SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

26. Dezember 2017, 13:35 Uhr

Start des 34C3

Liebe Leserin, lieber Leser,

Von

ich hoffe, Sie hatten ein schönes Weihnachtsfest - womöglich mussten Sie ja auch zu Hause etwas Technik-Support leisten, etwa bei frisch geschenkten Smartphones oder Computern? Zumindest Hackern passiert das regelmäßig: An den Feiertagen, wenn sie schon mal zu Besuch sind, werden die IT-Spezialisten von ihren Verwandten gern um den ein oder anderen Gefallen gebeten: Kannst du mir etwas einrichten? Erklärst du mir eine Funktion? Kannst du meinen Rechner reparieren?

So praktisch diese Hilfe für manche Familien ist, viele Profis sind Weihnachten nur auf der Durchreise: Ab Mittwoch zieht es sie zum Chaos Communication Congress, zum Jahrestreffen des Chaos Computer Clubs (CCC), wo zwischen den Jahren stets Tausende Tech-Enthusiasten zusammenkommen. Die diesjährige Ausgabe, der 34C3, findet in Leipzig statt und nicht wie in den Vorjahren in Hamburg. Die Hacker-Hauptstadt Deutschlands liegt also temporär in Sachsen.

Spannende Themen aus 2017 gibt es genug: Angefangen bei Sicherheitsproblemen bei Banking-Apps über die WLAN-Lücke KRACK und die Erpressungssoftware WannaCry bis zu den massiven Bedenken hinsichtlich PC-Wahl, einer Software, die auch bei der Bundestagswahl zum Einsatz kam.

Den Congress verfolgen kann auch, wer nicht selbst in Leipzig ist: Viele Vorträge werden live gestreamt, außerdem lassen sie sich später auch zeitversetzt als Aufzeichnung anschauen. Eine Übersicht des Programms des 34C3 steht hier online.

Laien, die sich fürs Thema Hacken interessieren, empfehle ich noch unser "Endlich verständlich - Die Welt der Hacker". In diesem Überblick beantworten wir Fragen wie "Wer ist ein Hacker?" und "Gibt es Regeln für Hacker?".

Problemfall beA: Ärger ums "besondere elektronische Anwaltspostfach"

Eine Sicherheitsdebatte tobt rund um die Feiertage in der Welt der Rechtsanwälte. Ab dem 1. Januar sind Anwälte verpflichtet, ein sogenanntes "besonderes elektronisches Anwaltspostfach" (beA) eingerichtet zu haben und Nachrichten zur Kenntnis zu nehmen, die sie darüber digital erreichen. Der Start des Systems funktioniert aber alles andere als reibungslos.

Das jüngste Ärgernis: Vergangene Woche forderte die Bundesrechtsanwaltskammer ihre Mitglieder auf, händisch ein Zertifikat zu installieren, weil das bisherige ungültig geworden war. Markus Drenger, Hacker bei Chaos Darmstadt, hatte zuvor bemerkt, dass der private Schlüssel zu dem Zertifikat öffentlich war. Der Vorgang ist für den beA-Hersteller mehr als peinlich, zumal es das Tech-Magazin "Golem" geschafft hat, auch beim neuen Zertifikat an den privaten Schlüssel zu gelangen.

"Mit diesem Zertifikat und dem privaten Schlüssel kann man nun beliebige Webseitenzertifikate signieren", warnt "Golem": "Ein Angreifer kann also nun nach Belieben Man-in-the-Middle-Angriffe gegen die Internetverbindungen der betroffenen Rechtsanwälte durchführen." Das Tech-Magazin rät daher jedem, der das Zertifikat installiert hat, es umgehend wieder zu entfernen.

Über die Weihnachtstage ist das beA übrigens vom Netz, wegen "Wartungsarbeiten". "Ich sehe nicht, dass das System zum 1. Januar repariert ist", sagte mir heute der Berliner IT-Rechtler Matthias Bergt, der per Blogpost vor dem beA warnt. Er hoffe, dass die Bundesrechtsanwaltskammer das System stoppt. Ob es wirklich soweit kommt, wird sich im Laufe dieser Woche zeigen, in der aber möglicherweise noch mehr Schwächen des beA bekannt werden könnten. Donnerstag jedenfalls hält Markus Drenger auf dem 34C3 einen Vortrag zum Thema.

Spannende Dystopien: Neues von "Black Mirror"

Während die CCC-Hacker überlegen, wie sich die Welt durch Technik verbessern lässt, denkt sich Charlie Brooker Dystopien aus. Seine Serie "Black Mirror" präsentiert in jeder Folge eines neues, meist erschreckendes Zukunftsszenario. Mal bewerten sich alle Menschen ständig gegenseitig ("Abgestürzt"), mal bringt ein blauer Cartoon-Bär die Politik durcheinander, der an Apples neue Animojis erinnert, aber schon vorher existierte ("Die Waldo-Kandidatur").

Am 29. Dezember startet auf Netflix nun die vierte Staffel von Brookers Serie - die werde ich mir auf jeden Fall zeitnah anschauen. "Black Mirror" hatte es übrigens schon Anfang 2016 auf eine kleine Liste mit elf tollen Nerd-Serien geschafft, die wir in der Netzwelt veröffentlicht haben. Einige der dort genannten Serien, etwa "Mr. Robot" und "Silicon Valley", haben seitdem auch neue Staffeln dazubekommen.


Seltsame Digitalwelt: Zocker-Nostalgie

Als ich vor Kurzem in einer Hamburger Bar Geburtstag feierte, hatte ich dafür ein Mini-SNES und einen Fernseher mitgebracht, damit meine Gäste zwischendurch mal "Street Fighter" oder "Mario Kart" spielen konnten. Da in der Kneipe auch sonst allerlei Krempel rumstand, vom Kicker bis zur Hollywood-Schaukel, konnte man die Konsole wohl gut für einen Teil der Einrichtung halten.

Eine Jungsgruppe jedenfalls, die ich nicht kannte, hörte ich später sagen: "Geil, die gehen endlich, dann ist der Super Nintendo frei". Sie schauten dann etwas bedröppelt, als ich das Gerät um zwei Uhr morgens aus der Bar trug. Sorry, Leute - ich wusste nicht, dass ihr womöglich nur fürs Zocken geblieben seid.

App der Woche: "Vlipsy"
getestet von Sebastian Meineck

"Vlipsy" ist eine Datenbank mit legendären Szenen aus Filmen, Serien und viralen Videos. Die Clips sind nur wenige Sekunden lang. Zu sehen gibt es etwa Sprüche wie "Challenge accepted" aus der Sitcom "How I met your mother" oder den zum Mem gewordenen Satz "He's dead, Jim" aus der Serie "Raumschiff Enterprise".

Die Clips lassen sich wie Gif-Dateien verschicken, um etwa Chatgespräche scherzhaft zu kommentieren. Die Optik von "Vlipsy" erinnert stark an die beliebte Gif-Bibliothek "Giphy". Dort gibt es teilweise ähnliche Clips - allerdings ohne Ton.

Gratis von Vlipsy, Inc., ohne In-App-Käufe: iOS, Android

Fremdlink: Drei Tipps aus anderen Medien

Einen guten Rutsch ins neue Jahr wünscht Ihnen

Markus Böhm

URL:


© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung