Angeklickt Die U-Bahn rollt, die Zeit steht still

Videoausschnitt: In Magyars Filmen gleiten Wartende in Zeitlupe vorüber

Videoausschnitt: In Magyars Filmen gleiten Wartende in Zeitlupe vorüber

Foto: Adam Magyar/ Vimeo

Die Kamera gleitet an den Passagieren auf dem U-Bahnsteig Alexanderplatz vorbei. Sie schauen auf Smartphones, lesen Bücher, kauen auf Brötchen herum - und stehen doch still da wie Skulpturen. Der Künstler Adam Magyar hat sie mit einer Industriekamera in eine bewegte Momentaufnahme eingefroren.

Adam Magyar - Stainless, Alexanderplatz auf Vimeo ansehen. 

Den Film hat der in Berlin lebende Magyar  mit einer High-Speed-Industriekamera und selbst geschriebener Software geschaffen . Die Kamera kann bis zu 100.000 Einzelbilder in der Sekunde aufzeichnen. Diese Geräte fotografieren sonst Crashtests oder die Bewegungen von Roboterarmen.

Adam Magyar - Stainless, 42 Street auf Vimeo ansehen. 

Magyar hat mit dieser Kamera aus den Fenstern einfahrender U-Bahnen Bahnsteige in Berlin, New York und Tokio gefilmt. Die Kamera zeichnet in derselben Zeit 56-mal so viele Einzelbilder auf wie eine normale Videokamera, so entsteht der Zeitlupeneffekt, der die auf dem Bahnsteig stehenden Menschen völlig bewegungslos und mit erstarrter Mimik zeigt, während die Kamera vorbeigleitet.

Adam Magyar - Stainless, Shinjuku auf Vimeo ansehen. 

Dass die Schwarzweißaufnahmen so klar und detailliert erscheinen, ist der Bildbearbeitungs-Software Magyars zu verdanken. Er hat zwei Jahre lang Programme zur Rauschunterdrückung für die Hochgeschwindigkeitskameras entwickelt, wie er dem US-Journalisten Joshua Hammer  erzählte. Im Industrieeinsatz ist perfekte Bildqualität nicht so wichtig, in der Kunst schon. Nun erlauben die Industriewerkzeuge völlig neue Blicke hinein in plötzlich gar nicht mehr banal wirkende Alltagsaugenblicke.

Mehr lesen über
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.