Umstrittener Werbefilter Landgericht Hamburg weist Klage gegen Adblock Plus ab

Medienunternehmen erleben einen Rückschlag im Kampf gegen Adblock Plus: Das Hamburger Landgericht hat eine Klage gegen den verbreiteten Werbeblocker abgewiesen. Für die Firma dürfte das aber nur ein Etappensieg sein.
Adblock Plus: Der Richterspruch könnte als Präzedenzfall große Bedeutung besitzen

Adblock Plus: Der Richterspruch könnte als Präzedenzfall große Bedeutung besitzen

Foto: Andrea Warnecke/ dpa

Wer beim Surfen im Netz keine Lust auf Werbebildchen hat, kann sich einen Reklamefilter namens Adblock Plus installieren. Gegen die Geschäftspraktiken des Herstellers hatten "Zeit Online" und das "Handelsblatt" geklagt. Die Klage wurde nun vom Landgericht Hamburg abgewiesen.

Die Kläger hatten angeführt, der Werbefilter greife in unzulässiger Weise in ihr Geschäft ein. Schließlich würden sich journalistische Online-Angebote in der Regel aus Werbeeinnahmen finanzieren. Der Adblock-Plus-Anbieter Eyeo GmbH zeigte sich mit der jetzt ergangenen Entscheidung zufrieden .

Wie "Heise" berichtet, war vor allem das "Acceptable-Ads"-Programm von Eyeo umstritten. Es gestattet Unternehmen, sich durch die Browser-Erweiterung von den Blockaden freizukaufen. Klägeranwalt Matthies van Eendenburg wurde mit der Einschätzung zitiert, dabei handele es sich um "Wegelagerei" oder gar Schutzgelderpressung .

Gegen Bezahlung auf die Whitelist

Die kostenpflichtige Aufnahme in die sogenannte Whitelist stelle Eyeos Haupteinnahmequelle dar. Laut "Heise" hatten die Beklagten dieses Erlösmodell auch nicht bestritten. Eyeo-Anwältin Heike Blank erklärte, in 90 Prozent der Fälle würden Websites jedoch ohne zusätzliche Kosten auf die Whitelist gesetzt. Nur bei den restlichen zehn Prozent gebe es Vereinbarungen zur Zahlung, wegen der Unternehmenswerbung trotz aktivierter Adblock-Plus-Standardeinstellungen angezeigt werde.

Erst im Februar hatten Berichte über entsprechende Abkommen von Google, Microsoft und Amazon mit Eyeo die Runde gemacht. Die Verträge wurden geheimgehalten, Unternehmenssprecher hatten sich in der Angelegenheit äußerst schmallippig gezeigt.

Nicht das einzige Verfahren seiner Art

Für die Hamburger Richter waren "Heise" zufolge zwei Punkte wichtig: Zum einen habe der vorsitzende Richter auf die steigende Anzahl werbefreier Bezahlangebote vieler Medien hingewiesen. Längst also sei Werbung nicht mehr die einzige Einnahmequelle für Medien im Netz. Außerdem nehme letztlich der jeweilige Anwender über die Einstellungen selbst die Filterung unerwünschter Werbung vor, nicht Eyeo.

Das Verfahren vor dem Landgericht Hamburg ist allerdings längst nicht das einzige seiner Art. Eine Reihe von Verlagen und Medienunternehmen hat auch vor anderen Gerichten gegen Eyeo Klage eingereicht, zu einer endgültigen Entscheidung wird es wohl vor dem Bundesgerichtshof kommen. Am Landgericht München läuft derzeit ein Verfahren, das ProSiebenSat.1 sowie die RTL-Tochtergesellschaften IP Deutschland und RTL Interactive angestrengt haben.

Dort dürfte der Hamburger Spruch für einiges Aufsehen sorgen, ebenso wie in Köln. In der Stadt am Rhein ist nicht nur die Eyeo GmbH beheimatet, sondern vor dem Landgericht Köln ist auch ein Verfahren anhängig, das von der Axel Springer AG mit anderen Medien- und Werbeunternehmen gegen den Adblock-Plus-Anbieter in die Wege geleitet wurde . Auch SPIEGEL ONLINE überlegt, gerichtlich gegen das Unternehmen vorzugehen.

meu