Medienbericht Amazon will in Mitarbeiter-App wohl Worte wie »Gehaltserhöhung« sperren

Amazon arbeitet offenbar an einer Social-Media-App für die Belegschaft. Sie soll Angestellte mit einem »spielerischen Belohnungssystem« zufriedener machen. Doch bestimmte Begriffe sind einem Bericht zufolge tabu.
Amazon-Mitarbeitende in einer Logistikhalle bei Gera

Amazon-Mitarbeitende in einer Logistikhalle bei Gera

Foto: Bodo Schackow / dpa

Der US-Konzern Amazon arbeitet an einer Social-Media-App für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, in der offenbar bestimmte Worte überwacht und blockiert werden sollen, berichtet das Investigativportal »The Intercept« . Aus internen Dokumenten gehe hervor, dass in dem geplanten Belegschaftsnetzwerk englische Wörter für Begriffe wie »Gewerkschaft«, »Gehaltserhöhung«, »ungerecht« oder auch »Sklavenarbeit« automatisch gesperrt werden sollen, heißt es in dem Bericht.

Demnach sollen sich Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die App sogenannte Shout-outs geben können, um ihre Anerkennung für gute Leistungen von Kolleginnen und Kollegen auszudrücken. So solle das soziale Netzwerk eine Art »spielerisches Belohnungssystem« etablieren, über das Mitarbeitende virtuelle Sterne und Abzeichen erhalten könnten, wenn ihre Arbeit den »Geschäftswert erhöht«.

Dem »Intercept«-Bericht zufolge haben führende Amazon-Manager Pläne für eine solche App bei einem Meeting im November 2021 besprochen. Dave Clark, globaler Chef für das Konsumgütergeschäft, soll auf dem Treffen gesagt haben, das Ziel sei es, den Verschleiß an Arbeitskräften zu reduzieren und die Zufriedenheit und Produktivität der Belegschaft zu steigern.

Die App soll laut dem Bericht noch im April eingeführt werden. Amazon bestätigte, dass der Konzern grundsätzlich an einem solchen Programm arbeite. Die Pläne seien aber noch nicht genehmigt und könnten sich noch signifikant ändern, oder das Programm werde möglicherweise nie eingeführt, teilte eine Amazon-Sprecherin mit. Unklar blieb zunächst, ob Amazon die Einführung der App auch für Deutschland plant.

Die Liste der gesperrten Wörter, über die »The Intercept« berichtet, enthält nur englische Begriffe. Darunter auch die englischsprachigen Wörter und Ausdrücke für »Belästigung«, »Ist mir egal« oder »Müll«. Von Amazon hieß es zu der Liste, dass für »viele der Wörter« keine Sperrung geplant sei. Die einzigen Begriffe, die möglicherweise blockiert würden, wären solche, die beleidigend sein könnten.

Amazon steht schon länger wegen der Missachtung von Arbeitnehmerrechten in der Kritik. Der Konzern versucht die Gründung von Gewerkschaften in den USA mit erheblichen finanziellen Mitteln zu verhindern. Anfang April stimmten Amazon-Mitarbeitende in New York dennoch mehrheitlich für die Gründung einer Arbeitnehmervertretung.

Anmerkung der Redaktion: Eine Amazon-Sprecherin teilte inzwischen mit, dass es auch denkbar sei, dass das Programm gar nicht eingeführt wird. Wir haben den Text entsprechend ergänzt.

hpp
Mehr lesen über