Spaßrezensionen auf Amazon "Der Klettverschluss im Popobereich sollte nicht allzu fest angezogen werden"

Das Lustigste bei Amazon sind oft die Nutzerbewertungen. Unser Autor hat ein ganzes Buch darüber geschrieben. Hier verrät er, wer die Quatschtexte schreibt - und stellt zehn besonders lustige Rezensionen vor.

Von


Bewertungen bei Online-Portalen wie Amazon sollen Kunden eigentlich dabei helfen, die richtige Kaufentscheidung zu treffen. Manchmal läuft es aber auch ganz anders. Wenn verrückte Produkte wie tonnenschwere Fräsmaschinen, Uranerz aus der Dose und Bananenschneider angeboten werden, hagelt es schnell auch scherzhafte Bewertungen. Es geht dann nicht mehr darum, das Produkt sinnvoll zu bewerten, sondern einen guten Gag zu landen.

Einer unter unzähligen Spaßrezensenten ist T. Estimonialis. Der Verwaltungsbeamte aus Niedersachsen, der seinen echten Namen für sich behalten möchte, hat bereits mehr als 300 lustige Kommentare bei Amazon verfasst.

Angefangen hat alles mit einem Beitrag zu Warnwesten für Hühner. Anstatt sich zu fragen, wer ernsthaft seinen Tieren solche Kleidungsstücke überstreifen würde, schreibt T. Estimonialis in seiner Rezension: "Die Passform der Weste ist grundsätzlich gut, allerdings erwähnten einige etwas mollige Hühner auf Nachfrage ein gewisses Spannen der Weste unter den Flügeln und im Brustbereich." Und: "Der Klettverschluss im Popobereich sollte nicht allzu fest angezogen werden."

Wirklich ausprobiert hat er die Weste nie, der Text ist kein echter Erfahrungsbericht. Dennoch haben andere Kunden seinen Kommentar dazu häufiger die anderen Rezensionen als "hilfreich" gekennzeichnet. Der Grund: Die Leser finden die Bewertung wohl einfach witzig.

Unterhaltung statt Aufklärung

Genau das will T. Estimonialis erreichen, seine Beiträge sollen unterhalten. Bei der Warnweste habe er sich regelrecht dazu aufgefordert gefühlt. "Vor allem deshalb, weil der Anbieter auch noch Omlet heißt."

Bei komischen Produkten wie riesigen Schaukelpferden oder einem Zehenring, der beim Abnehmen helfen soll, könne er sich einfach nicht zurückhalten, erzählt T. Estimonialis. Dann müsse er das Produkt mit einem ironischen Kommentar bewerten. Oft schreibt er Bewertungen aber auch nur, weil ihm gerade langweilig ist. Um den Herstellern nicht zu schaden, bewertet er die Produkte niemals mit nur einem Stern, sagt er, sondern vergibt in der Regel fünf Sterne.

Unsere Fotostrecke gibt einen Einblick in die Welt der Spaßbewertungen. Die ausgewählten Beispiele stammen aus einem neuen Buch über lustige Produktbewertungen, "Nach dem Pfefferspray war das Steak ungenießbar", das der Autor dieses Beitrags geschrieben hat.

Nicht immer ist sofort erkennbar, warum schlagartig Spaßkommentare unter einem Amazon-Produkt auftauchen - wie bei der Tuscan-Vollmilch in der Plastikflasche. Doch auch hier gibt es eine Erklärung: Im Jahr 2006 hatte die Meme-Maschine "You're the Man Now, Dog" für einen Ansturm auf die Amazon-Seite gesorgt. Knapp 2000 Spaßkommentare haben die Nutzer seither bei Amazon hinterlassen, nachdem sie auf einer Website (Achtung, Musik!) zum Song "No Milk today" dazu aufgerufen wurden, lustige Kommentare abzugeben.

Lobeshymnen auf die Milch erscheinen nach wie vor von Zeit zu Zeit. Bei Amazon steht daher beispielsweise, dass Kinder bereits mit fünf Jahren ihren Doktortitel machen, wenn sie in einer Wanne voller Tuscan-Milch geboren wurden. Ein anderer Nutzer schreibt, nachdem er die Flasche geöffnet habe, habe es "eine Explosion aus Regenbogen und Kätzchen" gegeben.

Preisabfragezeitpunkt:
13.12.2019, 16:14 Uhr
Ohne Gewähr

ANZEIGE

Breithut
»Nach dem Pfefferspray war das Steak ungenießbar!«

Verlag:
Ullstein Taschenbuch
Seiten:
224
Preis:
10,00 €

Liebesbeziehung zu einem Grill

Christian Brandes hat sich derweil lieber einem eher gewöhnlichen Gegenstand gewidmet: einem Barbecue-Grill. Der Comedy-Autor betreibt mit "Schlecky Silberstein" eine Fundgrube für witzige Videos und Bilder aus dem Internet, die grundsätzlich mit ein paar flotten Sprüchen garniert werden. Meist sind das kurze, prägnante Sätze. Mit seiner Grillbesprechung "Wie der AEG520015 mein Leben veränderte" hat Brandes 2012 aber eine der ausführlichsten Amazon-Bewertungen überhaupt verfasst.

Sein Beitrag umfasst normal ausgedruckt knapp zwei DIN-A4-Seiten. Der Kommentar handelt von einer erotischen Liebesbeziehung zu einem Grill, den Brandes nie wirklich ausprobiert hat. Mehr als 5000 Amazon-Kunden haben seine Rezension bereits als hilfreich bewertet, Studenten haben sogar einen Film darüber gedreht. "Es ist zu einer literarischen Kunstform geworden, Rezensionen zu Amazon-Produkten zu verfassen, die man gar nicht besitzt", sagt Brandes.

Seine Idee sei zunächst gewesen, ein Buch unter dem Pseudonym Karsten zu schreiben, der durchs Internet zieht und verrückte Rezensionen mit einer poetischen Ader hinterlässt. Dann aber sei Brandes das Projekt zu aufwändig geworden und er habe es bei einer Rezension belassen.


Sie wollen noch mehr lustige Bewertungen lesen? In dieser Fotostrecke aus unserem Archiv finden Sie weitere Web-Highlights:

Hintergrund: Produkttests im Netzwelt-Ressort
Über welche Produkte wird im Ressort Netzwelt berichtet?
Über welche Produkte wir in der Netzwelt berichten und welche wir testen oder nicht, entscheiden wir selbst. Für keinen der Testberichte bekommen wir Geld oder andere Gegenleistungen vom Hersteller. Es kann aus verschiedenen Gründen vorkommen, dass wir über Produkte nicht berichten, obwohl uns entsprechende Testprodukte vorliegen.
Woher kommen die Testprodukte?
Testgeräte und Rezensionsexemplare von Spielen bekommen wir in der Regel kostenlos für einen bestimmten Zeitraum vom Hersteller zur Verfügung gestellt, zum Teil auch vor der offiziellen Veröffentlichung. So können unsere Testberichte rechtzeitig oder zeitnah zur Veröffentlichung des Produkts erscheinen.

Vorabversionen oder Geräte aus Vorserienproduktionen testen wir nur in Sonderfällen. In der Regel warten wir ab, bis wir Testgeräte oder Spielversionen bekommen können, die mit den Verkaufsversionen identisch sind. In einigen Fällen kaufen wir Produkte auch auf eigene Kosten selbst, wenn sie bereits im Handel oder online verfügbar sind.
Dürfen die Netzwelt-Redakteure die Produkte behalten?
In der Regel werden Testgeräte nach dem Ende des Tests an die Hersteller zurückgeschickt. Die Ausnahme sind Rezensionsexemplare von Spielen und sogenannte Dauerleihgaben: So haben wir zum Beispiel Spielekonsolen und Smartphones in der Redaktion, die wir über längere Zeit nutzen dürfen. So können wir beispielsweise über Softwareupdates, neues Zubehör und neue Spiele berichten oder Langzeiturteile fällen.
Lassen sich die Netzwelt-Redakteure von Firmen auf Reisen einladen?
Die Kosten für Reisen zu Veranstaltungen, egal ob sie in Deutschland oder im Ausland stattfinden, trägt SPIEGEL ONLINE stets selbst. Das gilt auch dann, wenn beispielsweise aufgrund kurzfristiger Termine ein Unternehmen die Reiseplanung übernimmt.

Veranstaltungen, zu denen wir auf eigene Kosten reisen, sind unter anderem die Messen Ifa, CES, E3 und Gamescom sowie Events von Firmen wie Apple, Google, Microsoft oder Nintendo. Auf Konferenzen wie dem Chaos Communication Congress oder der re:publica bekommen wir in der Regel, wie auch andere Pressevertreter, kostenlose Pressetickets, da wir über die Konferenz berichten und keine klassischen Teilnehmer sind.
Was hat es mit den Amazon-Anzeigen in manchen Artikeln auf sich?
Seit Dezember 2016 finden sich in einigen Netzwelt-Artikeln Amazon-Anzeigen, die sogenannte Partner-Links enthalten. Besucht ein Nutzer über einen solchen Link Amazon und kauft dort online ein, wird SPIEGEL ONLINE in Form einer Provision an den Umsätzen beteiligt. Die Anzeigen tauchen in Artikeln unabhängig davon auf, ob ein Produkttest positiv oder negativ ausfällt.
Mehr zum Thema


insgesamt 6 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
dr.asmo 17.11.2017
1. Reine Spaßrezensionen - nein danke!
Naja, habe schon besser gelacht. Reine Spaßrezensionen haben meiner Meinung nach nichts in einem "seriösen" Bewertungsportal zu suchen, da die Punkte ja in die Gesamtbewertung einfließen. Aber da Amazon scheinbar sowieso nicht kontrolliert wer was wo schreibt, muss man wohl damit leben. Feine Ironie in einer ansonsten ehrlichen Bewertung - das jedoch gerne! Mir reichen allerdings schon die zahllosen unfreiwillig komischen Rezensionen von weniger sprach- und rechtschreibbegabten Zeitgenossen - die sind dann tatsächlich oft wirklich witzig. Oder Rezensionen a la "ich muss hier soviel schreiben - BLABLABLA", weil ja eine Mindestanzahl Zeichen gefordert wird.
pelzfisch 17.11.2017
2. Bisschen Spaß muss ein...
Wer lesen kann, sollte in der Lage sein, Spaß- von Realrezensionen unterscheiden zu können. Und wenn ich zwischen den diversen Bewertungen eine Spaßrezension entdecke, erfreue ich mich daran, wie z.B. bei dieser hier: https://www.amazon.de/gp/customer-reviews/R1FMXXCLAJNXOU/ref=cm_cr_getr_d_rvw_ttl?ie=UTF8&ASIN=B01MDTRS52 Das Leben ist doch ernst genug, da sollte man auch mal Spaß haben können - vor allem dann, wenn man gerade nicht damit rechnet.
Little_Nemo 17.11.2017
3. Werturteile ohne Wert und ohne Werte
Zitat von dr.asmoNaja, habe schon besser gelacht. Reine Spaßrezensionen haben meiner Meinung nach nichts in einem "seriösen" Bewertungsportal zu suchen, da die Punkte ja in die Gesamtbewertung einfließen. Aber da Amazon scheinbar sowieso nicht kontrolliert wer was wo schreibt, muss man wohl damit leben. Feine Ironie in einer ansonsten ehrlichen Bewertung - das jedoch gerne! Mir reichen allerdings schon die zahllosen unfreiwillig komischen Rezensionen von weniger sprach- und rechtschreibbegabten Zeitgenossen - die sind dann tatsächlich oft wirklich witzig. Oder Rezensionen a la "ich muss hier soviel schreiben - BLABLABLA", weil ja eine Mindestanzahl Zeichen gefordert wird.
Angesichts der Tatsache, dass es schon seit längerem Agenturen gibt, bei denen man für wenig Geld positive und auch negative Rezensionen und Klicks kaufen kann, wovon auch ausgiebig Gebrauch gemacht wird, kann von "seriösen" Bewertungsportalen ohnehin kaum die Rede sein. Und dass Amazon mit seinem Wine-Programm Anreize für Rezensenten setzt und damit einen maßlosen Konkurrenzkampf unter den Rezensenten auf seinen Seiten befeuert, die sich gegenseitig mit allen nur erdenklichen schmutzigen Mitteln bekämpfen und in Grund und Boden klicken um selbst in den Genuss der verlockenden Goodies zu kommen, wohl eher auch nicht. Da halte ich die Spaß-Rezensionen unterm Strich schon für die interessanteren.
pommestommes 17.11.2017
4. Zweifelhaft
Der Wahrheitsgehalt der meisten "Bewertungen" auf diesem und auch anderen Verkaufsportalen darf ja wohl in Frage gestellt werden. Wenn schon Suchmaschinenrankings gekauft werden können, dann ist das kaufen von 5-Sterne Bewertungen ja auch kein grosses Ding.
ableiter 17.11.2017
5.
Tragische Schreibblockade, wenn tatsächlich jemand diese Witze in ein Buch abschreiben muss. Und trotzdem kommen die gesammelten Zitate an die Qualität eines Ken M. bei Weitem nicht heran.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2017
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.