in die diese Fotostrecke einen Einblick gibt:

Fotostrecke

Fotostrecke zu Biohackern: Mensch sein ist nicht genug

Foto: Hannes Wiedemann

Die Bodyhacker versuchen, die menschlichen Sinne durch den Einsatz von Technik zu erweitern, sie lassen sich Magnete in die Finger einsetzen oder implantieren RFID-Chips. Die Idee vom Cyborg, einem Mischwesen aus Mensch und Maschine, scheint dabei vor allem Männer zu faszinieren.

Buttendorf irritiert das, sie setzt mit ihrer Arbeit einen künstlerischen Gegenpunkt: "Es geht mir darum, die männliche Idee des Cyborgs zu dekonstruieren und zu brechen", sagt sie. "Auch Frauen sind Body-Hacker", sagt Buttendorf - aber oft auf andere Weise. Als Beispiele liegen nahe: die Beeinflussung des eigenen Körpers durch die Pille - und Schönheitsoperationen.

"Ich meine das auch alles ernst"

Über ihre Arbeit sagt Buttendorf dann noch: "Ich meine das auch alles ernst." Denn während das Bild der Body-Hacker von Bastlern dominiert wird, die sich in oft blutiger Do-It-Yourself-Manier durch Technik aufpimpen, kommt Buttendorfs Arbeit bemerkenswert leicht und amüsant daher. Auf dem Chaos Communication Congress des Chaos Computer Clubs (CCC) in Leipzig präsentierte Buttendorf einige ihrer Projekte.  

Fotostrecke

Mensch und Maschine: Ich trage meine Daten am Finger

Foto: Nadja Buttendorf

Statt sich die Hände aufzuschnibbeln, entwickelte Buttendorf beispielsweise die Projekte "Nadjas Magnetic Nail Art Studio" und "Nadjas Nail Art Residency". In einer Art Nagelstudio erprobte sie, auch in Zusammenarbeit mit anderen Digital-Künstlern wie Aram Bartholl, wie sich digitale Technik als Nagelkunst umsetzen lässt.

Sie klebt Magnete oder Micro-SD-Karten auf die Nägel und setzt zusammen mit Künstlerin Darsha Hewitt die Vision vom Nagellack um, der per Fingertipp seine Farbe ändert - eine Anspielung auf eine entsprechende Filmszene des Science-Fiction-Klassikers "Total Recall". Für den Effekt setzte Buttendorf auf einen abgeänderten Lackmus-Test.

Fotostrecke

Der 34C3 in Bildern: Willkommen im Hacker-Wunderland

Foto: JEON/EPA-EFE/REX/Shutterstock

Ein Accessoire für Roboter

In Leipzig war Buttendorf schon mal auf einer Orthopädiemesse zu Gast. In Wasserbecken liefen damals Menschen mit Prothesen auf und ab, um deren Wasserfestigkeit unter Beweis zu stellen. Buttendorf entwickelte aus dieser Erfahrung eines ihrer bislang bekanntesten Werke: den Fingerring - eine Nachbildung ihres Ringfingers, getragen als Ring am Originalfinger. "Roboter könnten ihn als Accessoire tragen, um sich ein bisschen menschlich zu fühlen - und Menschen haben eben einen sechsten Finger", sagt Buttendorf. Ebenso hat sie bereits ein fleischfarbenes Paar Extra-Ohren entworfen.

Arbeiten wie diese mögen viele auf den ersten Blick irritieren, sie sollen aber zum Nachdenken über das eigene Schönheitsideal und den Körper anregen. "In der digitalen Welt löst sich der Körper auf, wir brauchen ihn nicht mehr, sondern haben Avatare", sagt Buttendorf. Gesichtsfilter wie auf Snapchat oder Instagram verändern unseren Blick auf den eigenen Körper ebenfalls zunehmend - und normieren ihn, glaubt Buttendorf. Ihre Arbeit hat genau das Gegenteil zum Ziel.


High-Tech als Modetrend? Auch die Fashion-Tech-Szene arbeitet daran, Technologie immer näher an den menschlichen Körper rücken zu lassen:

Fotostrecke

Hightech-Kleidung: Die Trends der Fashiontech

Foto: Pauline van Dongen

Anmerkung: In einer früheren Version des Artikels war von Micro-USB-Karten die Rede, es handelt sich aber um Micro-SD-Karten.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.