US-Sanktionen Adobe sperrt alle Nutzerkonten in Venezuela

Als Reaktion auf eine Anordnung der US-Regierung wird Adobe alle Nutzerkonten in Venezuela deaktivieren. Software wie Photoshop, InDesign und Acrobat funktioniert dann nur noch eingeschränkt oder gar nicht.

Adobe-Nutzer in Venezuela werden aus ihren Konten ausgesperrt
REUTERS

Adobe-Nutzer in Venezuela werden aus ihren Konten ausgesperrt


Mit der Exekutivanweisung 13884 verbietet die US-Regierung praktisch jede Transaktion zwischen Unternehmen, Organisationen und Personen aus den USA und Venezuela. Davon betroffen sieht sich auch der Softwarehersteller Adobe. Das Unternehmen kündigte nun an, am 29. Oktober alle Nutzerkonten in Venezuela zu deaktivieren.

Bis zum Tag davor haben Nutzer die Möglichkeit, ihre online gespeicherten Inhalte herunterzuladen, danach ist ein Zugriff bis auf Weiteres nicht mehr möglich. Zunächst hatte Adobe zudem mitgeteilt, dass es keine Rückzahlung von bezahlten, aber nicht mehr nutzbaren Abonnements geben werde, weil auch das durch die Anordnung der US-Regierung untersagt sei. Mittlerweile hat das Unternehmen diese Aussage zurückgenommen - man werde Ende des Monats Rückzahlungen "für jede Lizenzperiode leisten, die bezahlt wurde und nicht genutzt werden kann".

Mit "Creative Cloud" setzt Adobe auf eine Onlinelösung zur Verwaltung der Abos für beliebte Programme wie Photoshop, Lightroom, Illustrator, InDesign oder Acrobat. Die Programme lassen sich zwar zunächst auch offline nutzen, aber nicht weiter bezahlen, updaten oder geräteübergreifend verwenden. Kostenpflichtige Programme sind folglich gar nicht mehr nutzbar, wenn sie nicht weiter bezahlt werden können. Aber auch kostenlose Dienste wird Adobe nach eigenen Angaben nicht mehr in Venezuela anbieten, mit Ausnahme von Behance.

Die Deaktivierung dürfte deshalb vor allem Künstler, Medien und Nichtregierungsorganisationen in Venezuela treffen. "Wir bedauern jegliche Unannehmlichkeiten", teilte Adobe auf Anfrage von "The Verge" mit. Man werde die Situation weiter genau beobachten und bewerten.

Hinweis vom 11.10.: Die Angaben zu Rückzahlungen durch Adobe sowie zu Behance wurden aktualisiert.

pbe



insgesamt 22 Beiträge
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Melanthes 08.10.2019
1. Neue Risiken von Cloud Computing
Auslagern von Daten und Programmen: Das hat schon immer ein (verdrängtes) Risiko dargestellt, aber ab jetzt gibt es eine neue Dimension. Gesperrt wird in Venezuela wohl quer durch die Bank, d.h. auch die Konten von Maduro-Gegnern. Das könnte im Extremfall auch für in Europa ansässige Firmen ein Problem werden. Z.B. dann, wenn die USA versuchen, extraterritorial Sanktionen durchzusetzen und dafür alle Register ziehen. Man fragt sich, ob nicht auch non-cloud, also lokale Software betroffen sein könnte. Allein die Verweigerung von Updates wäre äußerst problematisch.
marc.koch 08.10.2019
2. Enteignung
Ein schönes Beispiel wie einem Cloud-Nutzung um die Ohren fliegen kann. Ich habe gute Freunde in Venezuela. Die Lage dort ist katastrophal. Wer sich Adobe-Software angetan hat und nicht lokal seine Daten speichert wird das so schnell nicht schaffen, die Daten runterzuladen. In meinen Firmen wird nur On premises gearbeitet. Wir brauchen unsere Daten jederzeit, nicht nur, wenn Mr Trump es so will. Den Venezolanern alles Gute.
Jolande9 08.10.2019
3. Ein Beispiel ...
.. für diese ganze neoliberale Verlogenheit. Jede Einschränkung des Handels wird doch üblicherweise von den üblichen Lobbygruppen als Verstoß gegen die Menschenrechte betrachtet - und hier?? Das Ausnutzen der Marktmacht aus politischen Gründen - widerspricht das denn nicht allem, was sich "the land of the free" sonst auf die Fahnen geschrieben hat? "Die Deaktivierung dürfte deshalb vor allem Künstler, Medien und Nichtregierungsorganisationen in Venezuela treffen. " Ich nehme mal an, dass ähnliche Einschränkungen auch für den Iran und Russland gibt?
hps 08.10.2019
4. Den Zugriff der Nutzer auf ihre Software sperren?
Ho lala. Das ist schlecht. Etliche Nutzer von Softwarepaketen sind dem Wunsch der Hersteller nachgekommen. Und haben anstatt wie früher lokal auf ihrem PC, ihre Software as Cloudversion gekauft. Das heißt, bei der Nutzung von z.B. MS Office muss eine Internetverbindung zum Cloutserver bestehen. So, wollen die Hersteller jetzt dieses Arangement ausnutzen? Und auf Wunsch ihrer Regierung den Zugriff der Nutzer auf ihre Softwarepakete sperren?
Inky 08.10.2019
5. Bezahlt ist Bezahlt...
Genau der Punkt, wieso ich immer noch Photoshop 7 benutze. Auf Creative Cloud und die Willkuer irgendwelcher Firmen habe ich keinen Bock. Adobe verdient jetzt auch noch den Bonus fuer systemkonforme Arschloecher. Nett. Wenn's irgendwann nicht mehr geht, dann kann man es ja mit Gimp versuchen.
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