General a.D. Keith Alexander Amazon beruft Ex-NSA-Chef in die Unternehmensleitung

Amazon holt sich einen Überwachungsexperten in die Chefetage. Der frühere Chef des Geheimdienstes National Security Agency wurde durch die Snowden-Enthüllungen berühmt.
Keith Alexander in seiner Funktion als NSA-Chef bei einer Senatsanhörung im Oktober 2013

Keith Alexander in seiner Funktion als NSA-Chef bei einer Senatsanhörung im Oktober 2013

Foto: AP/dpa

Mit einem schlichten 8K-Filing, einer Pflichtmitteilung an die amerikanische Börsenaufsicht SEC, hat Amazon eine bemerkenswerte Personalie bekannt gemacht . Der Verwaltungsrat (engl. Board of Directors) habe den General a.D. Keith Alexander zum Direktor ernannt und in seinen Prüfungsausschuss berufen, ihn also zum Mitglied der Unternehmensleitung  gemacht.

Alexander hatte im Rahmen der Snowden-Enthüllungen eine gewisse Berühmtheit erlangt. Der Whistleblower Edward Snowden hatte 2013 umfangreiche Geheimdokumente publik gemacht, die zeigten, wie die National Security Agency (NSA), deren Direktor Alexander von 2005 bis 2014 war, umfangreiche geheime Überwachungsprogramme entwickelt und genutzt hat, wie zum Beispiel das Datensammlungs- und Analyseprogramm "XKeyScore".

Mit seiner Mischung aus Leutseligkeit, Dreistigkeit und Hartleibigkeit wurde Alexander damals zum Gesicht der NSA in der Affäre - und vermittelte stets das Gefühl, er wisse noch viel mehr über die dunklen Geheimnisse des Netzes, als er je verraten könne. Verfehlungen wollte er indes nie eingestehen. Nichts, was die NSA getan habe, sei "illegal oder unprofessionell", versicherte er stets. Der Dienst vertrete nur die Interessen Amerikas: "Meine Mission ist, unser Land zu verteidigen."

Im Jahr 2014 schließlich endete Keith Alexanders Dienstzeit. Doch statt sich zur Ruhe zu setzen, gründete er wenig später die Firma IronNet Cybersecurity. Dort setzte er dazu an, seinen Ruf als intimer Experte für NSA-Geheimoperationen in bare Münze umzuwandeln. Informationen von Bloomberg zufolge forderte IronNet von Kunden vor allem im Finanzsektor Monatssätze von bis zu einer Million Dollar, für Beratungsdienste zum Schutz vor Hackern und Cyberangriffen.

Dass er bereit ist, auch der Presse gegenüber mit harten Bandagen zu kämpfen, unterstrich Alexander 2013 in einem Interview zu den Snowden-Enthüllungen. "The Verge " erklärte er damals, er halte es für falsch, "dass Zeitungsreporter all diese Dokumente haben", und ergänzte: "Wir sollten einen Weg finden, das zu stoppen. Ich weiß nicht, wie wir das machen sollen. Das liegt eher an den Gerichten und den politischen Entscheidungsträgern, aber aus meiner Sicht ist es falsch, so weiterzumachen."

US-Medien spekulieren, die Berufung des Ex-Geheimdienstlers könnte für Amazon hilfreich sein, wenn es darum geht, lukrative öffentliche Aufträge an Land zu ziehen. So hatte das Unternehmen Anfang 2020 einen milliardenschweren Cloud-Computing-Auftrag des US-Verteidigungsministeriums an Microsoft verloren.

Amazon stellte dazu auf Anfrage von "Techcrunch " klar: "Es gibt strenge Regeln für Interessenkonflikte bei Regierungsaufträgen, die wir auch weiterhin befolgen werden."

mak