Millionen-Entschädigung US-Militär nutzte jahrelang raubkopierte Software

Das amerikanische Heer hat eine Software für 150 Geräte bezahlt - sie aber auf Tausenden Computern installiert. Und zwar ausgerechnet zu der Zeit, in der die US-Regierung ihren erbitterten Kampf gegen Urheberrechtsverletzungen aufgenommen hat.
US-Soldat am Laptop: Unerlaubte Raubkopien auf "Tausenden Geräten"

US-Soldat am Laptop: Unerlaubte Raubkopien auf "Tausenden Geräten"

Foto: DANISH SIDDIQUI/ REUTERS

Die US-Regierung macht sich für den Urheberschutz und die Bekämpfung von Raubkopien stark. Doch die Armee hat über Jahre hinweg unerlaubt Logistik-Software des Anbieters Apptricity genutzt. Die Herstellerfirma verklagte die US-Regierung auf 224 Millionen Dollar Schadensersatz .

Offenbar sahen die Regierungsanwälte wenig Aussicht auf Erfolg, also einigten sie sich mit dem Kläger. Wie "TorrentFreak" berichtet , erklärte sich die Regierung zur Zahlung einer Entschädigung von 50 Millionen Dollar bereit.

Die Zusammenarbeit des Software-Anbieters mit dem Militär geht bis ins Jahr 2004 zurück. Damals schlossen beide Parteien einen Vertrag zur Lizenzierung von Logistikprogrammen. Mit deren Hilfe sollten Truppenverschiebungen und das Nachschub-Management bewerkstelligt werden. Die Vereinbarung sah den Gebrauch der Programme auf fünf Servern und insgesamt 150 unabhängigen Geräten vor. Laut der Erklärung von Apptricity wurden ihre Produkte in einer Reihe von Operationsgebieten wie dem Nahen Osten verwendet. Darüber hinaus nutzte die Armee die Programme auch bei Hilfseinsätzen wie etwa im Januar 2010 nach dem Erdbeben in Haiti.

Unerlaubte Nutzung auf mehr als 9000 weiteren Geräten

Offensichtlich war die Software beim Militär beliebt. Wie sehr, wurde bekannt, als offizielle Stellen mitteilten, Apptricity-Programme würden auf "Tausenden" Geräten laufen. Schließlich stellte sich heraus, dass die Armee nichtlizenzierte Programmversionen auf weiteren 93 Servern und mehr als 9000 Geräten nutzte. Apptricity berechnete die entgangenen Lizenzgebühren - 1,35 Millionen Dollar für jeden Server und 5000 Dollar für jedes Gerät - und klagte.

Die besondere Ironie des Falles: Just zu dem Zeitpunkt im Sommer 2010, an dem Apptricity der unerlaubten Nutzung durch das Militär gewahr wurde, verkündete das Weiße Haus die neue Strategie der Regierung zur verstärkten Bekämpfung der Datenpiraterie .

Bei allem Ärger scheint sich der Hersteller über die Beliebtheit seiner Produkte zu freuen. Firmenchef Tim Garcia nutzte die Einigung mit der Regierung, um seine Produkte zu loben: "Unsere kampferprobtes Logistikprogramm arbeitete so erfolgreich, dass es viral wurde."

Am Ende können alle Beteiligten mit dem Ausgang der Ereignisse zufrieden sein, so die Einschätzung des Militärfachdienstes "Breaking Defense" . Apptricity pflege weiterhin beste Beziehungen zum Militär, das wiederum wesentlich weniger Geld zahlen müsse, als rein juristisch fällig gewesen wäre.

meu
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