Allianz in China Microsoft verbündet sich mit chinesischer Suchmaschine Baidu

Gemeinsam gegen Google: So könnte man die Partnerschaft beschreiben, die Microsoft und der chinesische Suchmaschinenkonzern Baidu am Montag geschlossen haben. Künftig wollen die Partner auch in China englischsprachige Suchergebnisse ausliefern - die staatlich gefiltert sein könnten.

Suchmaschine Baidu: Bald mit Microsoft inside
REUTERS

Suchmaschine Baidu: Bald mit Microsoft inside


Hamburg - Windows-Gigant Microsoft Chart zeigen und der chinesische Web-Konzern Baidu gehen eine Allianz ein, die Unternehmen haben am Montag eine engere Zusammenarbeit ihrer Internet-Suchmaschinen in der Volksrepublik beschlossen. Wie die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtet, sieht das Abkommen vor, dass Microsoft chinesischen Baidu-Nutzern künftig englischsprachige Ergebnisse seiner Suchmaschine Bing liefert. Der gemeinsame Dienst werde noch in diesem Jahr in Betrieb gehen.

Die Firmen arbeiten bereits seit einigen Jahren zusammen. 2006 hatten die Unternehmen ihre Partnerschaft bekanntgegeben. Seither zeigt der Microsoft auf den chinesischen Versionen seiner Web-Seiten bezahlte Suchergebnisse von Baidu an. Auf einen Konkurrenzkampf von Bing gegen Baidu hat es Microsoft in China nie ernsthaft ankommen lassen - im Gegensatz zu Google.

Googles Chart zeigen Versuche, sich gegen Baidu als Top-Suchmaschine in China durchzusetzen, sind indes gescheitert. Den Marktforschern von Analysys International zufolge ist der Marktanteil der US-Suchmaschine im Boom-Markt China im ersten Quartal 2011 auf 19,2 Prozent gefallen, während Baidus Anteil auf 75,8 Prozent stieg.

Diese Lage könnte sich für Google künftig weiter verschlechtern. Denn auch wenn Baidu in China insgesamt weit vorne liegt, nutzen chinesische Websurfer für englischsprachige Web-Suchen immer noch bevorzugt Google, deren Server das riesige Land seit einiger Zeit von Hongkong aus beliefern. Wenn Suchanfragen in englischer Sprache künftig aber direkt von Baidu aus gestellt und von Bing beantwortet werden können, dürfte es für Google schwer werden, seinen ohnehin geringen Marktanteil weiter zu behaupten.

Microsoft dagegen, erhält durch die intensivierte Kooperation Zugang zu etwa 450 Millionen Internet-Anwendern in einem Markt, der weiterhin hohe Wachstumsraten aufweist. Unklar ist derzeit allerdings noch, wie Microsoft mit den chinesischen Zensurbestimmungen umgehen wird, ob der Konzern seine Suchergebnisse für China womöglich nach Vorgaben der Führung in Peking filtern wird. Streitigkeiten um eben diese Zensurvorgaben hatten 2010 zu Googles Weggang aus Peking und zum Umzug nach Hongkong geführt.

mak



insgesamt 3 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
ecce homo 04.07.2011
1. Keine Unklarheiten
---Zitat--- Microsoft dagegen, erhält durch die intensivierte Kooperation Zugang zu etwa 450 Millionen Internet-Anwendern in einem Markt, der weiterhin hohe Wachstumsraten aufweist. Unklar ist derzeit allerdings noch, wie Microsoft mit den chinesischen Zensurbestimmungen umgehen wird, ob der Konzern seine Suchergebnisse für China womöglich nach Vorgaben der Führung in Peking filtern wird. Streitigkeiten um eben diese Zensurvorgaben hatten 2010 zu Googles Weggang aus Peking und zum Umzug nach Hongkong geführt. ---Zitatende--- Ich sehe da keine Unklarheiten, wenn man so ein wichtiges Thema wie Filter als etwas betrachtet, was man man nach dem eigentlichen Handschlag noch besprechen kann. Das muss einem auch gar nicht wundern, denn Zensur, Filter und Überwachung der Internetnutzer ist ja auch bei uns gesellschaftsfähig geworden. Man wünscht sich den kalten Krieg zurück, als unsere Regierungen die Freiheit für die ideologische Auseinandersetzung noch benötigt hatten.
mwinter 04.07.2011
2. Wider semantische Spitzfindigkeiten
Hoho, es könnte also sein, dass Microsoft "womöglich nach Vorgaben der Führung in Peking filtern wird". Genauso wie Microsoft und jede andere Suchmaschine in Deutschland die Suchergebnisse "gemäß den Vorgaben der Führung in Berlin filtert"? Und zwar nicht "womöglich", sondern ganz sicher. Und nicht zu knapp. Ganz auf Grundlage der geltenden Gesetze, wie in jedem Land. Sicher nicht quantitativ auf dem gleichen Level, aber hierzulande muss die Regierung auch nicht die Stabilität von einer Gesellschaft von mehr als 1 Milliarde nicht besonders gebildeter Menschen gewährleisten. Wie dem auch sei: entweder man ist generell gegen Zensur, und dann sollte die deutsche Zensur genauso am Pranger stehen wie die chinesische, oder man akzeptiert es halt in beiden Fällen. Alles andere ist nur langweiliges China-Bashing. Ach übrigens: sollte dieser Artikel nicht erscheinen, ist er "womöglich gemäß den Vorgaben der Führung von Spiegel Online gefiltert worden" ;)
nojoe 04.07.2011
3. Ungeheuerlich
Es ist ungeheuerlich, dass Microsoft so tief sinkt, um endlich als Internetdiensleister wirklich Fuß zu fassen. @mwinter: Die Zensur in Deutschland nennt sich politische Korrektheit.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.