Adblock Plus Google, Amazon und Microsoft kaufen sich angeblich vom Werbeblocker frei

Gerüchte gibt es schon lange: Manche Firmen besorgen sich wohl gegen Geld Ausnahmeregelungen für den Werbeblocker Adblock Plus. Jetzt hat eine Zeitung offenbar Beweise für solche Deals mit Google, Microsoft und Amazon.
Browser-Add-on Adblock Plus: Nicht jede Werbung verschwindet

Browser-Add-on Adblock Plus: Nicht jede Werbung verschwindet

Foto: Andrea Warnecke/ dpa

Viele Nutzer, die im Internet keine Werbeanzeigen sehen wollen, laden sich einen Adblocker herunter, der viele Anzeigen auf Webseiten blockiert. Eines der bekanntesten Angebote ist das Browser-Add-On Adblock Plus der deutschen Firma Eyeo. Die "Financial Times " (kostenpflichtig) berichtet nun, dass Google, Microsoft und Amazon sich von dieser Blockade freigekauft haben, sodass auf ihren Seiten trotzdem Werbung ausgespielt wird, wenn die Adblock-Plus-Standardeinstellungen aktiviert sind.

Dafür sollen die drei Internetgiganten ein entsprechendes Abkommen mit der deutschen Firma haben. Die entsprechenden Verträge gelten zwar als geheim, doch die "Financial Times" beruft sich auf Dokumente, von denen die Zeitung Kenntnis erlangt habe.

Google und Amazon hätten die Angelegenheit nicht kommentiert. Microsoft, dessen Suchmaschine Bing demnach entblockt wurde, zitiert die "Financial Times" mit wolkigen Worten: "Microsoft wird den Kunden in Sachen Werbung immer die Wahl lassen. Wir müssen mit Partnern zusammenarbeiten, die unsere Vision von relevanter, eindrucksvoller Markeninteraktion teilen und die Integrität der Kundenentscheidung respektieren."

Die Vorwürfe sind - bis auf den Fall Microsoft - nicht neu. Der Blogger Sascha Pallenberg hatte vor ziemlich genau einem Jahr berichtet , US-Konzerne hätten Millionen gezahlt, damit ihre Anzeigen von der Blockade ausgenommen und trotzdem gezeigt würden.

Für Adblock Plus gibt es eine sogenannte White List mit "unaufdringlicher Werbung", die auch bei installiertem Add-On gezeigt wird. Und es gibt freigeschaltete Internetseiten, die solche Werbung "unterstützen" und deshalb von der Blockade ausgenommen sind. Das gilt jedoch nur im Regelfall, Nutzer des Programms haben noch die zusätzliche Option, alle Anzeigen auszuschalten.

Werbeanzeigen sind für viele Internetangebote die Haupteinnahmequelle. Viele Seiten - unter anderem für den Nutzer sonst kostenlose journalistische Seiten wie SPIEGEL ONLINE - würden in ihrer jetzigen Form ohne Werbung nicht existieren.

Dass für Ausnahmeregelungen Geld fließt, hat Adblock Plus nie dementiert. Auf der Website des Kölner Unternehmens heißt es etwa : "Wir werden von einigen große Firmen bezahlt, die unaufdringliche Werbung unterstützen, welche an der Initiative für akzeptable Werbung teilnehmen möchten."

SPIEGEL ONLINE teilte das Unternehmen am Dienstag mit: "Generell erstaunt es uns, dass unsere Initiative für akzeptable Werbung als neu empfunden wird."

Welche Unternehmen für die Ausnahmen zahlen müssen und welche nicht, sagt Adblock Plus aber nicht. "Abkommen zwischen uns und unseren Partnern sind sehr verschieden und individuell", schreibt die Firma, über konkrete Vertragsdetails spreche man nicht. Es sei Adblock Plus aber "sehr wichtig, hervorzuheben, dass 90 Prozent unserer Whitelisting-Partner zu 0% finanziell belastet werden, jedes Unternehmen dieselben Kriterien erfüllen und einhalten muss - ganz egal ob zahlend oder nichtzahlend und dass Nutzer jederzeit durch einen Klick jede Werbung ausschalten können."

juh