Nach Supreme-Court-Urteil Online-Fernsehdienst Aereo ist erstmal offline

Mit einer technisch-juristischen Finesse wollte das Start-up Aereo das US-Verlagsrecht umgehen. Doch nach einem Urteil des Supreme Court ist der Streaming-Dienst bis auf Weiteres offline.
Streaming-Dienst Aereo: Kunden bekommen Monatsgebühren zurück

Streaming-Dienst Aereo: Kunden bekommen Monatsgebühren zurück

Foto: Uncredited/ AP/dpa

Ungewöhnlich ja, aber auch illegal: Am Mittwoch hatte das oberste US-Gericht das TV-Streaming von Aereo für illegal erklärt. In einer E-Mail an die Kunden erklärte Aereo-Geschäftsführer Chet Kanojia nun, dass man den Dienst mit sofortiger Wirkung pausieren werde, bis der Fall vorinstanzlich geklärt würde . Alle Aereo-Kunden sollen die zuletzt angefallenen Monatsgebühren zurückbekommen.

Mit dieser Ankündigung geht auf dem amerikanischen Fernsehmarkt vorerst eine Episode mit - je nach Perspektive - besonders viel Mut oder Dreistigkeit zuende. Aereo hatte es seinen Kunden ermöglicht, für eine monatliche Gebühr per Computer oder Tablet Fernsehprogramme anzuschauen. Kunden wurde dafür eine Art Mietantenne zugewiesen, die in den Firmenräumen von Aereo stand. Das auf diesem Weg empfangene Programm wurde dann per individuellem Stream übers Internet zum Kunden übertragen.

"Das Frequenzspektrum, mit dem die TV-Sender ihr Programm übertragen, gehört der amerikanischen Öffentlichkeit", schreibt Kanojia seinen Kunden, "und wir sind der Überzeugung, dass Sie das Recht haben, auf das Liveprogramm zuzugreifen, egal, ob Ihre Antenne auf Ihrem Dach, auf Ihrem Fernseher oder in der Cloud steht."

Die Richter gelten als technisch unbedarft

Aereo übertrug vor allem das Programm amerikanischer Fernsehsender - ohne dafür zu bezahlen. Das sahen die Richter des amerikanischen Supreme Court als Problem: Sie stimmten mit sechs zu drei gegen Aereo. Mit ihrem Service verletze die Firma das Verlagsrecht der Fernsehsender  (Urteil, PDF): "Deshalb schließen wir, dass Aereo die Werke der Antragsteller öffentlich aufführt." Das Gericht hob so das gegenteilige Urteil des Berufungsgerichts auf. Nun geht es vorinstanzlich weiter.

Der Supreme Court zeigte sich in seiner Urteilsbegründung bemüht, die Reichweite der Entscheidung als begrenzt zu beschreiben. Vor dem Urteil waren bei den Richtern mehrere sogenannte Amici-Schreiben mit Experteneinschätzungen eingegangen, die davor warnten, dass eine Entscheidung gegen Aereo die Innovationskraft behindern und ungeahnte Folgen für Erfindungen komplexer Techniken haben könnte. "Wir glauben nicht", hieß es dazu an einer Stelle im Urteil , "dass unsere begrenzte Entscheidung diese [weitreichenden Folgen für andere technischen Innovationen] haben wird."

Vielleicht ist das Glauben aber auch eher ein Hoffen: Die technische Unbedarftheit des Supreme Court  gilt längst als Problem in den Vereinigten Staaten: Die auf Lebenszeit verpflichteten Richter sollen angeblich noch nicht viel von Clouds, Messengern und Smartphones gehört haben.

fko
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