Netztipps zum Pfingstwochenende Adornos Albträume und Russlands Trolle

Das ZDF arbeitet die Killerspiel-Debatte auf, Theodor W. Adornos Träume gibt es jetzt als Hörspiel - und Trolle erzählen, warum sie Hass verbreiten. Fünf Gratisangebote aus dem Internet für das lange Wochenende.
Szene aus "Doom": Egoshooter der ersten Stunde

Szene aus "Doom": Egoshooter der ersten Stunde

Foto: obs/ZDF/ Janett Kartelmeyer

1. Killerspiel-Doku: "Der Streit eskaliert"

Heute spricht kaum noch einer davon, Egoshooter zu verbieten. In den Nullerjahren aber stritten darüber Politiker und Pädagogen, Gamer und Eltern erbittert. Befeuert wurde die Debatte nach den Amokläufen von Erfurt, Emsdetten und Winnenden - und der Frage, ob die Täter von sogenannten "Killerspielen" beeinflusst wurden.

Den Streit der Nullerjahre dokumentiert der zweite Teil der ZDF-Reihe "Killerspiele". Gezeigt wird auch ein besonders skurriler Ausschnitt aus dem 3sat-Magazin "Kulturzeit", ausgestrahlt 1999. Darin beschreibt der fremdelnde Moderator einen Joystick als "Freudenstock mit eingebautem Tötungsknopf", der Kinder zu "virtuellen Massenmördern" werden lasse.

Retro-Gefühle kommen auf, wenn in Archiv-Aufnahmen Gamer zu LAN-Partys gehen, um vor Röhrenmonitoren "Counter-Strike" zu zocken - was aus heutiger Sicht ziemlich harmlos wirkt.

Die Doku "Killerspiele: Der Streit eskaliert" ist kostenlos in der ZDF-Mediathek  zu sehen. Dort ist auch Teil eins verfügbar , der von Spielen der Achtziger- und frühen Neunzigerjahre handelt. Beide Videos sind täglich ab 20 Uhr zu sehen. Eine ausführliche Besprechung des ersten Teils gibt es hier.

Klangflächen wie aus dem Horrorfilm: Hörspiel über Adornos Träume

Klangflächen wie aus dem Horrorfilm: Hörspiel über Adornos Träume

Foto: br.de

2. Hörspiel: Adorno, wovon träumst du nachts?

Theodor W. Adorno hat seine Träume aufschrieben. Einige davon wurden unter dem Titel "Traumprotokolle" als Hörspiel vertont. Es sind unaufgeregt vorgetragene Monologe, hinterlegt mit Klangflächen wie aus dem Horrorfilm.

"Ich träumte, ich solle gekreuzigt werden", gibt Adorno zu Protokoll. "Der ganze Vorgang war frei von Angst. Bockenheim glich einem sonntäglichen Dorf. Totenhaft friedlich, wie unter Glas."

Nicht alle Träume sind so intensiv wie dieser, aufgeschrieben 1942 im US-amerikanischen Exil. Andere handeln zum Beispiel einfach nur von einem leckeren Steak. Ihre Deutung bleibt dem Hörer überlassen.

Das Hörspiel des Komponisten Georg Zeitblom lässt sich im "Bayern 2 Hörspielpool" kostenlos streamen  und als MP3 herunterladen . Die Aufzeichnungen sind auch unter dem Titel "Traumprotokolle" bei Suhrkamp erschienen .

Gruselspiel in Retro-Optik: Screenshot aus "Creepy"

Gruselspiel in Retro-Optik: Screenshot aus "Creepy"

Foto: David Zobrist

3. Muahaha: Grusel-App "Creepy"

"Gefällt dir das?!", fragt eine elektronisch verzerrte Stimme. "Do you like that?!" Wer "Creepy" für iOS und Android spielt, wird von dieser Stimme ständig angesprochen. Der Nutzer steuert eine mit Pistole und Schutzschild bewaffnete Figur durch eine düstere 2D-Welt. Dabei muss er Zombies erschießen und Feuer speiende Monster besiegen.

"Like a wrecking ball!", kommentiert die Stimme, wenn der Nutzer einen Gegner getroffen hat. Manchmal ruft sie einfach nur: "Bang, bang!" In den zwölf Levels dominieren die Farben Grau, Schwarz und Rot. Die Pixel-Optik erinnert an Retro-Games, der Soundtrack an Gruselkino. Wenn der Spieler verliert, ertönt ein "Muahaha!" wie aus der Geisterbahn.

In den App Stores ist man sich offenbar nicht ganz sicher, wie gruselig das wirklich ist. Im "Google Play Store"  lautet die Altersempfehlung 16 Jahre, im App Store für iOS-Nutzer  sind es nur 12 Jahre.

Browser-Animation: Der Kampf um die Charts

Browser-Animation: Der Kampf um die Charts

Foto: Polygraph

4. "Polygraph": 60 Jahre Popgeschichte

In der Browser-Animation "How Music Taste Evolved"  können Nutzer die Hits der vergangenen 60 Jahre an sich vorbeiziehen lassen. Jeder Hit wird als Kurve auf einer Zeitleiste dargestellt. So lässt sich beobachten, wie die Lieder in den Charts auf- und absteigen. Zu hören gibt es dazu den jeweils aktuellen Nummer-Eins-Hit: Von "Dancing Queen" (1977) bis "Thrift Shop" (2013).

Veröffentlicht wurde das Projekt vom Online-Magazin "Polygraph". Die Macher wollen komplizierte Dinge anschaulich machen, wie sie auf ihrer Webseite schreiben  - und zwar ohne viele Worte. Stattdessen setze man auf Code, Visualisierungen und Animationen.

Weitere sehenswerte Projekte von "Polygraph" sind zum Beispiel eine interaktive Geschichte des Rap  - und eine Analyse von Filmdialogen, die beweist, dass im Hollywoodkino vor allem Männer zu Wort kommen .

Szene aus "Die Trolle": Wer verbreitet eigentlich Fakes?

Szene aus "Die Trolle": Wer verbreitet eigentlich Fakes?

Foto: ARD/ NDR

5. Fake, fake, fake: NDR-Doku "Die Trolle"

Was sind das eigentlich für Leute, die falsche Informationen im Netz verbreiten? Wer erfindet Schlagzeilen wie "Schülerin von Asylsuchenden misshandelt"? Für die NDR-Reihe "Panorama - die Reporter" haben sich NDR-Journalisten auf die Spur der Trolle und Faker begeben.

Die Reporter wühlen sich durch Falschmeldungen wie "Schlachtung einer Ziege aus dem Streichelzoo" oder "Geflüchtete stehlen ein Pferd". Sie treffen die Aktivisten von mimikama.at , die solche Fakes bekämpfen. Und sie sprechen mit ehemaligen Mitarbeitern einer russischen Trollfabrik, die für Geld Stimmung in sozialen Netzwerken gemacht haben: Unter professioneller Anleitung lobten sie die russische Politik und kritisierten die EU.

Die Dokumentation "Die Trolle" gibt es kostenlos in der ARD-Mediathek  und auf YouTube zu sehen . Mehr über Fakes und Trolle gibt es in der BR-Doku "Wie gefährlich sind Fakes im Netz?", die ebenfalls auf YouTube abrufbar ist .


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Foto: Deutsche Welle
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