Preistrick Amazon hebelt französisches Gratisversand-Verbot aus

Per Gesetz wollte Frankreichs Regierung den stationären Buchhandel vor Amazon schützen. Doch der Internet-Händler wehrt sich mit einer Finte gegen das Verbot, preisreduzierte Bücher kostenlos zu verschicken.
Amazon-Sendung: "Strategie des Dumpings"

Amazon-Sendung: "Strategie des Dumpings"

Foto: MICHAELA REHLE/ REUTERS

Wie das französische Auslandsfernsehen "France 24" auf seiner Website berichtet , umgeht Amazon das am 8. Juli in Kraft getretene Verbot, rabattierte Bücher kostenlos zu verschicken, mit einem Versandkosten-Trick. Auf einer eigens zum neuen Gesetz eingerichteten FAQ-Seite schreibt Amazon : Ab sofort kostet der Versand nur noch 1 Cent pro Bestellung, Prime-Mitglieder, die einen Jahresbeitrag zahlen, sind davon weiterhin ausgenommen.

Das neue Gesetz sieht vor , dass Bücherhändler nur Rabatte bis maximal fünf Prozent auf die von den Verlagen festgelegten Preise geben dürfen. Rabattiert werden dürfe nur mehr der Versand - der aber stets kostenpflichtig sein müsse. Amazon kritisierte den Gesetzestext als "diskriminierend" und schädlich für die Kaufkraft der Franzosen.

Die französische Regierung wirft insbesondere Amazon Dumping vor, weil der Online-Händler die zulässigen Rabatte von fünf Prozent auf die durch die Buchpreisbindung festgelegten Preise mit einem kostenlosen Versand kombinierte. Traditionelle Buchläden sahen das als unlauteren Wettbewerb an.

Frankreichs Kulturministerin Aurélie Filippetti warf Amazon vor, französische Buchläden mit einer "Strategie des Dumpings" ausschalten zu wollen. "Wenn sie einmal in einer dominanten Position sind und unser Netz von Buchläden zermalmt haben, können Sie wetten, dass sie die Versandkosten erhöhen werden." In Frankreich gibt es rund 3500 Buchläden, von denen zwischen 600 und 800 keiner Kette angehören.

Filippetti hatte Amazon bereits zuvor wiederholt attackiert - nicht nur wegen des kostenlosen Versands von Büchern, sondern auch wegen der Steuervermeidungstricks, die der Konzern in Europa anwendet. Das Unternehmen zahlt in Frankreich und anderen Ländern kaum Steuern, weil es seinen europäischen Sitz in Luxemburg hat.

fko / mit Material von AFP
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