Neue Studie AfD-Wähler sind besonders anfällig für Fake News

Gefälschte Wahlplakate, Artikel und Zitate stießen im Bundestagswahlkampf vor allem bei AfD-Anhängern auf fruchtbaren Boden. Das zeigt eine Studie, die dem SPIEGEL vorliegt.
Fake News

Fake News

Foto: Jens Kalaene/ picture alliance / Jens Kalaene/

Sie fielen weniger spektakulär aus als noch im US-Wahlkampf ("Papst unterstützt Trump!") und fanden weniger Verbreitung - doch auch im zurückliegenden Bundestagswahlkampf spielten sogenannte Fake News eine Rolle. Also bewusst irreführende und frei erfundene Nachrichten wie etwa die Meldung, der Vater des SPD-Kandidaten Martin Schulz sei angeblich im KZ Mauthausen für Morde an Juden verantwortlich gewesen.

Für eine neue Studie wurden Wähler nach der Bundestagswahl mit verschiedenen Fake News aus dem Wahlkampf konfrontiert. Ergebnis: AfD-Wähler waren besonders willens, sie für echte Nachrichten zu halten und stuften reale News dafür als Fälschungen ein. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

Die Berliner Denkfabrik "Stiftung Neue Verantwortung" hat in einer repräsentativen Telefonumfrage in den Tagen nach der Wahl mehr als 1000 Bürger mit ausgewählten Falschnachrichten konfrontiert, die im Wahlkampf eine Rolle gespielt hatten und sie nach ihrer Einschätzung gefragt. Das Ergebnis: Bei AfD-Wählern war die Bereitschaft, diesen Fake News zu glauben, mit Abstand am größten. 75 Prozent der befragten Wähler der Rechtspopulisten hielten etwa die Falschmeldung, dass jeder zweite Flüchtling keinen Schulabschluss habe, für wahr. Bei Grünen-Wählern waren es immerhin noch 40 Prozent.

"Geglaubt wird, was ins Weltbild passt"

Die unzutreffende Behauptung, Kirchenfrau Margot Käßmann habe alle Deutsche Nazis genannt, hielt ein Viertel der AfD-Wähler für glaubwürdig - gegenüber nur fünf Prozent der Grünen-Anhänger.

Sämtliche Falschmeldungen zum Thema Migration beurteilten AFD-Wähler der Studie zufolge "viel häufiger als wahr als der Durchschnitt". "Geglaubt wird, was ins Weltbild passt", so das Fazit von Alexander Sängerlaub, der das Fake-News-Projekt der Denkfabrik leitet. "Fake News wirken vor allem dort, wo sie geglaubt werden sollen und wo sie dazu beitragen, die verzerrte Realität zu zeichnen, die politisch gewollt ist."

Foto: Alexander Sängerlaub/ Stiftung Neue Verantwortung

Als einen wesentlichen Faktor für die Bereitschaft, Fake News für bare Münze zu nehmen, benennt die Studie den Medienkonsum. Denn die Forscher fragten neben dem Wahlverhalten auch danach, welche Medien die Befragten im Wahlkampf genutzt hatten. Während insgesamt 63 Prozent der Befragten die Medien für glaubwürdig befand, bezeichneten 70 Prozent der AfD-Wähler sie als wenig glaubwürdig bis unglaubwürdig. Fake News liefen "besonders erfolgreich in all den Kommunikationsräumen, in denen der Journalismus heute in der digitalen Welt nicht mehr hineinreicht", so Sängerlaub.

Auch Grünen-Anhänger fallen auf falsche Nachrichten herein

Als Kontrollfrage konfrontierten die Forscher die Befragten am Telefon auch mit realen Nachrichten - etwa Martin Schulz' Forderung nach einem "Arbeitslosengeld Q" für Erwerbslose, die sich weiterbilden lassen. Das Ergebnis sagt einiges über den SPD-Wahlkampf und ist nicht gerade schmeichelhaft: Sowohl AfD-Wähler als auch Grünen-Anhänger hielten das überwiegend für eine Fake-Nachricht.

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