Manipulierte Suchergebnisse Ex-Amazon-Mitarbeiter zu zehn Monaten Haft verurteilt

Eine Bande soll Amazon-Mitarbeiter bestochen, geheime Daten ausgenutzt und ihren Kunden so einen immensen Wettbewerbsvorteil verschafft haben. Nun wurde der Erste von ihnen verurteilt. Er war selbst Amazon-Mitarbeiter.
Amazon-Paket: 100 Millionen Dollar Wettbewerbsvorteil

Amazon-Paket: 100 Millionen Dollar Wettbewerbsvorteil

Foto: Rick Wilking / REUTERS

Ein ehemaliger Mitarbeiter des Onlinehändlers Amazon ist zu zehn Monaten Haft verurteilt worden. Der 28-jährige Rohit Kadimisetty soll sein Insiderwissen über die Funktionsweise des Versandhändlers genutzt haben, um Suchergebnisse auf Amazons Marketplace zu manipulieren. Außerdem soll er andere Mitarbeiter mit bis zu 100.000 Dollar bestochen haben. Es ist das erste Urteil in der Anklage gegen insgesamt sechs Berater in den USA und in Indien.

Auf Amazons Marketplace können Dritthändler Produkte anbieten. Wie weit oben ein angebotenes Produkt in den Suchergebnissen einer Kategorie landet, kann entscheidend für den Erfolg des Produktes sein. Kadimisetty agierte als Teil einer Bande, die Händlern auf dem Marketplace halfen, ihre Produkte zu platzieren.

100 Millionen Dollar Wettbewerbsvorteil

Dazu soll die Bande geheime Daten genutzt haben, an die er durch seine frühere Arbeit und durch Bestechung gelangt sein soll, etwa vertrauliche Informationen über Amazons Suchalgorithmen. Außerdem sollen die Angeklagten Amazon-Angestellte in Indien bestochen haben, um zuvor geschlossene Accounts wieder zu aktivieren, Gebühren zu umgehen, gefälschte Erstattungsanträge durchzuwinken und konkurrierende Händler zu behindern. Den Wettbewerbsvorteil, den sich die betroffenen Händler damit verschafft haben sollen, schätzt das Justizministerium auf 100 Millionen Dollar.

Kadimisetty selbst, heißt es vom US-Justizministerium, soll dabei ein Mittelsmann gewesen sein und zwischen Dritthändlern und bestochenen Amazon-Mitarbeitern verhandelt haben. Staatsanwalt Nick Brown nannte ihn ein »entscheidendes Rad in der Bestechungsmaschinerie«. Seine Rolle soll Kadimisetty bis 2018 erfüllt haben, nachdem Amazon in Indien eine Reihe seiner Kontakte entlassen hatte, soll auch er sich aus dem Geschäft zurückgezogen haben.

Der Angeklagte hatte sich vor Gericht schuldig bekannt. Er soll eine Haftstrafe von zehn Monaten absolvieren, dazu 50.000 Dollar Strafe zahlen. Weitere drei Jahre Haft wurden zur Bewährung ausgesetzt. Der Prozess gegen die vier weiteren Angeklagten soll im Oktober beginnen. Eine weitere angeklagte Person befindet sich zurzeit in Indien, die Anklage gegen den Mann wurde noch nicht verlesen.

Von einer Amazon-Sprecherin heißt es, man habe »Systeme eingerichtet, um verdächtige Verhaltensweisen zu erkennen. Bei Amazon gibt es keine Toleranz für Betrug und wir werden weiterhin alle Maßnahmen ergreifen, um unseren Store zu schützen und missbräuchlich handelnde Akteure zur Verantwortung zu ziehen.«

Anmerkung der Redaktion: Die Meldung wurde um ein Statement von Amazon ergänzt.

jlk

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