Agentensuche Geheimdienst rekrutiert bei Facebook

Seit Mitte der Neunziger suchen sich Geheimdienste ihre Bewerber für IT- und Hackerjobs mit Vorliebe im Internet. Der britische Dienst MI6 hat nun auch die Social Networks entdeckt - und rekrutiert bei Facebook.


Es soll einmal eine Zeit gegeben haben, in der CIA-Agenten besonders begabten Studenten in den USA nach ihrem Abschluss lukrative Offerten machten. Seit Mitte der Neunziger stützen sich so gut wie alle Geheimdienste in der Welt bei der Rekrutierung von IT- und Hack-Talenten auf eine weit effizientere Methode: Sie holen die Talente da ab, wo sie sich herumtreiben - im Web.

Dazu gehören Rekrutierungswebseiten und Job-Offerten auf den Webseiten der Geheimdienste. Werbewirksamer sind Aktionen wie Hack-Wettbewerbe ("Knack unsere Seite und bekomme einen Top-Job"), wie sie in vergangenen Jahren unter anderem von Briten, vom israelischen Mossad und vom russischen Geheimdienst veranstaltet wurden. Im vergangenen Jahr fiel die Geheimdienstler vom britischen GCHQ mit Stellenanzeigen auf, die sie in Actionspielen plaziert hatten.

Eine gute Nase für werbewirksames Name-Dropping zeigt nun auch der MI6, bis 1994 (als die britische Regierung erstmals die Existenz des Dienstes offiziell zugab) der geheimste der geheimen Dienste des Vereinigten Königreichs. Der wirbt nun bei Facebook, wo bekanntlich jeder alles über jeden erfahren kann - Geheimdienstwerbung auf der Plattform der organisierten Indiskretion.

Denn auch die Auslandsspionage der Briten setzt seit 2006 auf plakative Werbung statt auf konspirative Anwerbung: Zur aktuellen Kampagne gehörten auch Werbeschaltungen in Zeitungen, Rundfunk und Fernsehen. Dass Facebook nun auch auf dem Radar der Geheimen zu finden ist, reflektiert die zunehmende Wichtigkeit der sozialen Netzwerke, mehr nicht: Man wolle einfach "eine Vielzahl von Kanälen" nutzen, um interessante Bewerber zu erreichen, hieß es aus dem Außenministerium. Facebook sei nur "ein Beispiel dafür".

pat



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