Ätz-Blog Uncov "So nützlich wie ein Tumor"

Die Krise ist da und das Basher-Blog Uncov kehrt zurück, verspottet die verwöhnten Internet-Startups, verhöhnt die dämlichsten IT-Neugründungen und überschüttet gehypte Firmen mit Häme und fiesen Fotos. Motto: "Eine harte Wahrheit für das Silicon Valley."

Ted Dziuba fehlt der Respekt. Vor Startup-Gründern wie Kevin Rose zum Beispiel, der mit einem Dateitauschdienst namens Pownce das Web revolutionieren will. Dziuba kommentiert die Idee in seinem Ätz-Blog " Uncov ": "Man darf nur Dateien hochladen, die kleiner als zehn Megabyte sind. Das ist so nützlich wie ein Tumor."

Und überhaupt seien Dateitauschdienste  im Web unnütz, solange es sich dabei nicht um "A. urheberrechtlich geschütztes Material, B. Pornografie oder C. beides" handelt. So fies Blogger Dziuba schreibt, so sehr trifft seine Analyse auch. Pownce ist auch in dem Jahr, das seit Dzibas Analyse vergangen ist, nicht wesentlich erfolgreicher geworden.

"Katastrophales Versagen"

Genauso wie Wikia, die anfangs so gehypte Suchmaschine von Wikipedia-Mitgründer Jimmy Wales . Gegen dieses Projekt ätzte Dziuba in seinem Blog, als noch viele jubelten: "Jeder kann im Internet Anleitungen finden, wie man versagt. Aber für ein katastrophales Versagen braucht man angereichertes Misslingen, ein Team von Wissenschaftlern und Maschinen und solches Zeug."

Warum aus Wikia nichts werden kann, wusste Dziuba schon Anfang dieses Jahres und analysierte es pointiert: "Also, jemand baut eine Open-Source-Suchmachine, benutzt Software mit allgemein verfügbaren Ranking-Algorithmen und lässt dann noch anonyme Nutzer die Ergebnisseiten bearbeiten. Was könnte da wohl schiefgehen?"

Dziuba hat es schon immer gewusst oder zumindest vollmundig beschrieben: Die meisten Ideen der mit Investment-Millionen ausgestatten Startups im Silicon Valley taugen nichts. Das schrieb er vom April 2007 bis Anfang 2008 wieder und wieder auf, dann nahm er ein paar Monate Auszeit, um sich selbst als IT-Gründer (einer Blogsuchmaschine) zu versuchen. Die Firma ist nicht besonders erfolgreich und Dziuba macht endlich wieder, was er offensichtlich am besten kann: Bissig und amüsant über die Dummheit anderer herziehen.

Lieblingsgegner: Die Konzeptkopierer

Rechtzeitig zur Wirtschaftskrise ist der ätzende Ton der "Uncov"-Kommentare wieder da. Vor einer Woche, als die Kurse mal wieder zusammenbrachen, bloggte Dziuba seine " Harte Wahrheit für das Silicon Valley ". Man sei hier ja "etwas isoliert von der Rezession, weil niemand hier schlechte Nachrichten wahrnimmt." Aber: "So angenehm das ist, manchmal müssen auch wir uns mit Leuten abgeben, die in der Realität leben, sie heißen Investoren."

Das Konzept, ein "soziales Netzwerk für die Eichhörnchen im eigenen Garten zu programmieren" sei bei Risikokapitalgebern inzwischen nur noch "die halbe Miete." Die wollten nun auch ein anderes Geschäftsmodell sehen als "eine Menge Traffic einsammeln und von Google gekauft werden".

Solche Konzeptkopien machen Dziuba wütend, da schreibt er schon mal Sätze wie: "Diese Krise ist eine willkommene Reinigung des Internets." Und: "Selbst wenn mein Projekt mit dem ganzen Rest untergeht, wird mich entschädigen, dass ich zugucken kann, wie der ganze Mist im Web untergeht."


"Uncov" an Blogger: "Es genügt, wenn ihr herumgreint"

"Uncov" nimmt alle auseinander. Die Panikmacher kanzelt ein Beitrag mit dem schönen, aber nicht angemessen zu übersetzenden Titel " A Blogger's Guide to Armchair Economics " ab. Bloggern rät Dziuba, man könnte zwei Grundtypen von Beiträgen über die Krise schreiben: "Oh verdammt, wir werden alle sterben" oder "Leute, die immer mehr Geld hatten als ich, haben immer noch mehr." Fieses Fazit des Ätz-Bloggers über andere Weblog-Autoren: "Die Journalisten der Mainstream-Medien werden all die Fakten recherchieren, es genügt, wenn ihr herumgreint."

Gegen die Optimisten teilt ein andere "Uncov"-Beitrag aus. Ätz-Blogger Dziuba nimmt einen Artikel des Programmierers und IT-Gründers Paul Graham auseinander, der für Zuversicht warb, schließlich seien doch Apple und Microsoft auch zu Krisenzeiten gegründet worden. Der "Uncov"-Kommentar: "Paul Graham hält es für eine gute Idee, in einer Rezession eine Firma zu gründen. Wie üblich braucht Graham sehr viel Text, um sehr wenige Ideen auszudrücken."

Deshalb bietet "Uncov" eine eigene 43-Wort-Fassung  des kritisierten Beitrags an. Die letzten Sätze: "Macht euch keine Sorgen, Kapital aufzutreiben. Denn es wird einfach etwas Magisches passieren. Schließlich ist das hier das Silicon Valley."

Solcher Sarkasmus kommt im Silicon Valley in Krisenzeiten offenbar an. Das Klatsch-Blog " Valleywag" jubelt : "Der Abschwung hat seine Höhepunkte. 'Uncov' ist wiederauferstanden."

Drei der ehemals fünf " Valleywag"-Blogger sind vor ein paar Tagen entlassen worden.