Amazon-Hauptquartier Hundekuchen am Empfang und Schreibtische aus dem Baumarkt

Mittwoch will Amazon sein erstes Smartphone vorstellen. Dass darüber bisher kaum etwas bekannt ist, hat mit den strengen Sicherheitsvorkehrungen im Hauptquartier zu tun. Wir haben uns die Zentrale des Weltkonzerns von innen angesehen.

Matthias Kremp

Aus Seattle berichtet


Als ich bei der Grenzkontrolle auf dem Flughafen von Seattle mein Journalistenvisum vorzeige, fragt der Immigration Officer nur: "Microsoft oder Amazon?" Ihm ist klar, dass Pressevertreter nur selten der schönen Landschaft wegen in die Stadt kommen. Die beiden Unternehmen sind es, die Journalisten hierherlocken. Viel seltener, so erklärt er mir, wolle jemand den dritten Konzern besuchen, der von Seattle aus in die Welt aufbrach: die Kaffeehauskette Starbucks.

Doch von den drei Firmen hat keine die Stadt so geprägt wie jene, die Jeff Bezos 1994 in seiner Garage gründete. Rund 15.000 der weltweit gut 120.000 Amazon-Angestellten arbeiten derzeit im Hauptquartier in Seattle. Viele davon sind gut bezahlte Spezialisten.

Und der Konzern will seine Firmenzentrale noch ausbauen. 2013 kündigte das Unternehmen drei spektakuläre Hochhausneubauten mitten in Seattle an, gruppiert um riesige Gewächshäuser. Die Bauarbeiten haben bereits begonnen. Wenn sie fertig sind, sollen 30.000 Menschen in der Amazon-Zentrale arbeiten, das wären fünf Prozent der Stadtbevölkerung.

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Amazon-Neubauprojekt: Arbeiten in der Glaskugel
Das aufwendige Neubauprojekt mit den futuristischen Gewächshauskuppeln wird auch dafür sorgen, dass man von Weitem erkennt, welches Unternehmen da am Rand von Downtown-Seattle residiert. Derzeit gibt es kaum Hinweise darauf, wo sich Amazons Hauptquartier befindet, wenn man dessen Bürohaus-Ensemble südlich der Mercer Street betritt.

Bis vor wenigen Jahren war die Gegend eine heruntergekommene Industriebrache. Dann investierte Microsoft-Milliardär Paul Allen und baute den vergessenen Stadtteil auch für Amazon zur Bürostadt um. Doch weder ein großes Firmenlogo noch ein Türschild gibt einen Hinweis darauf, wer hier arbeitet. Man muss es eben wissen.

Hundekuchen am Empfang

So unspektakulär wie außen geht es in den Büros zu. An den Decken verlaufen frei hängende Strom- und Netzwerkkabel, Wasserleitungen und Lüftungsrohre. Auffällig viele Hunde treiben sich in den Büros und auf den Gängen herum, so wie auch in manchen Firmen im Silicon Valley. Der Grund: Angeblich sorgen die Vierbeiner für bessere Stimmung, verringern den Stress und steigern die Produktivität. Eines der Gebäude wurde sogar nach Rufus benannt, dem ersten Hund, der sich in Amazons Büros tummelte. Heute steht an der Rezeption des Hauptquartiers ein großes Glas mit Hundekuchen.

Die Schreibtische wirken roh. Sie stammen nicht aus dem Katalog eines Büroausstatters, sondern sollen an die beiden Tische erinnern, die Jeff Bezos für das erste Amazon-Büro aus Türrohlingen zimmerte. Der spartanische Look ist kein Zufall. Er soll den Eindruck vermitteln, Amazon sei immer noch jenes Start-up aus den Neunzigern, dessen Pläne für einen Bücher-Onlinevertrieb anfangs noch belächelt wurden.

Unbegleitet kommt man nicht hinein

Doch dieser Eindruck verschwindet eigentlich schon, wenn man das Gebäude betritt. Elektronische Einlasssysteme und Wachpersonal lassen niemanden ein, der sich vorher nicht angemeldet und vor Ort ausgewiesen hat. Und selbst dann darf man keinen Schritt ohne Begleitperson machen. Um meinen Besucherstatus allen Mitarbeitern gegenüber deutlich zu machen, werden mir zwei Plastikkarten an die Jacke gehängt. Nur mit ihnen darf ich rein. Sie sorgen aber auch dafür, dass ich nicht überall hineinschauen kann, mancher Flur bleibt mir verschlossen. Amazon ist ein verschwiegenes Unternehmen.

Doch der Aufwand scheint sich zu lohnen. Während Firmen wie Samsung und Apple stets mit einer Flut von Datenlecks zu kämpfen haben, wenn sie ein neues Gerät vorstellen, hat die Geheimhaltung über das neue Smartphone, das Amazon Mittwoch präsentieren will, vergleichsweise gut geklappt. Zwar kursieren angebliche Fotos, Angaben über technische Daten und Spekulationen über besondere Funktionen, doch gesichert ist all das noch nicht. Gewissheit, was es mit dem wahrscheinlich Fire Phone genannten Gerät wirklich auf sich hat, wird erst Amazons Veranstaltung am 18. Juni bringen. Wir werden berichten.



insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
Me83 18.06.2014
1. Seattle
Was dem Autor allerdings völlig durch die Lappen gegangen ist: Vor allen genannten Unternehmen war es die Firma Boeing, die in Seattle ihren Firmensitz eingerichtet hat.
compiler 18.06.2014
2.
Zitat von Me83Was dem Autor allerdings völlig durch die Lappen gegangen ist: Vor allen genannten Unternehmen war es die Firma Boeing, die in Seattle ihren Firmensitz eingerichtet hat.
Was diesem Autor durch die Lappen gegangen ist: Boeing hat seinen Firmensitz in Chicago, Illinois.
Eisenmann 18.06.2014
3. Boeing
Was erwarten Sie denn? Soll sich ein Autor, der über hippe Internetkonzerne schreibt, etwa über die langweilige Industrie des 20. Jahrhunderts schlau machen? Wir sind hier immer noch bei SPON - da wird gründliche recherche eben klein geschrieben :)
Matthias Kremp (SPON-Redakteur) 18.06.2014
4. Boeing?
Ganz ehrlich: Nichts wäre mir lieber gewesen, als auch noch das Boeing-Werk in Everett zu besuchen, das man beim Landeanflug auf Seattle Tacoma sieht. Aber dafür wäre keine Zeit gewesen. Und im Rahmen der Geschichte gab es keinen Anlass, auf den Flugzeugkonzern einzugehen, weil der zitierte Immigration Officer auch nicht davon gespriochen hat.
leopold.walzer 18.06.2014
5. Und wo....
Und wo ist der Rest vom Artikel, das kann doch gerade einmal der Anfang sein. Wegen dieser drei Sätze ist er zu Amazon gereist? Das ist sehr, sehr dürftig!
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